Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index
Suche

Themen
Publikationen
Arbeitsmaterialien Medien
Aus Politik und Zeitgeschichte
AV-Medienkatalog
CD-ROM/ CD/ DVD
Einzel-
publikationen
Entscheidung im Unterricht
Filmhefte
fluter
HanisauLand
Informationen zur politischen Bildung
Info aktuell
Internet-Angebote
Mobile Angebote
Karten
Pocket
Rechtsreihe
Schriftenreihe
Spicker Politik
Thema im Unterricht
Themenblätter im Unterricht
Themen und Materialien
Zeitbilder
Spiele
Sonstige
Was geht?
Suche
Veranstaltungen
Wissen
Lernen


Aus Politik und Zeitgeschichte (B 37-38/2000)

Die Finanzkrise in Russland im Gefolge der Asienkrise


Hansjörg Herr
Inhalt

I. Der Beginn des russischen Transformationsprozesses

II. Das Stabilisierungsprogramm 1995

III. Die Finanzkrise 1998 und ihre Folgen

IV. Lehren aus der Russlandkrise 1998

IV. Lehren aus der Russlandkrise 1998
Die Krise in Russland folgt einem ähnlichen Muster wie die Krise in den asiatischen Ländern: Es kommt, getragen durch kurzfristige und oftmals spekulative Kapitalzuflüsse, im Inland zu einer Börsenblase, die weitere Kapitalströme anlockt. Internationale Anleger sind offensichtlich aufgrund hoher Renditeerwartungen bereit, selbst hohe Risiken einzugehen. Kommt es zum Umschwung der Erwartungen - durch was auch immer -, drehen sich die Kapitalströme um und reißen das Land in eine Währungskrise. In Russland dauerte es gerade zwei Jahre, um kurzfristige Kapitalzuflüsse in einer Katastrophe enden zu lassen. Es spricht alles dafür, derartige Kapitalimporte administrativ durch Kapitalverkehrsregulierungen zu unterbinden. Dabei ist zu bedenken, dass Kapitalzuflüsse weitaus leichter zu kontrollieren sind als Kapitalabflüsse, da immer das Risiko der Konfiszierung besteht.

Wer Schulden in Fremdwährung hat, der wird bei Abwertungen der inländischen Währung immer Probleme haben. Der russische Staat hat aus der Zeit der Sowjetunion Fremdwährungsschulden geerbt und sich noch weiter und vor allem kurzfristig in fremder Währung verschuldet. Das russische Bankensystem ging hohe ungesicherte Währungsrisiken ein. Kommt eine Abwertung, dann ist gegen eine Liquiditäts- und Solvenzkrise ab einer bestimmten Abwertungsrate nichts mehr zu machen. Denn die inländische Zentralbank kann in diesem Fall die inländischen Schuldner nicht retten, da sie nicht das Geld produzieren kann, das die Schuldner benötigen.

Unter diesem Aspekt stimmt eine Entwicklungsphilosophie bedenklich, die auf ausländische Ersparnisse und spiegelbildlich Leistungsbilanzdefizite sowie Nettoressourcenimporte in unterentwickelten Ländern setzt [28] . Eine solche Strategie mag noch relativ risikolos sein, wenn Kapitalimporte die Form von Direktinvestitionen annehmen, da dann das Währungsrisiko beim ausländischen Investor liegt und die Anlage in aller Regel längerfristig getätigt wird. Bei Portfolioinvestitionen hängt das Wechselkursrisiko vom Geschäft ab. Kauft ein Ausländer eine russische Aktie oder ein GKO, liegt das Währungsrisiko bei ihm, emittiert der russische Staat Eurobonds, dann liegt das Währungsrisiko auf der russischen Seite. Am gefährlichsten sind Kapitalimporte in der Form von Krediten, da in diesem Fall bei unterentwickelten Ländern das Wechselkursrisiko vollständig beim Schuldner liegt. Sowohl die asiatischen Länder vor der Asienkrise als auch Russland vor der Rubelkrise hatten hohe Bestände an ausländischen Verbindlichkeiten aufgebaut, die dann nach der Abwertung das inländische Bankensystem und im Falle Russlands zusätzlich die öffentlichen Haushalte in eine zerstörerische Liquiditäts- und Solvenzkrise gestürzt haben.

Auf was es bei der Verschuldung eines Landes ankommt, ist die Bruttoschuld gegenüber dem Ausland, die auch aufgebaut werden kann, wenn, wie im Falle Russlands, die Leistungsbilanz positiv ist. Die zerstörerischen Wirkungen einer Abwertung bei Schulden in Fremdwährung können selbst dann auftreten, wenn das Land insgesamt eine Nettogläubigerstellung hat, denn die Gläubiger werden bei einer abwertungsbedingten Liquiditäts- und Solvenzkrise den Schuldnern keinesfalls helfen und diesen harte Währungen zur Verfügung stellen. Russland insgesamt mangelt es nicht an Devisen. Nach Schätzungen sind zwischen 1992 und 1997 etwa 140 Mrd. US-Dollar illegal aus Russland ins Ausland geflossen [29] . Nach Schätzungen des Leiters des Forschungsinstituts der Moskauer Abteilung der russischen Zentralbank fließen derzeit monatlich 1-1,5 Mrd. US-Dollar illegal ins Ausland [30] . Geht man von diesen Zahlen aus, dann hat Russland als Land insgesamt keine Schuldnerstellung gegenüber dem Ausland. Allerdings hilft dies dem russischen Staat und den russischen Banken, die von der Schuldenlast erdrückt werden, wenig.

Die asiatische Finanzkrise sowie die Entwicklung auf den internationalen Rohstoffmärkten haben die Krise in Russland zweifelsfrei beschleunigt und verschärft. Außerordentlich verletzlich wurde Russland durch die Schulden in Fremdwährung und die Zuflüsse kurzfristiger Kapitalimporte. Ohne diese beiden Faktoren hätte die Rubelkrise 1998 nicht ihre zerstörerische Kraft entwickeln können. Gleichwohl muss die russische Krise insgesamt als hausgemacht eingestuft werden, da sich Russland in erster Linie durch seine fiskalischen Probleme sowie die Art und Weise der Finanzierung seiner Budgetdefizite in eine instabile Lage gebracht hat.

Internetverweise des Autors:

European Bank for Reconstruction and Development: www.ebrd.com

Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien: www.biost.de

Bank für Internationalen Zahlungsausgleich: www.bis.org

Central Bank of Russia: www.cbr.ru
Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Datenschutz | Kontakt | Home
10. Februar 2012
Druck-Version
Artikel versenden
Inhalt
Bild vergrößern
Internationale Finanzpolitik
Editorial
Globalisierung und internationales Finanzsystem
Deutschland und die Reform der internationalen Finanzarchitektur
Ostasien nach der Krise: Interne Reformen, neue Finanzarchitektur und monetärer Regionalismus
Die Finanzkrise in Russland im Gefolge der Asienkrise
Finanzkrisen, Währungskrisen, Wirtschaftskrisen: Konstanten des lateinamerikanischen Entwicklungsprozesses?
Dossier
Russland
Russland
Von Osteuropa bis in den äußersten Osten Asiens: So weit sich Russland erstreckt, so vielfältig ist auch das Land. Ein Überblick über Geschichte, Politik, Gesellschaft, Kultur und Geografie eines Landes zwischen Autokratie und Modernisierung.
Russland