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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 9-10/2009)

Die BBC, das Internet und "Public Value"


Richard Collins
Inhalt

Einleitung

Einfluss des Internets

Gemeinwohl - "Public Value"

"Public Value Test"

Strategieänderungen

Fazit

Fazit
Zwischen der BBC und der Entwicklung des Internets in Großbritannien besteht eine enge symbiotische Beziehung. Die BBC hat ein breites Spektrum an oftmals qualitativ hochwertigen Inhalten erfolgreich online zur Verfügung gestellt, und zwar sowohl "statische" webbasierte Inhalte, wie sie von BBC Online angeboten werden, als auch die "dynamischen", auf die per iPlayer zugegriffen wird. Das Internet hat die BBC gestärkt, und die BBC hat das britische Internet gestärkt. Aber die Veränderungen auf dem Rundfunkmarkt, die das Internet hervorgebracht hat, sind so grundlegend, dass sie die Gestalt, die Größe, den Auftrag und die Identität der BBC bedrohen.

Das Internet stellt die Größe der BBC, ihre herausragende Stellung und ihre Finanzierung indirekt in Frage, indem es eine Abwanderung der Werbeeinnahmen von den "althergebrachten" Rundfunk- und Printmedien hin zu den neuen Akteuren im Internet - zu Google und eBay - ermöglicht. Dadurch konzentrieren sich die Bedenken gegenüber einer Rundfunkanstalt, die mit gesicherter Finanzierung und beachtlicher Größe in einem Missverhältnis zu ihren schwindenden Rivalen steht. Die Internetinitiativen der BBC haben die Aufmerksamkeit auf ihre Vorherrschaft und ihr potenziell (vielleicht auch tatsächlich) wettbewerbsschädigendes Verhalten gelenkt und führten zur Schaffung einer neuen regulierenden Vorschrift, die durch öffentlich-rechtliche Prinzipien geprägt und deren Einhaltung vom BBC-Trust kontrolliert wird. Am wesentlichsten ist jedoch, dass das Internet langfristig gesehen die Finanzierung der BBC in Frage stellt. Denn die Rundfunkgebühr ist nur dann zu entrichten, wenn Fernsehprogramme "zeitgleich mit ihrer Ausstrahlung im Fernsehen" geschaut oder aufgezeichnet werden. Wenn Fernsehsendungen zu einer anderen Zeit als während ihrer Live-Übertragung heruntergeladen oder angeschaut werden, ist also keine Fernsehgebühr fällig. Der iPlayer und andere Video-on-Demand-Angebote ermöglichen genau diese Art des nicht-synchronen Medienkonsums.

Anders als in Deutschland ist es in Großbritannien nicht umstritten, ob die BBC online präsent sein sollte oder nicht. Prinzipiell gilt: Wenn es einen Bedarf an einer allgemein zugänglichen (öffentlich-rechtlichen) Bereitstellung von Inhalten gibt (z.B. in Rundfunk und Fernsehen), warum dann nicht auch im Internet? Auch wenn die Skepsis in Großbritannien gewachsen sein mag, ob eine öffentlich-rechtliche Grundversorgung tatsächlich notwendig ist - die Skeptiker bilden doch eine kleine Minderheit, und ihre Anzahl dürfte sich angesichts der bedrohten wirtschaftlichen Überlebensfähigkeit der werbefinanzierten Medien weiter verringern. Der Erfolg der BBC bei der Entwicklung eines sehr umfangreichen Portfolios an viel genutzten Online-Angeboten führt auch zu größeren Folgeproblemen (zum Beispiel: Wer soll die Netzwerkbelastung, die der iPlayer verursacht, wie finanzieren?).

Am wichtigsten aber ist die neu gewonnene Bedeutung grundlegender Probleme der britischen öffentlich-rechtlichen Medienpolitik: Wie groß soll die BBC sein? Wie weit darf die Politik das durch das Internet entstandene Potenzial zur Steigerung der Vielfalt und Pluralität in den öffentlich-rechtlichen Medien nutzen? Wie und in welchem Ausmaß dürfen solche öffentlich-rechtlichen Medien finanziert werden? All diese Fragen sind entscheidend für die Verwirklichung von Public Value in den öffentlich-rechtlichen Medien; alle sind durch den Einfluss des Internets aufgeworfen worden, und alle stellen die derzeitige Vorherrschaft der BBC in Frage.

Übersetzung aus dem Englischen: Jaiken Struck, South Petherton, England/UK.
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10. Februar 2012
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