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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 49/2007)
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Museen, Beutekunst und NS-Raubkunst |

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Michael Franz
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Wer die mittlerweile über viele Jahre geführten Beutekunstverhandlungen zwischen Deutschland und Russland bzw. Polen verfolgt hat, könnte den Eindruck gewinnen, dass ein Fortkommen aufgrund diametral gegenüberstehender Rechtsstandpunkte unmöglich sei. So stellt etwa im Hinblick auf Russland die deutsche Seite auf die Haager Landkriegsordnung von 1907 bzw. die deutsch-russischen Vereinbarungen von 1990 und 1992 ab und fordert die Herausgabe der Kulturgüter, während Russland auf sein "Beutekunst-Gesetz" von 1998 hinweist, wonach die Objekte zu russischem Staatseigentum erklärt wurden. Dennoch gibt es Bewegung: So sind etwa in Bezug auf die deutsch-russischen Verhandlungen auf der politischen Ebene Arbeitsgruppen eingerichtet worden und singuläre Rückführungen zu verzeichnen. Daneben sind mit dem deutsch-russischen Museumsdialog und Kooperationsprojekten wie der Merowinger-Ausstellung 2007 wichtige Akzente auf der nationalen und internationalen Fachebene gesetzt worden.
Auch die Koordinierungsstelle bietet hier Unterstützung: Mit der Registrierung der Verlustmeldung in der Online-Datenbank wird gleichzeitig der - juristisch bedeutsame - Eigentumsanspruch der jeweiligen Einrichtung international angezeigt. Dabei zeigen Eintragungen aus allen Bundesländern die Breite der deutschen Beutekunst-Verluste. So finden sich in der Datenbank Meldungen etwa der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, der Staatsgalerie Stuttgart, der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München, mehrerer Häuser der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Kunsthalle Bremen, des Museums Folkwang Essen, des Von-der-Heydt-Museums Wuppertal, der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, des Kulturhistorischen Museums Magdeburg und der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Da - wie im Fall der NS-Raubkunst - die Koordinierungsstelle zudem ausländischen Einrichtungen die Registrierung anbietet, verzeichnet auch Einträge etwa der Wiener Stadt- und Landesbibliothek und, vor dem Hintergrund der deutsch-ukrainischen Rückführungsverhandlungen, mehrerer ukrainischer Institutionen. In diesem Zusammenhang ist zu betonen, dass neben Museen auch zahlreiche deutsche Bibliotheken und Archive ihre Beutekunstverluste in der Datenbank der Koordinierungsstelle öffentlich gemacht haben. Hierbei ist insbesondere auf die jüngste Initiative des Deutschen Bibliotheksverbandes hinzuweisen, auf deren Grundlage hin sich mehrere Bibliotheken zusammenschlossen, um die Bedeutung der Zusammenarbeit auf internationaler Fachebene zu unterstreichen und zur Nutzung der Datenbank anzuregen.
Dass die Koordinierungsstelle neben dieser Dokumentation bzw. Unterstützung auch die Diskussion etwa zu den Rückführungsverhandlungen zwischen Deutschland und Polen befördern kann, zeigte sich erst kürzlich, als der vierte Band aus der Buchreihe der Koordinierungsstelle präsentiert wurde. In diesem Buch führt unter anderem Tono Eitel als deutscher Sonderbotschafter für die Verhandlungen mit Polen seinen Standpunkt aus, was zu einem großen politischen und medialen Echo führte. Eitel betonte unter Bezugnahme auf das Völkerrecht, dass es sich bei den als "Berlinka" bekannten - jene aus Deutschland stammenden und heute in Krakau befindlichen - Objekten, darunter u.a. Briefe von Luther, Goethe und Schiller, um kriegsbedingt verlagerte Kulturgüter handele, die an Deutschland zurückzugeben seien. Im Gegensatz zur Position Eitels weist Polen darauf hin, dass die Objekte nicht durch polnische Soldaten, sondern lediglich durch die Neuziehung der Grenzen nach dem Zweiten Weltkrieg auf polnisches Territorium gelangt wären. Zur Ausgewogenheit der Darstellung findet sich in dem Band der Koordinierungsstelle auch ein Aufsatz von Wojciech Kowalski, dem polnischen Verhandlungspartner Tono Eitels.
Das Buch schließt mit einer mehr als 120 Seiten umfassenden Chronologie der Restitution von Beutekunst von 1945 bis 2006; auch sie zeigt, dass es in den letzten Jahren Bewegung auf diesem politisch hochsensiblen Gebiet gibt, was die Hoffnung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsminister Bernd Neumann, nährt, dass diese "nahezu letzte ungelöste Frage im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg einvernehmlich gelöst werden kann". |
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10. Februar 2012
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