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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 21-22/2003)
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Ausgaben für Bildung im internationalen Vergleich |

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Manfred G. Schmidt
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Wie teuer kommt Deutschlands Bildungswesen den Steuerzahler? 4,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes - des Wertes der jährlich gefertigten Güter und Dienstleistungen - entfallen auf die Finanzierung der Bildungspolitik aus Steuermitteln, so besagen die neuesten international vergleichbaren Zahlen. 4,3 Prozent des Wirtschaftsproduktes, rund 85 Milliarden Euro, sind eine stolze Summe. Pro Kopf der Bevölkerung sind das 1 035 Euro. Aber wie verhalten sich die 4,3 Prozent zu den Bildungsausgaben anderer Staaten? Im internationalen Vergleich sind 4,3 Prozent für Bildung nicht viel. Mit ihnen rangiert Deutschland unter dem Durchschnitt der Bildungsausgaben der Mitgliedstaaten der Europäischen Union - er betrug 1999 5,1 Prozent - und unter dem der Mitgliedstaaten der OECD (4,9 Prozent). Anderswo gibt der Staat mitunter erheblich mehr für die Bildung aus: bis zu 6,5 Prozent des Sozialproduktes in Schweden und Norwegen, gefolgt von Dänemark. Auch Frankreich, die Schweiz, Österreich, die USA und viele andere Länder widmen dem Bildungssystem einen erheblich größeren Anteil ihres Wirtschaftsproduktes als Deutschland. Selbst Polens und Portugals öffentliche Bildungsausgabenquoten und neuerdings auch die Mexikos übertreffen den entsprechenden Anteil Deutschlands (Schaubild 1).
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Zur Person |
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Manfred G. Schmidt
Dr. phil., geb. 1948; Professor für Politische Wissenschaft an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Anschrift: Universität Heidelberg, Marstallstr. 6, 69117 Heidelberg. E-Mail: Manfred.Schmidt@urz.uni-heidelberg.de
Veröffentlichungen u.a.: Wörterbuch zur Politik, Stuttgart 1995; Demokratietheorien, Opladen 20003; (Hrsg.) Wohlfahrtsstaatliche Politik, Opladen 2001; Political Institutions in the Federal Republic of Germany, Oxford 2003;
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Das ist ein erstaunlicher Befund. Er zeigt, dass Deutschland relativ wenig in ein Feld investiert, das für die Zukunft des Landes besonders wichtig ist: Bildung, Qualifikation, die kulturelle Eingliederung der Kinder und Jugendlichen sowie die wirtschaftliche Entwicklung. Denn die Bildung hoch qualifizierter Arbeitskräfte - die Formierung von "Humankapital" - ist zugleich eine wichtige Voraussetzung für Wirtschaftswachstum.
Warum ist der Anteil der öffentlichen Bildungsausgaben am Sozialprodukt in Deutschland niedrig? Warum halten sich die öffentlichen Haushalte in Deutschland ausgerechnet bei Zukunftsinvestitionen wie den Bildungsausgaben zurück? Diese Fragen führen größtenteils in Forschungsneuland. Sie sollen hier anhand von Zwischenergebnissen einer Studie über Deutschlands Bildungsausgaben im internationalen Vergleich beantwortet werden.
Wer nach den Bestimmungsfaktoren der relativniedrigen öffentlichen Bildungsausgaben in Deutschland sucht, muss mit vielen Ursachen rechnen. Mangelnde Vergleichbarkeit der Bildungsausgaben könnte eine Ursache sein, die bessere Nutzung der eingesetzten Geldmittel eine zweite, die relative Wirtschaftskraft der Bundesrepublik eine dritte. Doch alle drei Faktoren tragen nicht. Die Bildungsausgaben sind mittlerweile leidlich vergleichbar - mit ihren Schwächen kann man Deutschlands niedrige Bildungausgabenquote nicht erklären. Zudem sprechen die Befunde der PISA-Studien - vor allem die relativ schlechten Leseleistungen, mathematischen Leistungen und naturwisssenschaftlich-technischen Fähigkeiten 15-jähriger Schüler in Deutschland - nicht für eine besonders produktive Nutzung der Bildungsausgaben. Und mit geringer Wirtschaftskraft lässt sich der niedrige Rang der Bildungsfinanzierung auch nicht erklären, denn Deutschland zählt nach wie vor zu den ökonomisch reichen Staaten, leistet sich aber auch im Verhältnis zu seinem volkswirtschaftlichen Pro-Kopf-Reichtum relativ niedrige öffentliche Bildungsausgabenquoten. |
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09. September 2010
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