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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 27/2010)

Jugend zwischen Partizipation und Protest - Essay


Beate Großegger
Inhalt

Einleitung

"Politikfasten" im Trend

Ästhetisierung statt politischer Debatten

Soziokulturelle Beteiligung statt politisch motivierter Rebellion

Politikdistanz als gesellschaftliche Herausforderung

Einleitung
Sex and Drugs and Rock 'n' Roll", Provokation und Randale oder auch engagierter Protest - die gängigen Jugendkultur-Mythen malen Bilder von einer aufbegehrenden Jugend, welche die bestehende Ordnung nicht hinnimmt, sondern umkrempeln oder zumindest subversiv unterlaufen will. Doch in der Gegenwart fehlt es diesen Bildern an realer Entsprechung. Jugendkultur ist heute eine größtenteils politikfreie Zone.

Noch vor ein paar Jahrzehnten trachteten aufmüpfige Jugendliche danach, aus einer Welt voller Normen auszubrechen. In den späten 1960er Jahren attackierten die Studentenbewegung und die Woodstock-Generation das sogenannte Establishment mit linken Gesellschaftsutopien und alternativen Lebensformen, was für entsprechende Empörung sorgte. In den 1970er Jahren hieß es "Anarchy in the UK" und "Macht kaputt, was euch kaputt macht". Diskursrockbands wie "Ton Steine Scherben" setzten auf politische Botschaften, und die Punkbewegung, die in den legendären Sex Pistols ihre Helden fand, suchte durch Provokation die gesellschaftliche Konfrontation auf symbolischer Ebene. In den 1980er Jahren folgten die Abrüstungsdebatte, die Öko- und Antiatomkraftbewegung sowie der links-alternative Lebensstil. Öffentliche Toiletten wurden mit Sprüchen wie "Petting statt Pershing" oder "Atomkraft - pfui deibel!" zugekritzelt, die Sponti-Szene eroberte den sozialpolitischen Raum.

Zur Person
Beate Großegger
Dr. phil, geb. 1966; wissenschaftliche Leiterin und stellvertretende Vorsitzende des Instituts für Jugendkulturforschung, Alserbachstraße 18/7. OG, 1090 Wien/Österreich. bgrossegger@jugendkultur.at

Bis Anfang der 1990er Jahre tönte der jugendkulturelle Protest primär von links. Erst im wiedervereinigten Deutschland formierte er sich verstärkt auch von rechts. Die militante Präsenz kahlgeschorener Rechtsextremer in Bomberjacken und Springerstiefeln bannte nunmehr die Blicke der Öffentlichkeit und konfrontierte die Gesellschaft mit der Tatsache, dass in der Jugendkultur ein Strukturwandel des politischen Protestes im Gange war. Protest, der bislang eine Domäne der bildungsnahen Jugend und der Studierenden war, verlagerte sich zunehmend in das Segment der Auszubildenden, der Arbeitslosen und der Jugendlichen mit niedriger Bildung.[1] Zu Beginn des neuen Jahrtausends ist es um das Politische in den Jugendkulturen jedoch vergleichsweise ruhig geworden - ein Trend, der bis heute anhält.
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10. Februar 2012
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