Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index
Suche

Themen
Publikationen
Arbeitsmaterialien Medien
Aus Politik und Zeitgeschichte
AV-Medienkatalog
CD-ROM/ CD/ DVD
Einzel-
publikationen
Entscheidung im Unterricht
Filmhefte
fluter
HanisauLand
Informationen zur politischen Bildung
Info aktuell
Internet-Angebote
Mobile Angebote
Karten
Pocket
Rechtsreihe
Schriftenreihe
Spicker Politik
Thema im Unterricht
Themenblätter im Unterricht
Themen und Materialien
Zeitbilder
Spiele
Sonstige
Was geht?
Suche
Veranstaltungen
Wissen
Lernen


Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 22/2005)

Vom Völkerbund zu den Vereinten Nationen


Alfredo Märker / Beate Wagner
Inhalt

Einleitung

Gründung und Scheitern des Völkerbunds

Gründung und Entwicklung der VN

Zukunftsperspektiven der VN

Gründung und Scheitern des Völkerbunds
Als dem amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson 1920 für die Gründung des Völkerbundes der Friedensnobelpreis verliehen wurde,[6] zeichnete man ihn für sein Engagement bei der Umsetzung einer Idee aus, für die er seine eigenen Landsleute offenbar nur wenig zu begeistern vermochte. In der Tat lässt sich die dem Völkerbund zugrunde liegende Idee einer verfassten Weltgesellschaft - also die Einbindung souveräner Staaten in ein System gegenseitiger Sicherheit, gemeinsamer rechtlicher Verpflichtungen, Institutionen und Verfahren mit dem Ziel einer Vertrauensbildung - nur schwer mit dem amerikanischen Freiheitsideal (und daraus folgenden Vorstellungen von Sicherheit) vereinbaren.


Völkerbund_420
Sitzungssaal des Völkersbundes, 1928, Foto: Deutsches Bundesarchiv

Philosophisch geht die Gründung des Völkerbundes vor allem auf europäische Denkschulen zurück. Frühe Vorstellungen zur Errichtung einer Friedensordnung finden sich etwa bei William Penn (1644 - 1718) und Abbé de Saint-Pierre (1658 - 1743). Von zentraler Bedeutung waren allerdings die Überlegungen Immanuel Kants (1724 - 1804), bei dem sich auch erstmals der Ausdruck "Völkerbund" findet. In seinem 1794 veröffentlichten Traktat "Zum Ewigen Frieden" hatte Kant einen Bund gleichberechtigter Staaten vorgeschlagen, versehen mit einem detailliert ausgearbeiteten Vertragsentwurf und einem Organisationsmodell jenseits von Weltstaatlichkeit. Doch erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, nach einem Weltkrieg mit Millionen von Toten, schien die Zeit reif für eine Umsetzung dieser Vision.[7]

Realpolitisch ist die Entstehungsgeschichte des Völkerbundes eng verbunden mit dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten, der im Ersten Weltkrieg schließlich die militärischen Entscheidungen zugunsten der Alliierten brachte. Nach Ansicht Hermann Webers fiel den USA deshalb die Aufgabe, Grundsätze für eine neue Staatenordnung zu entwickeln, auf "fast natürliche Weise" zu.[8] Präsident Wilson, der Wortführer einer neuen und besseren Staatenordnung, hatte seine Vorstellungen in den Jahren 1918/19 mehrfach öffentlich dargelegt. So sagte er am 4. Juli 1918 in Mount Vernon: "Was wir suchen, ist die Herrschaft des Rechts, gegründet auf die Zustimmung der Regierten und getragen von der organisierten Meinung der Menschheit."[9]

Wenige Monate zuvor, am 18. Januar 1918, hatte er die amerikanischen Kriegsziele in seiner berühmt gewordenen "14-Punkte-Ansprache" vor dem amerikanischen Senat erörtert. Sein letzter und wichtigster Punkt - die Gründung einer "Allgemeinen Vereinigung der Nationen" - wurde später auf der Pariser Friedenskonferenz von den Siegerstaaten ebenso aufgenommen wie sein Vorschlag, die Satzung des Völkerbundes in die Friedensverträge zu integrieren, womit der Demokrat Wilson in seiner Heimat die Zustimmung der Republikaner zum Völkerbund erhoffte. Am 28. April 1919 wurde die Völkerbundsatzung von den 32 Siegerstaaten des Ersten Weltkrieges einstimmig angenommen. Bekanntermaßen wurden die Vereinigten Staaten von Amerika niemals Mitglied. "[D]em Puls des amerikanischen Volkes näher als ein idealistischer Präsident" - wie es Ulrich Preuß jüngst beschrieben hat - hatte der amerikanische Senat seine Zustimmung zum Vertrag von Versailles, dessen erste 26 Artikel das Statut des Völkerbundes bildeten, versagt. "George Washington siegte posthum über Woodrow Wilson", so Preuß, und er fügte hinzu, dass Wilson bis heute keinen allzu guten Ruf in den USA genieße.[10]

