APUZ Dossier Bild

29.6.2007 | Von:
UlrichTrautwein
Jürgen Baumert
Kai Maaz

Hauptschulen = Problemschulen?

Fünf gängige Diskussionspunkte im Streit um die Hauptschule werden auf ihre Stichhaltigkeit geprüft, Stärken und Schwächen von Hauptschulen benannt und ihre mögliche Rolle im Bildungssystem erörtert.

Einleitung

Hauptschulen sind in den vergangenen Jahrzehnten unter Druck geraten. Statt die Schule für den Großteil der Schülerschaft zu sein, bindet sie je nach Bundesland nur noch zwischen 10 und 32 Prozent. In drei westdeutschen Bundesländern - Saarland, Hamburg und Schleswig-Holstein - wurde oder wird sie derzeit abgeschafft, in anderen wird laut oder leise darüber nachgedacht, diesen Schritt zu tun.




In den ostdeutschen Bundesländern hat die Hauptschule erst gar nicht richtig Fuß gefasst. Ihr Bedeutungsverlust vollzieht sich seit mehreren Jahrzehnten, nach PISA und Rütli haben schlechte Nachrichten über die Hauptschule jedoch eine Sonderkonjunktur in Politik und Öffentlichkeit.




Auch wenn einzelne Hauptschulen als Vorzeigeschulen herausgestellt werden, hat diese Gattung keine gute Presse.[1] Ist die Kritik an der Hauptschule gerechtfertigt? Wie dieser Beitrag anhand von Befunden der jüngeren empirischen Forschung zeigen soll, hält eine Pauschalkritik an der Hauptschule trotz offenkundiger Probleme einer nüchternen Prüfung nicht stand.




Die Rolle der Hauptschule ist von Bundesland zu Bundesland verschieden, und auch innerhalb der Länder ist Hauptschule nicht gleich Hauptschule.

Fußnoten

1.
Hierzu passt, dass die erste Konzeption des vorliegenden Hefts folgende Arbeitstitel vorsah: "Hauptschulen = Restschulen", "Ursachen von Leistungsdefiziten an Hauptschulen", "Hauptschüler: Schwierige Übergänge von der Schule in den Beruf", "Bildungsarmut - Ursachen, Auswirkungen, Maßnahmen", "Verdrängungswettbewerb: Hauptschüler abgehängt".