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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 28-29/2005)

Der Aufstieg des Lokalen


Trutz von Trotha
Inhalt

Einleitung

Horizontalisierung der staatlichenOrdnung

Parasouveränität

Die neosegmentäre Ordnung

Der "Kleine Krieg" - ein lokaler Krieg

Konfliktregulierung zwischen Globalisierung und Lokalisierung

Der "Kleine Krieg" - ein lokaler Krieg
Der Aufstieg des Lokalen ist eine direkte Folge vom Aufstieg des "Kleinen" oder "Neuen Krieges", der zur vorherrschenden Kriegsform geworden ist und in den vergangenen Jahrzehnten bei weitem die meisten Opfer gefordert hat. Angesichts des "globalen Kleinkrieges", für die "9/11" zur eingängigen Metapher geworden ist, gerät leicht aus dem Blick, dass der "Kleine Krieg" ein "lokaler Krieg" ist. Anders als die Kriege der Nationalstaaten werden Kleine Kriege von lokalen Akteuren und vor allem von einer Vielzahl lokaler Akteure geführt. Diese Vielzahl ist ein Spiegel dafür, wie eng die gewalttätigen Auseinandersetzungen mit lokalen Konflikten verflochten und der Fortgang des Krieges und die Zielsetzungen der kriegführenden Akteure von komplexen lokalen und von nicht weniger komplexen Konflikten bestimmt sind, die das Verhältnis zwischen lokalen Gruppen und dem nationalen Herrschaftszentrum prägen. Das gilt für die Zweite Tuaregrebellion ebenso wie für die opferreichen Auseinandersetzungen in Somalia und die Sezession Somalilands.

Dem lokalen Charakter der Kriege entspricht, dass ihre Dauer eher in Jahrzehnten als in Jahren gezählt wird und sie kein Ende finden. Von außen sind sie kaum steuerbar und vor allem selten zu beenden.[10] Nicht zuletzt ist dafür die Ökonomie des "Kleinen Krieges" bestimmend, die in wesentlichem Umfang eine lokale Ökonomie ist, wobei dem Raub von materiellen und menschlichen Ressourcen und der entsprechenden Grausamkeit der Kriegsführung eine wachsende Bedeutung zukommt.[11] Allerdings besitzen die "Kleinen Kriege" Anknüpfungspunkte für partielle Globalisierungsvorgänge wirtschaftlicher Art in Gestalt von Unterstützung durch internationale Organisationen und die Diaspora der Konfliktparteien, von legalen und illegalen Märkten für Rohstoffe, Edelsteine, Waffen, Drogen und Menschenhandel. Aber diese partielle Globalisierung ändert wenig an der Tatsache, dass "Kleine Kriege" zu den Vorgängen gehören, mit denen der Globalisierung in ihrem ökonomischen Kernbereich Grenzen gezogen werden.

Zu Recht mag man einwenden, dass mit der Erfindung des globalen Kleinkrieges nach dem Muster von "9/11" die lokale Verankerung aufgehoben ist. Aber "9/11" ist im globalen Kleinkrieg selbst nur eine der möglichen Kriegstaktiken. Nimmt man beispielsweise das Auftreten Osama Bin Ladens in den Blick, der sich gestern in Somalia, heute in Afghanistan und morgen im Irak engagiert, dann ist im globalen Kleinkrieg die räumliche Entgrenzung eingeschränkt. In allen Fällen benötigt der globale Kleinkrieg seine lokale Verankerung und ist dementsprechend von lokalen Verhältnissen abhängig.
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10. Februar 2012
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Zerfallende Staaten
Editorial
Failed States und Globalisierung - Essay
Vom Entwicklungsstaat zum Staatsverfall
Fragile Staaten als Problem der Entwicklungspolitik
Good Governance gegen Armut und Staatsversagen
Fragile Staatlichkeit als globales Sicherheitsrisiko
Der Aufstieg des Lokalen
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