Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index
Suche

Themen
Publikationen
Arbeitsmaterialien Medien
Aus Politik und Zeitgeschichte
AV-Medienkatalog
CD-ROM/ CD/ DVD
Einzel-
publikationen
Entscheidung im Unterricht
Filmhefte
fluter
HanisauLand
Informationen zur politischen Bildung
Info aktuell
Internet-Angebote
Mobile Angebote
Karten
Pocket
Rechtsreihe
Schriftenreihe
Spicker Politik
Thema im Unterricht
Themenblätter im Unterricht
Themen und Materialien
Zeitbilder
Spiele
Sonstige
Was geht?
Suche
Veranstaltungen
Wissen
Lernen


Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 14-15/2007)

Die Deutschen und ihr "Drittes Reich"


Harald Welzer
Inhalt

Einleitung

Die Struktur des Nichtwissens

Der soziale Alltag der Ausgrenzung

Wissen über die Massentötungen

Einleitung
Die gesellschaftliche Wirklichkeit des "Dritten Reiches" wird gewöhnlich durch das Prisma des Holocaust betrachtet. Der aber war erst das Ergebnis eines dramatisch beschleunigten gesellschaftlichen Wandlungsprozesses, und der Alltag des Nationalsozialismus sieht im Blick durch dieses Prisma eigentümlich statisch und hermetisch aus. Dabei vermochte die nationalsozialistische Gesellschaft eine ungeheure psychosoziale Energie und Dynamik bei ihren Mitgliedern gerade deshalb freizusetzen, weil das "Tausendjährige Reich" von den meisten Deutschen als ein gemeinsames Projekt empfunden wurde, an dem man teilhaben wollte und auch durfte, sofern man die rassisch definierten Kriterien dafür erfüllte.

Zur Person
Harald Welzer
Dr. phil., geb. 1958; Sozialpsychologe; Professor und Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research am Kulturwissenschaftlichen Institut, Postfach 102745, 45027 Essen.
E-Mail: harald.welzer@kwi-nrw.de

Ausgerechnet diese Gesellschaft hat bis heute keine klaren mentalitätsgeschichtlichen Konturen, was sich etwa anhand der in letzter Zeit intensiv diskutierten Frage zeigt, was die Deutschen vom Holocaust wussten und wie es um die Zustimmung zum Regime im Verlaufe seiner Herrschaft stand. Inzwischen zeichnet sich ab, dass diese Zustimmung in den Jahren nach 1933 bis zum Überfall auf die Sowjetunion kontinuierlich anwuchs, so dass es an der Zeit wäre, die gesellschaftliche Wirklichkeit des "Dritten Reiches" als ein soziales Parallelogramm zu beschreiben, in dem sich die emotionale und materielle Lage der nichtjüdischen Deutschen in dem Maße verbesserte, wie sich die Situation der "Nichtarier" verschlechterte - womit die Ausgrenzung der Juden, wie Peter Longerich argumentiert hat, nicht nur als Herrschaftszweck, sondern auch als Herrschaftsinstrument zu verstehen wäre.[1] Das bedeutet aber zugleich, dass man sich von der Vorstellung freimachen muss, es gebe bei Gesellschaftsverbrechen auf der einen Seite Täter, die Verbrechen planen, vorbereiten und ausführen, und auf der anderen Seite Unbeteiligte oder Zuschauer, die in mehr oder weniger großem Umfang von diesen Taten "wissen". Mit solchen Personenkategorien kann der Handlungszusammenhang, der schließlich in den Massenmord und in die Vernichtung führte, nicht angemessen beschrieben werden. Es gibt in einem solchen Zusammenhang keine Zuschauer, es gibt auch keine Unbeteiligten. Es gibt nur Menschen, die gemeinsam, jeder auf seine Weise - der eine intensiver und engagierter, der andere skeptischer und gleichgültiger - eine gemeinsame soziale Wirklichkeit herstellen.

Aber wie kann man rekonstruieren, was die Deutschen über den Führer, ihr Land und die Politik der Vernichtung gedacht haben? Eine moderne Umfrageforschung gab es vor 70 Jahren noch nicht, und die offiziellen Stimmungs- und Lageberichte,[2] die das Regime regelmäßig erhob, sind von nur begrenzter Aussagekraft, da sie erstens stark die subjektiven Auffassungen der Berichterstatter spiegeln und zweitens nicht nur als Untersuchungs-, sondern zugleich als Steuerungsinstrument der öffentlichen Stimmung gedacht waren und insofern erheblich verzerrt sind.[3]

Man wird sich daher mit einem Patchwork ganz unterschiedlicher Datenquellen begnügen müssen, das die Zustimmung zur Politik des Regimes, insbesondere zur Judenpolitik, in unterschiedlichen Farbtönen abbildet und das aus Beobachtungen des Alltagsverhaltens der Volksgenossinnen und Volksgenossen, aus Daten zum Wissen über den Vernichtungsprozess sowie aus retrospektiven Interview- und Umfragedaten zusammengefügt ist.
Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Datenschutz | Kontakt | Home
10. Februar 2012
Druck-Version
Artikel versenden
PDF-Version
Inhalt
Bild vergrößern
Nationalsozialismus
Editorial
Tendenzen und Perspektiven der Täterforschung - Essay
Eine integrierte Geschichte des Holocaust
Forschungskontroversen zum Nationalsozialismus
Die Deutschen und ihr "Drittes Reich"
Stille Helden
Kommunen und NS-Verfolgungspolitik
Feldpost eines Frontsoldaten
Lexikonsuche
Suchwort:
Lexika:
Dossier
Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
Mit dem deutschen Überfall auf Polen begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Als er 1945 endete, lag Europa in Trümmern. Über 55 Millionen Menschen waren tot. Wie konnte es soweit kommen? Und wie sollte es weitergehen mit einem Land, das den größten Zivilisationsbruch der Geschichte begangen hatte?
Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg