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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 19/2006)

Fußball und Völker-
verständigung


Hans-Georg Ehrhart
Inhalt

Einleitung

Zivilisierung der Gewalt

Identität und Nation

Fußball und Diktatur

Fußball und Krieg

Völkerverständigung durch Fußball?

Schlussfolgerung

Einleitung
Es ist schon erstaunlich, dass das Thema Fußball und Völkerverständigung bislang von der Politikwissenschaft weitgehend ignoriert worden ist. Fußball ist nicht per se unpolitisch, wie hin und wieder behauptet wird.

Zur Person
Hans-Georg Ehrhart
Dr. phil., geb. 1955; stellv. Leiter des Zentrums für Europäische Friedens- und Sicherheitsstudien am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH).
E-Mail: ehrhart@ifsh.de

Artikel 2 der Statuten der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) gibt als Zweck dieser internationalen Nichtregierungsorganisation an, den Fußball "weltweit zu verbreiten, wobei der völkerverbindende, erzieherische, kulturelle und humanitäre Stellenwert des Fußballs berücksichtigt werden soll".[1] FIFA-Präsident Josef Blatter beschreibt die Rolle des Fußballs als die einer weltweiten Friedensorganisation, wenn er sagt: "Fußball vereinigt die Völker und kann mit seiner positiven Energie einen großen Beitrag in einer bösartigen und verrückten Welt leisten."[2] Auch die Bundesregierung bemüht sich, im Hinblick auf die Fußballweltmeisterschaft 2006 den Aspekt der internationalen Völkerverständigung hervorzuheben. So spricht Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem Grußwort vom Funken der Begeisterung und Völkerverständigung, der bei der Fußball-WM in Deutschland auf die ganze Welt überspringen werde.[3]

Kontrastiert wird dieses Bemühen leider allzu oft von den hässlichen Realitäten in dieser Welt. Vergleichsweise harmlos erscheint noch der bellizistische Sprachgebrauch, dessen sich insbesondere die Medien manchmal bedienen. So beschrieb der ZDF-Fernsehreporter Bela Rethy das Länderspiel Deutschland - Frankreich am 12. November 2005 als "Abnutzungskampf", um kurz darauf zu ergänzen, es sei ganz wichtig für die Moral, die Franzosen in Kleinkriegen zu bekämpfen. Nun kann man dem jovialen Reporter natürlich keine verbale Kriegstreiberei unterstellen, sondern eher einen unkritischen Sprachgebrauch - und da ist er gewiss kein Einzelfall. Im Fußballjargon wird ja seit jeher "gebombt", "der Gegner ausgeschaltet", der "Killerinstinkt" beschworen und "bis aufs Messer" gekämpft. Weitaus schlimmer sind Gewaltakte in den Stadien, der Hooliganismus und die Funktionalisierung des Fußballs für das Schüren von gesellschaftlichen oder internationalen Konflikten.
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10. Februar 2012
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