|
|
 |

 |

Aus Politik und Zeitgeschichte (B 31-32/2002)
 |
 |
 |
 |
 |
10 Jahre nach Rio - Wie nachhaltig ist die Agrarpolitik? |

 |
 |
Holger Meyer / Wilfried Gaum
|
 |
|

I. Krise als Chance - Die Wiederentdeckung rationaler Ressourcennutzung |
   |
 |
 |
 |
 |
 |
| "Lassen Sie uns die BSE-Krise als Chance zum Neuanfang begreifen", rief die frisch gebackene Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast den Eröffnungsgästen der Internationalen Grünen Woche am 18. Januar 2001 in Berlin zu. Damit lag sie zur Hochzeit der BSE-Krise Anfang 2001 voll im Trend der Zeit. Bundeskanzler Schröder hatte bereits vorher die konsequente "Abkehr von den Agrarfabriken" und von "industrieller Landwirtschaft" gefordert
. Doch wie sieht es heute, eineinhalb Jahre nach diesem weitreichenden Aufruf aus? Schien der Ökolandbau noch bis vor kurzem die Allheilformel für die vielfältigen Probleme der Agrarwirtschaft zu sein, so ist nach dem Nitrofen-Lebensmittelskandal im Öko-Bereich auch dessen Image beschädigt. Perspektivisch stellt sich nun die Frage, ob sich die Landwirtschaft in Deutschland und Europa auf dem mühsamen Pfad der nachhaltigen Entwicklung
befindet oder aber die vielbeschworene Wende in der Agrarpolitik gar ein Rohrkrepierer ist? Gibt es eine konsistente Nachhaltigkeitsstrategie für eine europäische Agrarpolitik?
|
 |
Zur Person |
 |
 |
 |
 |
Holger Meyer Dipl.-Umweltwissenschaftler, geb. 1976; seit Juni 2000 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Politikwissenschaft I der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
Anschrift: Sozialwissenschaftliches Institut, Universitätsstr. 1, 40225 Düsseldorf.
E-Mail: hmeyer@uni-duesseldorf.de
Veröffentlichungen zu Themen der sozialwissenschaftlichen Umwelt- und Policyforschung.
|
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
Um diese angesichts des Johannesburger Erdgipfels für die jetzige und zukünftige Ausrichtung der Agrarpolitik wichtigen Fragen beantworten zu können, bedarf es eines Rückblicks zu den Ursprüngen des Nachhaltigkeitsbegriffs. Erstaunlicherweise ging dessen Entstehung eine ebenso krisenhafte Entwicklung wie im Zuge des Auftretens der BSE in Deutschland voraus. Denn die gegen Ende des 17. Jahrhunderts rapide zur Neige gehenden und so dringend benötigten Holzreserven für den Silberbergbau im Erzgebirge gefährdeten das wirtschaftliche Rückgrat einer ganzen Region. Um diese wirtschaftliche Bedrohung abzuwenden, legte der Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz einen wesentlichen Grundpfeiler nachhaltiger Entwicklung fest.
Sein Nachhaltigkeitskonzept sollte eine dauerhafte Bewirtschaftung des regionalen Waldbestandes garantieren und somit eine für die damalige Zeit wesentliche Grundvoraussetzung des Silberbergbaus langfristig sichern.
|
 |
Zur Person |
 |
 |
 |
 |
Wilfried Gaum geb. 1955; Ministerialrat in der Niedersächsischen Landesverwaltung.
Anschrift: St.-Georg-Str. 26, 30890 Barsinghausen.
E-Mail: wilfried.gaum@stk.niedersachsen.de
Veröffentlichungen zu Theorie Geschichte des Kündigungsschutzes, Urheber- und Arbeitnehmererfindungsrecht.
|
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
Ausgehend von dieser grundlegenden Idee eines Ressourcenübernutzungsverbots soll daher zunächst die Frage beantwortet werden, welche Nachhaltigkeitsaspekte für die deutsche und europäische Agrarpolitik zu berücksichtigen sind. Dabei können im Rahmen dieses Beitrages nur die maßgeblichen Meilensteine der Konzeptualisierung des Nachhaltigkeitsbegriffs aufgegriffen werden. Im Zuge dessen wird abzuwägen sein, inwieweit die auf die Agrarpolitik zugeschnittenen Nachhaltigkeitskonzepte als Lösungsansätze und Korrektiv für die offensichtlichen Fehlentwicklungen der Agrarpolitik fungieren können.
Als Ergebnis soll ein weitgehend auf der Arbeit der niedersächsischen Regierungskommission "Zukunft der Landwirtschaft - Verbraucherorientierung" fußender Vorschlag dargestellt werden, auf dem eine mittelfristig angelegte und dringend notwendige Debatte über ein belastbares agrarpolitisches Nachhaltigkeitskonzept aufbauen kann. In diesem Zusammenhang sollen auch die verschiedenen Nachhaltigkeitselemente einer Politik für die ländlichen Räume vorgestellt werden.
|
 |
 |
|
 |
18. März 2010
 |
|