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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 52-53/2001)

Holocausterinnerung und Terror im globalen Zeitalter


Natan Sznaider
Inhalt

Einleitung

I. Kosmopolitische Erinnerung

II. Diskurs der Krise

III. Staatsbürger und Weltbürger

IV. Antiamerikanismus und Antisemitismus

V. Neue Identitäten

Einleitung
Steht Amerika stellvertretend für die "Menschheit ohne Erinnerung", wie einst Adorno annahm? Lässt sich das Gleiche auch noch nach dem 11. September sagen? Hat es je gestimmt?

  • PDF-Version: 47 KB


  • Zur Person
    Natan Sznaider
    Prof. Dr., geb. 1954 in Mannheim; Studium der Sozialwissenschaften in Israel und den USA, Promotion an der Columbia Universität New York; Dozent für Soziologie und Kulturwissenschaften am Academic College in Tel Aviv, Israel.

    Anschrift: Academic College of Tel-Aviv. Behavioral Science Department, 6 Henriette Szold Str., Tel-Aviv, Israel.
    E-Mail: natan@mta.ac.il

    Veröffentlichungen u. a.: The Compassionate Temperament: Care and Cruelty in Modern Society, Bolder, Col. 2000; (zus. mit Daniel Levy) Erinnerung im Globalen Zeitalter: Der Holocaust, Frankfurt/M. 2001 (www.suhrkamp.de/buecher/sv22001/levy.htm).

    Weiter: Kann Erinnerung überhaupt mit Globalisierung in Zusammenhang gebracht werden? Ist nicht gerade die "kollektive Erinnerung" bestimmend für das "Lokale", das sich der Globalisierung Widersetzende?

    Es gibt eine kennzeichnende Form kollektiver Erinnerung im Zeitalter der Globalisierung. Ein Phänomen ist der amerikanische Fall und die besondere Bedeutung der Erinnerung an den Holocaust - beziehungsweise an das, was häufig die "Amerikanisierung des Holocaust" genannt wird. Dies in Hinsicht auf Identität im globalen Zeitalter zu untersuchen ist das Anliegen des Beitrages. [1]

    Was den weitreichenderen Zusammenhang dieser Debatte betrifft, so hat im Verlauf der letzten zehn Jahre der Begriff der "Globalisierung", und gleichzeitig natürlich der "Amerikanisierung", den öffentlichen Diskurs geprägt - und zwar vor allem hinsichtlich der Aspekte Konsum und Popkultur. Die heutigen Ängste bezüglich des "Globalen" entsprechen vergleichbaren Ängsten vor 100 Jahren und auch heutzutage bezüglich der "Amerikanisierung". Damals wie heute ist das Thema einer "globalen Kultur" zum Ziel politischer, ideologischer und wissenschaftlicher Kontroversen geworden. Viele dieser Debatten sind in dichotomischen Begriffen angelegt, die nationale und postnationale Modelle einander gegenüberstellen: So nimmt das nationale Modell die Globalisierung nur als einen oberflächlichen Ersatz für nationale Werte wahr. Diese so genannten "nationalen Werte" werden in Zeiten des Post-Nationalismus häufig als "authentisch" bezeichnet. "Alle Kultur ist lokal" heißt der Slogan dieser Bewegung. In diesem Zusammenhang spielt die Entstehung des Massenkonsums - und die Identifikation über Konsum - eine entscheidende Rolle. Dabei wird die Existenz transnationaler Identifikationsformen oft mit einem bevorstehenden Ende der Nation gleichgesetzt. Es wird vermutet, dass das Konsumverhalten quer durch die Nationen zu einer weltweiten Homogenisierung führt. Deshalb steht bei Gegnern der Moderne Amerika für alles Böse: für Seelenlosigkeit, Entfremdung, Einsamkeit, einen wahnsinnigen Egoismus. Amerika sei eine Nation ohne historisches Bewusstsein mit Menschen ohne Erinnerung - so Theodor W. Adorno Ende der fünfziger Jahre. Folglich geht es hier nicht nur um den Konsum von Lebensmitteln, Kleidung und anderen Gütern. Es geht auch um den Konsum von Erinnerungen.
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    10. Februar 2012
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    Kulturelle Globalisierung
    Editorial
    Die Wiederkehr der Politik und der Kampf der Kulturen
    Die westliche Wertekultur auf dem Prüfstand
    Nach dem Fall: Globalisierung und ihre Kritik
    Holocausterinnerung und Terror im globalen Zeitalter
    Marx in Kalifornien: Der dritte Kapitalismus und die alte politische Ökonomie
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