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Die Arktis im Klimawandel


21.1.2011
Seit der Industrialisierung hat sich die Erde bisher um etwa 0,75 Grad erwärmt. Der Temperaturanstieg ist besonders stark in den Polargebieten, die als Frühwarnsystem der Erde gelten können.

Einleitung



Dezember 2010 in Deutschland: Wie schon im Winter zuvor scheinen Schnee und Eis das Land fest im Griff zu haben. Mancherorts sinken die Temperaturen vorübergehend auf rekordverdächtige Tiefstwerte, Züge fallen aus, Schiffsverbindungen werden wegen Eisgangs eingestellt, Schulen bleiben geschlossen, auf den Autobahnen gilt in manchen Bundesländern ein generelles Fahrverbot für Lastwagen.

Szenenwechsel zur Westküste Grönlands: Wie schon im Jahr zuvor liegt mitten im Winter offenes Wasser vor der Küste. Wo in vergangenen Jahrzehnten häufig schon seit Mitte Oktober die Jäger mit ihren Hundeschlitten ihre Bahnen über das geschlossene Meereis zogen, fahren jetzt auch im Dezember noch zahlreiche Fischerboote durch die eisfreien Gewässer, die Schlittenhunde warten in den Dörfern ungeduldig darauf, endlich zum Einsatz zu kommen, aber dafür müsste erst das ersehnte Meereis die See überziehen.

Zwei Szenen, die zunächst scheinbar wenig miteinander zu tun haben. Der Schein könnte allerdings trügen: Simulationen mit Klimamodellen und Messdaten deuten übereinstimmend darauf hin, dass der Rückgang von arktischem Meereis zu einer Verschiebung von Luftdrucksystemen führen kann, wodurch im Winter mehr Kaltluft aus der Arktis nach Mitteleuropa gelangt und dort regional zu kalten und schneereichen Wintern führt.[1]

Die Auswirkungen, die der globale Klimawandel in der Arktis haben wird, könnten also möglicherweise auch bei uns in Mitteleuropa direkt spürbar sein. Diese Zusammenhänge etwas klarer herauszuarbeiten, soll Ziel dieses Artikels sein, dessen Schwerpunkt auf den Auswirkungen des globalen Klimawandels auf die Arktis liegt.[2] Insbesondere wird dabei auf mögliche Kippelemente des Klimasystems eingegangen, also auf Auswirkungen des Klimawandels, die möglicherweise sehr schnell und irreversibel eintreten können. Ein Ausblick auf die mögliche zukünftige Entwicklung soll ebenso wenig fehlen wie eine Einordnung der jüngsten Veränderungen in Bezug auf das manchmal vorgebrachte Argument, dass sich alle beobachteten Veränderungen einfach durch natürliche Klimaschwankungen erklären ließen. Zum besseren Verständnis dieser eher arktisspezifischen Themen ist jedoch zunächst eine kurze Zusammenfassung unseres heutigen Kenntnisstands zum allgemeinen Themenkomplex "globaler Klimawandel" sinnvoll.


Fußnoten

1.
Vgl. Vladimir Petoukhov/Vladimir A. Semenov, A link between reduced Barents-Kara sea ice and cold winter extremes over northern continents, in: Journal of Geophysical Research, 115 (2010) D21111.
2.
Aus Platzgründen können hier viele wichtige Punkte nur angerissen werden; vgl. insbes. Arctic Climate Impact Assessment (ACIA), Impacts of a Warming Arctic, Cambridge 2004, online: www.acia.uaf.edu (7.1.2011) (deutsch: Der Arktis-Klima-Report, Hamburg 2005); United Nations Environment Programme (UNEP), Global Outlook for Ice & Snow, Nairobi 2007, online: www.unep.org/geo/geo_ice (7.1.2011); World Wide Fund for Nature (WWF), Arctic Climate Impact Science - An Update Since ACIA, 2008, online: http://assets.panda.org/downloads/
arctic_climate_impact_science_1.pdf (7.1.2011); Dirk Notz, Arktis und Antarktis im Klimawandel, in: APuZ, (2007) 47, S. 27-32.

 
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