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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 6/2007)

Die Christliche Rechte in den USA


Manfred Brocker
Inhalt

Einleitung

Der amerikanische "Evangelikalismus"

Die Christliche Rechte

Politische Strategien

Die Christliche Rechte und George W. Bush

Erfolgsbilanz

Einleitung
Entgegen allen Erwartungen hinsichtlich eines Bedeutungsverlustes religiöser Konfliktlinien in modernen westlichen Gesellschaften entstand in den USA in den 1970er Jahren die Protestbewegung der so genannten "Christlichen Rechten". Ihre Organisationen, darunter "Moral Majority", "Religious Roundtable" und "Christian Voice", stritten lautstark für eine Rechristianisierung Amerikas. Die politische Mobilisierung des evangelikalen, insbesondere des fundamentalistischen Protestantismus stellte ein neuartiges Phänomen dar, das sogleich Besorgnisse vor einer bibelbasierten Revision zentraler liberaler Verfassungselemente auslöste. Nicht wenige Beobachter sahen deutliche Parallelen zum islamischen Fundamentalismus. Es handele sich, so glaubten sie, bei dieser Bewegung um Radikale, die das politische System verändern und eine Theokratie errichten wollten. "I am beginning to fear", erklärte etwa US-Präsident Jimmy Carters Gesundheitsministerin Patricia Harris 1980, "that we could have an Ayatollah Khomeini in this country".[1]

Zur Person
Manfred Brocker
Dr. phil., Dr. rer. pol., geb. 1959; Professor für Politikwissenschaft an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, Lehrstuhl für Politische Theorie und Philosophie. Universitätsallee 1, 85072 Eichstätt.
E-Mail: manfred.brocker@ku-eichstaett.de

Buchtitel wie "Holy Terror", "God's Bullies" oder "The Anti-Americanism of the Religious Right" spiegelten die kritische Bewertung des politisierten "Fundamentalismus" in Amerika wider. Und während die einen seine weitere Radikalisierung fürchteten, sagten ihm andere angesichts seiner extrem konservativen Agenda nur eine kurze Lebensdauer voraus. Doch beide Prognosen erwiesen sich als falsch. Tatsächlich konnte sich die Christliche Rechte dauerhaft als politische Kraft in den USA etablieren. Nach aggressiven Anfängen durchlief sie einen Transformationsprozess, der durch organisatorische Reformen sowie eine programmatische und strategische Moderierung gekennzeichnet war. Diese Anpassung wurde durch jene Eigenschaften des amerikanischen politischen Systems veranlasst, die eine strukturelle Offenheit und Partizipationsorientiertheit gegenüber sozialen Gruppen und Bewegungen bedingen, deren Aktivitäten aber auch kanalisieren.[2]

Im Folgenden soll nun die Christliche Rechte und ihre Entwicklung skizziert werden: Wer sind ihre Mitglieder, wie sehen ihre Ziele aus und welche Erfolge hat sie heute, 30 Jahre nach ihrer Gründung, vorzuweisen?
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10. Februar 2012
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Editorial
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