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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 9/2001)

Globalisierung als Herausforderung für den Standort Deutschland


Stefan Müller / Martin Kornmeier
Inhalt

I. Globalisierung: ein mehrdeutiger Begriff

II. Globalisierung als vermeintliche Ursache des Standortproblems

III. Internationale Wettbewerbsfähigkeit: Irrungen und Wirrungen der Standort-Diskussion

IV. Notwendigkeit einer Versachlichung der Diskussion

I. Globalisierung: ein mehrdeutiger Begriff
Vor einigen Jahren noch weitgehend unbekannt, ist der Begriff "Globalisierung" mittlerweile allgegenwärtig. Noch 1980 führten in allen großen Wirtschaftsmagazinen zusammengenommen nur 50 Veröffentlichungen die Begriffe "global" bzw. "Globalisierung" in ihrem Titel; 1990 waren es schon 670. Der Soziologe Ulrich Beck hält Globalisierung allerdings für das "am meisten missbrauchte und am seltensten definierte Streitwort". Möglicherweise ist dessen Unbestimmtheit auch einer der Gründe dafür, weshalb sich mit dieser Entwicklung so viele Ängste verbinden. Verstärkt werden die Befürchtungen dadurch, dass in den einschlägigen Diskussionen häufig vom "Ende des Nationalstaates" oder von der "Ökonomie ohne Staatsgrenzen" die Rede ist. Dieses negative Bild (Globalisierung als Verlust von Ordnung) hat sich in den Köpfen vieler Bürger festgesetzt: Wie eine aktuelle Befragung des Instituts für praxisorientierte Sozialforschung (Ipos) ergab, bezweifeln 60,5 Prozent der befragten Deutschen, dass Politik die Probleme der Globalisierung lösen kann. Und knapp 52 Prozent sind der Meinung, dass die internationale Verflechtung den Spielraum für politische Entscheidungen stark bzw. sehr stark einschränkt.

  • PDF-Version: 82 KB


  • Zur Person
    Stefan Müller
    Dr. rer pol., geb. 1948; seit 1992 Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Marketing, an der TU Dresden; Leiter des Instituts zur Förderung von Marketing und Marktforschung e. V.

    Anschrift: Technische Universität Dresden, Fakultät Wirtschaftswissenschaften, Lehrstuhl für Marketing, Mommsenstr. 13, 01062 Dresden.
    E-Mail: mls@rcs.urz.tu-dresden.de

    Veröffentlichungen (zus. mit Martin Kornmeier): Internationale Wettbewerbsfähigkeit: Irrungen und Wirrungen der Standort-Diskussion, München 2000; Interkulturelles Marketing, München 2001.

    Viele sprechen fälschlicherweise von "der" Globalisierung; tatsächlich aber ist die Umgestaltung von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft kein homogener Prozess. Vielmehr vollzieht sich dieser auf mehreren Ebenen sowie in unterschiedlicher Intensität und Geschwindigkeit, ausgelöst im Wesentlichen durch verschiedene, stellenweise dramatische Veränderungen in unserer Umwelt (vgl. Abb. 1). Im Einzelnen sind hierbei u. a. die Öffnung der Finanz- und Informationsströme zu nennen, die Technisierung der Infrastruktur sowie zahlreiche Veränderungen in den politischen Systemen, der Unternehmensorganisation, dem gesellschaftlichen Wertekanon und dem Verbraucherverhalten.

    Zur Person
    Martin Kornmeier
    Dipl.-Kfm., geb. 1966; seit 1992 wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Dr. Stefan Müller.

    Anschrift: Technische Universität Dresden, Fakultät Wirtschaftswissenschaften, Lehrstuhl für Marketing, Mommsenstr. 13, 01062 Dresden.
    E-Mail: Kornmeie@rcs.urz.tu-dresden.de

    Veröffentlichungen (zus. mit Stefan Müller): s.o.

    Vier allgemeine Entwicklungen in Politik, Technik, Gesellschaft und Wirtschaft sind es, welche die Globalisierung hauptsächlich vorangetrieben haben:

    - Politik: Staatsgrenzen verlieren an Bedeutung; mit dem "Ende" des Kalten Krieges ist die Bewegungsfreiheit auf der Welt beträchtlich gewachsen.

    - Technik: Gravierende Fortschritte in der Verkehrs- und Kommunikationstechnik beschleunigen die Verbreitung von Produkten und Ideen.

    - Gesellschaft: Tradition und soziale Beziehungen (Familie, Heimat, Brauchtum, Normen) verlieren an Bindungskraft, was indirekt die geographische, mentale und emotionale Mobilität der Menschen fördert.

    - Wirtschaft: Deregulierte Kapital- und Gütermärkte verstärken den Trend zum grenzenlosen Weltmarkt.

    Beschleunigt wird dieser Prozess durch die nachlassende Nachfrage auf dem Binnenmarkt und den zunehmenden Wettbewerbsdruck: Wurde der Konkurrenzkampf bisher vorwiegend auf nationaler und regionaler Ebene ausgetragen, so konkurrieren nun national, international und global Marktteilnehmer miteinander. Karl-Heinz Kaske, damals Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, wies schon 1989 auf die Konsequenzen hin: "Ein Wettbewerber kann nur dann nachhaltig Erfolg haben, wenn er mindestens in einem, besser in zweien der großen Märkte der Triade (Europa, Japan und USA; Anm. d. Verf.) eine führende Wettbewerbsposition innehat. Immer kürzere Innovationszyklen zwingen die Unternehmen, möglichst hohe Stückzahlen zu produzieren, da sich nur durch große Mengen niedrige Stückkosten erzielen lassen. Hohe Stückzahlen lassen sich aber mit dem Absatz auf den Heimatmärkten kaum noch erreichen. Wer mit niedrigen Kosten auf den Markt kommen will, muss in der ganzen Welt verkaufen." [1] Als Folge davon nimmt u. a. die Intensität des Wettbewerbs um die Gewinnung strategischer Partner zu; auch die weltweite "Fusionitis" ist teilweise damit zu erklären.
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    10. Februar 2012
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    Wirtschaft und Globalisierung
    Editorial
    Anpassung an die neoliberale Globalisierung?
    Globalisierung als Herausforderung für den Standort Deutschland
    Neue Ökonomie: Charakteristika, Existenz und Herausforderungen für die Wirtschaftspolitik
    Neue Wirtschaft - Neues Management?
    Soziale Marktwirtschaft und globale "New Economy": Ein Widerspruch?
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