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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 09-10/2005)

Editorial


Hans-Georg Golz

Friedrich Schillers Erstling "Die Räuber" erregte bei der Uraufführung 1782 in Mannheim großes Aufsehen; das Freiheitspathos wider die Tyrannenmacht war am Vorabend der Revolution in Frankreich eine Provokation. Das Klischee vom Revolutionär mit offenem Hemdkragen war geboren. Schiller geriet in Konflikt mit der württembergischen Obrigkeit und floh.

Neben historischen und ästhetischen Schriften erschienen europäische Dramen wie "Don Karlos", "Wallenstein" und "Maria Stuart". Mit Goethe verfasste er "Xenien", polemische Sentenzen, in denen sie über die Zustände im zerfallenden "Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation" spotteten. Als Schiller 1802 in den Adelsstand erhoben wurde, galt er bereits als Klassiker.

Im Schiller-Gedenkjahr 2005 wird der 200. Todestag des Schriftstellers begangen. Ob die zahlreichen Festveranstaltungen - darunter die Ausstellung "Götterpläne & Mäusegeschäfte", die ab April im Schiller-Nationalmuseum in Marbach zu sehen sein wird, sowie das Internetportal www.schillerjahr2005.de - die Rezeption auffrischen werden? Schiller teilt das Schicksal vieler Klassiker: nur mehr zitiert und kaum mehr gelesen zu werden.

Gäbe es einen literarischen Kanon, der "deutsche Shakespeare", wie der Philosoph und Biograph Rüdiger Safranski Schiller titulierte, gehörte dazu. Schillers Idealismus, seine Vorstellungen von einer "ästhetischen Erziehung" des Menschen, die aufklärerische Forderung nach "Gedankenfreiheit", die europäische und weltbürgerliche Perspektive seines politischen Freiheitsbegriffs in der anbrechenden Moderne: Leben und Werk bieten mannigfaltige Anknüpfungspunkte für die politische Bildung in der Demokratie.
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10. Februar 2012
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Schiller
Editorial
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