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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 25-26/2005)

Wer waren Einsteins Gegner?


Milena Wazeck
Inhalt

Einleitung

Die Academy of Nations

Einsteins Gegner in Deutschland

Einsteins Gegner in Europa

Relativitätstheorie und Weltanschauung

Ein Wahrheitsbund?

Einleitung
Nachdem 1919 die Voraussage der Allgemeinen Relativitätstheorie bestätigt wurde, nach der ein Lichtstrahl durch das Schwerefeld der Sonne abgelenkt wird, stieg Albert Einstein in den folgenden Jahren zum Star der Massenmedien auf. "Gegenwärtig debattiert jeder Kutscher und jeder Kellner, ob die Relativitätstheorie richtig sei. Die Überzeugung wird hierbei bestimmt durch die Zugehörigkeit zu einer politischen Partei", schrieb er am 12. September 1920 seinem Freund Marcel Grossmann.

Zur Person
Milena Wazeck
Dipl.-Pol., geb. 1977; wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte (MPIWG). MPIWG, Wilhelmstraße 44, 10117 Berlin.
E-Mail: wazeck@mpiwg-berlin.mpg.de


Doch die Relativitätstheorie wurde nicht nur gefeiert, sondern war von Anfang an heftiger Kritik ausgesetzt. Wissenschaftliche Einwände auf Basis der klassischen Physik waren schon früh erhoben worden. Der Experimentalphysiker Ernst Gehrcke (1878 - 1960) etwa publizierte seit 1911 verschiedene Einwände gegen Einstein: Er hielt am Konzept des Äthers als notwendiges Medium für die Ausbreitung von elektromagnetischen Wellen fest und hielt Einsteins Relativierung des Zeitbegriffs aus erkenntnistheoretischen Gründen für unzulässig.

Neue Qualität und eine vorher nicht da gewesene öffentliche Breitenwirkung erhielt die Auseinandersetzung durch eine öffentliche Vorlesungsreihe gegen die Relativitätstheorie, die am 24. August 1920 in der Berliner Philharmonie ihren Auftakt hatte. Organisiert wurde die Veranstaltung von dem antisemitischen Agitator Paul Weyland und seiner "Arbeitsgemeinschaft deutscher Naturforscher zur Erhaltung reiner Wissenschaft e.V.", "aller Wahrscheinlichkeit nach ein Ein-Mann-Unternehmen".[1] Weyland verunglimpfte in seinem Vortrag die Relativitätstheorie als "wissenschaftlichen Dadaismus". Der zweite Redner des Abends war Gehrcke, der sachlich blieb, aber lediglich seine schon seit Jahren erfolglos vorgebrachten Argumente ausbreitete. Es folgte am 27. August 1920 im "Berliner Tageblatt" eine scharfe Antwort Einsteins an die "antirelativitätstheoretische GmbH". Mit Weylands "plumpen Grobheiten" wollte er sich erst gar nicht auseinander setzen, und Gehrckes Einwände führte er mit deutlichen Worten ad absurdum. Im September 1920 diskutierten der Nobelpreisträger Philipp Lenard, ein Gegner der Allgemeinen Relativitätstheorie, und Einstein bei der Naturforscherversammlung in Bad Nauheim, doch ihre fundamentalen Differenzen blieben bestehen.

Wie sind die Gegner Einsteins einzuordnen? Handelte es sich um verbohrte Experimentalphysiker, die von der Entwicklung der theoretischen Physik abgehängt wurden und nun aus einer Randposition immer lauter und mit allen Mitteln Revanche suchten? Handelte es sich um versprengte Kritiker mit fragwürdiger Seriosität wie Weyland? Dass der Personenkreis der Einstein-Gegner wesentlich breiter war und die Kritik an der Relativitätstheorie nicht einseitig als Ausdruck des Unverständnisses zu charakterisieren ist, zeigen nicht zuletzt Dokumente aus dem Nachlass Gehrckes.[2] Außer zu den bekannten Einstein-Gegnern wie den Nobelpreisträgern Johannes Stark und Lenard hatte Gehrcke Kontakt zu vielen weniger bekannten Gegnern der Relativitätstheorie - Physikern und Philosophen, aber auch Ingenieuren, Ärzten und Anwälten, welche die Relativitätstheorie gewissermaßen in ihrer Freizeit zu widerlegen versuchten.

Um mich dem Massenphänomen der Kritik der Relativitätstheorie zu nähern, habe ich - unabhängig von der Frage nach der wissenschaftlichen Angemessenheit der Kritik - spezifische Kontexte und Netzwerke verschiedener Gruppen von Einstein-Gegnern untersucht. Im Folgenden möchte ich eine seltsame Allianz von Einstein-Gegnern vorstellen.
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10. Februar 2012
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