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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 23-24/2006)

Editorial


Hans-Georg Golz

Am 31. Oktober 1947 bestieg Bertolt Brecht in Washington das Flugzeug, das ihn zurück nach Europa bringen sollte. Am Vortag hatte er die Befragung vor dem "House Committee on Un-American Activities" über sich ergehen lassen. Die Furcht war groß, dass im beginnenden Kalten Krieg mit Brechts Stücken und Drehbüchern der Kommunismus auf dem Broadway und in Hollywood einziehen könnte. Dabei hatte sich Brecht, von den Nationalsozialisten ins Exil getrieben, in den USA aller politischen Aktivitäten enthalten.

Seit den zwanziger Jahren Marxist, sah er sich zeitlebens politischen Systemen gegenüber, die sein Werk entweder zu vereinnahmen oder zu vernichten drohten. Die Machthaber der jungen DDR feierten Brechts Rückkehr und die Gründung des Berliner Ensembles. Doch Brecht erkannte rasch die Widersprüche zwischen Anspruch und Wirklichkeit des staatsoffiziellen Sozialismus. Als Augenzeuge des Volksaufstandes vom Juni 1953 bekundete er zunächst seine Verbundenheit mit der SED, distanzierte sich aber von der Partei, als "die große Gelegenheit, die Arbeiter zu gewinnen", nicht genutzt wurde.

Brechts Todestag jährt sich am 14. August 2006 zum fünfzigsten Mal. Der aufklärerische Impetus des "Stückeschreibers" gewinnt nach dem Ende der globalen Systemauseinandersetzung unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen neuen Reiz. Den Status eines Klassikers des modernen Theaters hat Brecht längst inne. Es ist verblüffend, wie modern Brechts Stücke wirken, nähert man sich ihnen ohne den ideologischen Ballast, der die Rezeption lange dominierte.
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10. Februar 2012
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In dem Maße, in dem der Sozialstaat sich wandelt, verändert sich zugleich sein Verständnis von Kultur, ihren Trägern und ihrer Finanzierung. Für Alternativen zu einer Finanzierung durch die öffentlichen Hände fehlen nicht nur in Deutschland die Rahmenbedingungen.
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