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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 31/2009)

Transzendenz im Badezimmer - Bildwelten der Badkultur


Daniel Hornuff
Inhalt

Einleitung

Die Duschkabine als Bühnenraum

Bildkraft der Reduktion

Bildkulturen der Amateurästheten

Role-Models

Einleitung
Auf der Landzunge von Oberwinter steht ein Turm. Auf den ersten Blick meint man, ein hässliches, verlassenes Silo zu erkennen. Das Stahl- und Betongerippe wird allerdings in zwölf Metern Höhe von einem eingelassenen Trichter geöffnet, der sich ins Turminnere zu einem kurzen Stahlrohr verengt. Plötzlich scheint das Versprechen augenscheinlich: Wer die Hemmung überwindet und sich bei entsprechendem Niederschlag in den "Regenfänger" stellt, kann öffentlich duschen.

Zur Person
Daniel Hornuff
M.A., geb. 1981; Doktorand und Dozent an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, Lorenzstr. 15, 76135 Karlsruhe.
E-Mail: dhornuff@bildfaehig.de
Internet: www.bildfaehig.de

Das vom Künstler Eberhard Bosslet 2001 für den Skulpturenpark Remagen errichtete Werk - nach seinen Angaben tatsächlich eine "öffentliche Dusche" - steht an einem höchst exponierten Punkt: Von weither ist es sichtbar, sowohl Petersberg, Drachenfels als auch der Rheinfluss fluchten sich in diesem Bau. Er gibt die Blickachse vor, zentralisiert und richtet damit alles Umliegende aus. Die "öffentliche Dusche" stieg auf zum ästhetischen Wahrzeichen des Landkreises Ahrweiler.

Wer sich heute mit den Bildwelten der Badezimmer- und Bademöbel-Werbung beschäftigt, sich deren Kataloge, Homepages und Prospekte näher betrachtet, erkennt in ihnen eine ähnliche Hinwendung zur Bedeutungszentralisierung. Die neuesten Badewannenmodelle, Handtuchhalter oder Bidets scheinen mittlerweile in Räume integriert, deren Bedeutsamkeit die restliche Wohnung überstrahlen soll. Längst ist das Badezimmer mit seinen vielen Accessoires wie Reinigungsprodukten und Kosmetika nicht mehr der Rückzugsort ins ganz Private, schon gar nicht mehr ein Refugium des Intimen. Die Nasszelle wandelte sich vom Funktions- zum Fiktionsraum, dem die Repräsentation ebenso wie die Realisierung eines ganz besonderen Erlebnisses ein nachdrückliches Anliegen ist. Heute können im Badezimmer Träume gelebt, Sehnsüchte verwirklicht, ja die Überhöhung des Alltäglichen erfahren und die Ausstattung als ein Gewinnvorsprung jedem Besucher vorgeführt werden.
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09. Februar 2012
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