
Für die Integrationsprobleme sind statistisch zunächst zwei Faktoren entscheidend: zum einen die Zahl der jährlich neu zuwandernden Menschen, zum anderen der Bestand an Zuwanderern, der sich aus der Bilanz aus Zu- und Abwanderungen (= Wanderungsbilanz) in der Vergangenheit und den Geburtenüberschüssen der Zuwanderer ergibt. Auch wenn der jährliche Wanderungssaldo niedrig oder sogar null ist, muss Jahr für Jahr eine große Zahl von Zuwanderern neu integriert werden. Es ist wie bei einem Hotel: Die Zahl der zu versorgenden Gäste ist gleich der Zahl der täglichen neuen Zugänge, multipliziert mit der durchschnittlichen Anwesenheitsdauer in Tagen. Jahr für Jahr ziehen Hunderttausende Menschen nach Deutschland zu, ihre durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt rd. zehn Jahre. Selbst wenn ebenso viele weg- wie zuziehen, ergibt sich eine Zahl von ca. 500 Tsd. zu Integrierenden pro Jahr, denn die Bruttozuwanderung beträgt rd. 700 Tsd. bis 800 Tsd. pro Jahr.
Um die unterschiedlichen, demographisch relevanten Verhaltensweisen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen (und deren beobachtete Angleichungstendenzen) bei den Vorausberechnungen berücksichtigen zu können, müssen die Berechnungen nach Bevölkerungsgruppen getrennt durchgeführt werden. Die im Folgenden dargestellten Ergebnisse beruhen auf Vorausberechnungen für vier Bevölkerungsgruppen, deren Geburtenrate und Lebenserwartung differiert, wobei Zuwanderer infolge der Selektionswirkungen der Migration eine deutlich höhere Lebenserwartung haben ("healthy worker effect"):
Im Folgenden werden die Ergebnisse im Hinblick auf die Frage dargestellt, wie hoch der zu erwartende Anteil der zugewanderten Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung ist. Hierfür wird die mittlere Variante mit einem jährlichen Wanderungssaldo von 170 Tsd. pro Jahr zugrunde gelegt.
Die Berechnungsergebnisse zeigen, dass die Zahl der Zugewanderten und ihrer Nachkommen infolge ihrer für die Geburtenzahl günstigen Altersstruktur trotz der angenommenen schrittweisen Angleichung ihrer Geburtenrate an das niedrigere Niveau der deutschen Bevölkerung stark wächst, während die deutsche Bevölkerung (ohne Berücksichtigung von Staatsbürgerschaftswechseln) schrumpft:
Der Anteil der Zugewanderten (= im Jahr 1998 als Ausländer registrierte Bevölkerung einschließlich ihrer Nachkommen) nimmt von 1998 bis 2030 von 9,0 % auf 19,6 % und bis 2050 auf 27,9 % zu. Ab 2020/25 ist die Zahl der Zugewanderten größer als die Zahl der Deutschen in den neuen Bundesländern. Im Jahr 2030 beträgt z.B. die Zahl der Zugewanderten 15,2 Mio., die Zahl der Einwohner in den neuen Bundesländern 12,4 Mio.
In den jüngeren Altersklassen (unter 20 Jahre) steigt der Anteil der Zugewanderten und ihrer Nachkommen schneller als in der Gesamtbevölkerung (stets ohne Berücksichtigung von Staatsbürgerschaftswechseln nach dem 1. 1. 1998 bzw. auf der Basis des bis 31. 12. 1999 geltenden Staatsbürgerschaftsrechts). Im Jahr 1998 betrug dieser Anteil 11,4 %, er steigt bis zum Jahr 2030 auf 26,9 % und bis 2050 auf 38,1 %. In ähnlichem Ausmaß erhöht sich der Anteil der Zugewanderten an den Lebendgeborenen: 12,7 % (1998), 29,9 % (2030) bzw. 40,6 % (2050). Die hier referierten Anteile sind Durchschnittswerte für Deutschland insgesamt. In Großstädten liegt der Anteil der Ausländer für alle Altersgruppen bereits heute beträchtlich über dem Landesdurchschnitt (8,9 %). In Frankfurt a.M. betrug er 1998 z.B. 24,6 %, in Stuttgart 24,5 %, in München 22,6 % und in Köln 19,7 %. Die regionalen Unterschiede werden sich in der Zukunft nicht bzw. nicht wesentlich nivellieren, deshalb wird der Anteil der Zugewanderten in vielen Großstädten schon ab 2010 - 2015 bei den unter 40-Jährigen die 50%-Schwelle erreichen bzw. überschreiten. |
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