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Kriegsberichterstattung in der Mediengesellschaft


5.4.2007
Die Beziehungen von Kriegsberichterstattung und Sicherheitspolitik haben sich verändert. Analysiert wird, wie das sicherheitspolitische Management von Kommunikation den Journalismus beeinflusst und wie die Kriegsberichterstattung sicherheitspolitische Entscheidungen prägt.

Einleitung



Es war ein wichtiger Tag für Bundesregierung, Verteidigungsministerium und Bundeswehr: Das "Weißbuch 2006" sollte deutschen und internationalen Medienvertretern in einer aufwändig vorbereiteten Pressekonferenz vorgestellt werden. Relevant ist das Thema: Immerhin beschreibt das Weißbuch, erstmals wieder seit 1994, wesentliche Ziele der deutschen Sicherheitspolitik und Perspektiven für die Bundeswehr.[1] Es war also nicht verwunderlich, dass Verteidigungsminister Franz Josef Jung und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan den Medienleuten das neue Weißbuch an jenem 25. Oktober 2006 persönlich erläutern wollten, gleich nachdem es im Stauffenberg-Saal des Verteidigungsministeriums vom eigens angerückten Bundeskabinett verabschiedet worden war. Doch dann kam alles ganz anders.



Wenige Stunden vor der Pressekonferenz veröffentlichte die auflagenstärkste deutsche Boulevard-Zeitung skandalöse Bilder deutscher Soldaten, die während eines Einsatzes in Afghanistan mit einem Totenschädel hantierten. Die im Weißbuch dokumentierte Neuausrichtung der deutschen Sicherheitspolitik, die Wochen später eine Strafanzeige des Vereins "Aachener Friedenspreis" gegen Kanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Jung provozierte,[2] interessierte die Journalisten in der Pressekonferenz nicht mehr. Stattdessen ging es ausschließlich - und live übertragen - um die Konsequenzen der "Totenschädel-Affäre". Auf eine einfache Formel gebracht: Emotion statt Reflexion, Dramatik statt Routine, Personen statt Prozesse, Ereignisse statt Hintergründe, Simplizität statt Komplexität - das ist der Preis der Mediengesellschaft.

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Fußnoten

1.
Vgl. Bundesministerium der Verteidigung, Weißbuch 2006 zur Sicherheitspolitik Deutschands und zur Zukunft der Bundeswehr, Berlin 2006.
2.
Vgl. Weißbuch zur Sicherheitspolitik: Aachener Friedenspreis-Verein erstattet Anzeige gegen Merkel und Jung, in: www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,448589,00.html (15.11. 2006).