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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 34-35/2005)

Soziologie - Gegenwart und Zukunft einer Wissenschaft


Sascha Liebermann · Thomas Loer
Inhalt

Einleitung

Wissenschaft durch Kritik

Forschung und Lehre

Studium als Krise, Lehre als ihre Ermöglichung

Studienabbruch - Versagen oder Erfolg?

Soziologie und Öffentlichkeit

Einleitung
Seit einigen Jahren werden wieder einmal Anstrengungen unternommen, die deutsche Universität zu reformieren. Den Bemühungen sind Diskussionen über Sinn und Zweck von Wissenschaft und entsprechende Beschlüsse auf nationaler und transnationaler Ebene vorausgegangen. Dem muss sich auch die Soziologie stellen,[1] ebenso der Frage nach dem Zweck der Universität. Das Nachdenken über die Lage der Soziologie lässt auch Schlüsse über die gegenwärtige Situation und Zukunft der Universität und damit auch über die der Wissenschaft zu. Denn bei allen Unterschieden hinsichtlich des Gegenstands der Forschung und der Methoden eint alle Disziplinen - sozialwissensschaftliche wie naturwissenschaftliche - eines: Wissenschaft zu sein. Sie dienen dem Erkenntnisgewinn und sind der Logik des besseren Argumentes verpflichtet.

Zur Person
Sascha Liebermann
Dr. phil., geb. 1967; wissenschaftlicher Assistent an der Universität Dortmund, Otto-Hahn-Str.4, 44221 Dortmund; Vorstand des Instituts für hermeneutische Sozial- und Kulturforschung e.V. in Frankfurt/Main.
E-Mail: sascha.liebermann@udo.edu

Thomas Loer
PD, Dr. phil., geb. 1961; Vertretungsprofessor für Soziologie und Sozialpädagogik an der Universität Duisburg-Essen, Universitätsstr. 12, 45117 Essen; Privatdozent an der Universität Dortmund; Herausgeber von "sozialer sinn. Zeitschrift für hermeneutische Sozialforschung".
E-Mail: thomas.loer@udo.edu


Angesichts der Reformvorhaben und der bereits durchgeführten Reformen hat es zwar Kritik an politischen Entscheidungen - wie sie etwa in den Stellungnahmen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) zum Ausdruck kommt -, aber kaum Protest gegeben. Dieser ist selbst in den Universitäten gering geblieben. Von einer Formierung zum Widerstand kann schon gar nicht die Rede sein, auch wenn in jüngerer Zeit die Stimmen derer lauter geworden sind, welche die Möglichkeit von Wissenschaft durch die Reformen in Frage gestellt sehen.[2] Die Umgestaltung der Universität stößt zwar nicht auf große Gegenliebe, aber Alternativen wurden in der Fachöffentlichkeit kaum erörtert. Ein starker Gegenvorschlag von Seiten der Universitäten liegt nicht vor.[3] Statt die Folgen von Juniorprofessuren, von denen Großes erwartet wird, und von Bachelor (BA)/Magister(MA)-Studiengängen überhaupt erst einmal zu diskutieren, sind diese schon eingeführt worden. "Modernisierung" lautet das Schlagwort, mit dem alter, nicht mehr zeitgemäßer Geist vertrieben werden soll. Doch schüttet man das Kind nicht mit dem Bade aus? Im folgenden soll der Frage nachgegangen werden, was eine Wissenschaft zur Wissenschaft macht, wovon sie lebt und woran sie zugrunde gehen kann.
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09. Februar 2012
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