Trotz des Rückzugs der USA in den Isolationismus stimmten die Anfangsjahre der neuen Organisation, zu deren Sitz man Genf bestimmt hatte (daher auch die Bezeichnung "Genfer Liga"), zunächst hoffnungsvoll. Ihre Erfolge in der Friedenssicherung blieben jedoch auf die Anfangszeit beschränkt: So gelang es dem Völkerbund, bei einigen eher unbedeutenden Streitfällen zu vermitteln, darunter Spitzbergen (1920), die Åland-Inseln (1921) und Korfu (1923). Zentrale Auseinandersetzungen wie der Ruhrkonflikt (1923), der Spanische Bürgerkrieg (1936 bis 1939) und die Sudentenkrise (1938) wurden stattdessen außerhalb der "Genfer Liga" ausgetragen. Insofern sind die tatsächlichen Leistungen des Völkerbundes eher im technischen Bereich zu finden, etwa bei der Einleitung der Dekolonisation, dem Aufbau internationaler Unterstützung von Flüchtlingen, weltweiter Hungersbekämpfung und Gesundheitsvorsorge oder der Etablierung einer internationalen Beamtenschaft mit supranationalem Beamtenethos und ersten (wenn auch eher negativen) Erfahrungen bei der internationalen Konsensfindung - eine Leistung, von der die Vereinten Nationen später profitieren sollten.[11]

Die einzelnen Schritte und Ursachen für das Scheitern des Völkerbundes sind oft beschrieben worden. Zum einen hatte man bei der Gründung des Völkerbunds versäumt, ihn mit der nötigen Zwangsgewalt zur Durchsetzung seiner Beschlüsse auszustatten. Hinzu kam, dass seine Satzung ohnehin kein generelles, sondern nur ein eingeschränktes Gewaltverbot begründete. Die Regeln zur Kriegsverhütung sahen also lediglich einen Mechanismus der Streitschlichtung vor, demzufolge ein Staat das Recht zum Krieg hatte, ohne gegen die Satzung zu verstoßen. Am deutlichsten manifestierte sich die Schwäche des Völkerbunds jedoch in seiner mangelnden Universalität. Letztlich repräsentierte er niemals die ganze Völkergemeinschaft, in seiner Hochphase gerade zwei Drittel der damaligen Staatenwelt. Deutschland wurde erst 1926 Mitglied, die Sowjetunion trat erst 1934 bei; aber da hatten einige Staaten - insbesondere Japan, das Deutsche Reich und kurz darauf Italien - den Völkerbund ohnehin längst wieder verlassen. Nahezu teilnahmslos musste die "Genfer Liga" daraufhin dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zusehen.

So wenig der Völkerbund seiner Kernaufgabe in den 26 Jahren seines Bestehens gerecht werden konnte, so viele Erklärungsversuche wurden für dessen Versagen hervorgebracht. Winston Churchill schrieb es vor allem der Abwesenheit der USA und der Tatsache zu, dass diese Europa sich selbst überlassen hätten. Für Paul Boncour, den französischen Vertreter bei der Völkerbundversammlung, hatte hingegen nicht die Weltorganisation Fehler gemacht, sondern die jeweiligen Nationen (bzw. deren Regierungen). Diese hätten es nicht vermocht, sich über ihre Partikularinteressen zu erheben und so den Völkerbund "im Stich gelassen". Beide Positionen haben wohl ihre Richtigkeit, schmälern jedoch im Nachhinein auch nicht die Bedeutung dieses ersten gescheiterten Versuchs, eine Weltfriedensorganisation zu errichten. Entsprechend überwogen in der Nachschau die Würdigungen. So bezeichnete der südafrikanische Politiker Jan Christian Smuts den Völkerbund auf der Gründungskonferenz der Vereinten Nationen als "große und edle Leistung", die weit über das hinausgegangen sei, was man vorher getan oder auch nur versucht habe; vieles davon sei "von bleibendem Wert", so dass es von der neuen Organisation nur aufgenommen und fortgesetzt werden könne. "Der Völkerbund ist tot, es lebe die UNO", lautete der Nachruf des britischen Diplomaten Lord Cecil anlässlich der Selbstauflösung des Völkerbundes am 18. April 1946. Wie kaum ein anderer hatte er sich für das Gelingen der ersten Weltfriedensorganisation eingesetzt. An seinen Worten wird deutlich, dass die Vereinten Nationen, bei allen strukturellen Vorkehrungen, die man der neuen Weltorganisation nach dem Scheitern des Völkerbundes auf den Weg gab, ideengeschichtlich noch immer in der Kontinuität ihres Vorgängers standen.[12]
Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Datenschutz | Kontakt | Home
09. Februar 2012
Druck-Version
Artikel versenden
PDF-Version
Inhalt
Bild vergrößern
60 Jahre Vereinte Nationen
Editorial
Vom Völkerbund zu den Vereinten Nationen
Das System der Vereinten Nationen
Die UNO-Generalsekretäre
Die Friedenseinsätze der VN
Die Vereinten Nationen und das Völkerrecht
Souveränität und Angriffskriegsverbot
Lexikonsuche
Suchwort:
Lexika:
Aus Politik und Zeitgeschichte
Die Vereinten Nationen
Die Vereinten Nationen
Lange Zeit stand die Arbeit der Vereinten Nationen im Schatten des Kalten Krieges. Seit 1990 wenden sich die Aktivitäten immer stärker dem "peacekeeping" und "state building" zu.
Die Vereinten Nationen