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30.7.2003 | Von:
Erwin Breßlein

Das IX. Festival in Sofia

Im Sommer 1973 fanden die X. Weltfestspiele in Ost-Berlin statt. Ein Jugendfestival zwischen politischer Inszenierung, Repression und persönlicher Begegnung. Erwin Breßlein analysiert die Geschichte der Weltfestspiele und die Vorbereitungen für Ost-Berlin.

Einleitung

Bis zum nächsten Festival vergingen sechs Jahre. Die Ursachen dafür lagen weniger in einer politischen Verdrossenheit des WBDJ als vielmehr in einer Reihe von Umständen, die sich durch absonderliche Duplizität auszeichnen. Für 1965 waren die IX. Weltfestspiele auf einer Sitzung des Internationalen Vorbereitungskomitees (IVK) vom 8. bis 10. September 1964 in Helsinki nach Algerien vergeben und dort auch vorbereitet worden. Doch einen Monat vor ihrem geplanten Beginn wurde die Regierung Ben Bella, die einen "ordentlichen" Ablauf des Festivals gewährleisen sollte, von Boumedienne gestürzt, der keineswegs die Beachtung sowjetischer Direktiven für den Verlauf der Festspiele garantierte. Aus diesem Grunde wurde das IX. Festival auf einer schnell anberaumten Tagung des Internationalen Vorbereitungskomitees am 8. Und 9. Juli in Tampere/Finnland gegen den Widerspruch der Chinesen verschoben.

Im Januar 1966 wählte das Internationale Vorbereitungskomitee in Wien die Hauptstadt Ghanas, Accra, zum neuen Festspielort. Im September desselben Jahres sollte dort unter dem Regime Kwame N´Krumahs das Festival stattfinden. Auch diesem Entscheid machte der Sturz des Staatschefs kurz nach der Beschlußfassung zunichte. Diesmal blieb dem Internationalen Vorbereitungskomitee nichts anderes übrig, als die Festspiele auch für 1966 abzusagen.

Schließlich verfiel der WBDJ auf den naheliegenden Gedanken, die IX. Weltfestspiele in einem Land abzuhalten, dem keine revolutionäre Land abzuhalten, dem keine revolutionäre Veränderung in der Staatsführung drohte. Im Juni 1966 faßte die WBDJ-Generalversammlung den vorläufigen Entschluß, das Festival nach Havanna oder Sofia zu vergeben. Eine Sitzung des Internationalen Vorbereitungskomitees am 25. Und 27. Januar 1967 in Wien bestimmte dann Sofia zur Festspielstadt – eine Wahl, die angesichts mancher Attacken aus Kuba Ende November 1967 vom IVK noch einmal bestätigt werden musste.

Nach der definitiven Entscheidung für Sofia begannen dort um ein IVK die organisatorischen Vorbereitungen. Das Internationale Vorbereitungskomitee gab von Mai 1968 an die Zeitschrift "Festival" in großer Auflage und mehreren Sprachen heraus, in der die programmatische Ausrichtung der IX. Weltfestspiele – Verurteilung der amerikanischen Aggression in Vietnam – eingeleitet wurde.