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Demokratie und christliche Ethik


21.3.2009
Trotz Ambivalenzen des Verhältnisses von Christentum und Demokratie gibt es Gründe dafür, dass gerade überzeugte Christen und Minderheitenkirchen die säkulare Demokratie gefördert haben und sie stabilisieren.

Einleitung



Mitte des 17. Jahrhunderts kamen im radikalprotestantischen Flügel in England erstmals Forderungen nach Religions-, Gewissens-, Pressefreiheit und allgemeinem Männerwahlrecht auf. Michael Farris hat dazu eine umfangreiche Untersuchung zu den frühen Quellen der Religionsfreiheit in den USA vorgelegt, darunter ungezählte Predigten und Traktate.[1] Nachdem Sebastian Castellio, der als ehemaliger Calvinschüler 1554 gegen Johannes Calvin für eine noch recht rudimentäre Religionsfreiheit - die etwa weiterhin die Bestrafung von "Gottlosen" vorsah - eingetreten war, stammt das erste bekannte Traktat, das eine völlige Religionsfreiheit postuliert, von dem englischen Baptisten Leonard Busher aus dem Jahr 1614.[2]




Der Gedanke breitete sich unter Baptisten und anderen Dissenters in England, den Niederlanden und dann den USA aus. Es war der Baptist und Spiritualist Roger Williams (1604 - 1685), Mitbegründer der ersten amerikanischen Baptistengemeinde mit kongregationalistischer Struktur, der 1644 die völlige Religionsfreiheit forderte[3] und 1647 im späteren Rhode Island die erste Verfassung mit Trennung von Kirche und Staat und mit der Zusicherung der Religionsfreiheit - auch für Juden und Atheisten - errichtete, obwohl er ein Freund der christlichen Mission war. Bereits 1652 wurde dort die Sklaverei abgeschafft: "Nicht obwohl, sondern weil er tief religiös war, forderte Williams eine Trennung von Politik und Religion."[4] Für William Penns (1644 - 1718) späteres "heiliges Experiment" Pennsylvania gilt dasselbe.


Fußnoten

1.
Vgl. Michael Farris, From Tyndale to Madison, Nashville 2007.
2.
Vgl. Leonard Busher, Religious Peace, Amsterdam 1614/London 1644.
3.
Vgl. Roger Williams, The Bloody Tenent, for Cause of Conscience, London 1644; ders., Christenings Make not Christians, London 1645.
4.
Rainer Prätorius, In God We Trust. Religion und Politik in den USA, München 2003, S. 35.

 
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