Internationale Beziehungen I
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Der Beginn der Bipolarität


9.7.2004
Bereits während des gemeinsamen Kampfes gegen das nationalsozialistische Deutschland zeigten sich die macht- und weltanschaulichen Gegensätze der Anti-Hitler-Koalition. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges zerbrach sie.

Nach Abschluss der Konferenz von Jalta im Februar 1945 lassen sich die alliierten Staatschefs Winston Churchill (Großbritannien), Franklin D. Roosevelt (USA) und Josef Stalin (UdSSR) fotografieren.Nach Abschluss der Konferenz von Jalta im Februar 1945 lassen sich die alliierten Staatschefs Winston Churchill (Großbritannien), Franklin D. Roosevelt (USA) und Josef Stalin (UdSSR) fotografieren. (© Wikimedia)

Einleitung



Der Ost-West-Konflikt war von 1945 bis 1990 das bestimmende Merkmal der Weltpolitik. Er war gekennzeichnet durch die machtpolitische Rivalität zwischen den USA und der UdSSR sowie dem weltanschaulichen Gegensatz von Kommunismus und westlicher Demokratie. Die Auseinandersetzung zwischen den gegensätzlichen Systemen nahm zunächst die Form eines "Kalten Krieges" an und eskalierte mehrfach bis an den Rand eines Atomkrieges. Nach der Erfahrung der Berlin- und Kuba-Krise 1961/62 bemühte man sich in beiden Lagern verstärkt um Entspannung und friedliche Koexistenz, um einen selbstzerstörerischen Nuklearkrieg zu vermeiden. Doch erst nach dem Zusammenbruch der sowjetischen Herrschaft in Osteuropa im Gefolge der Revolution von 1989 und der anschließenden Selbstauflösung der Sowjetunion durch Aufkündigung des Unionsvertrages von 1922 sowie der Gründung der "Gemeinschaft Unabhängiger Staaten" (GUS) fand der Ost-West-Konflikt ein - zumindest vorläufiges - Ende.

Seit dem 19. Jahrhundert als Auseinandersetzung zwischen "östlicher" und "westlicher" Zivilisation oft vorhergesagt und seit der Oktoberrevolution in Rußland 1917 als Ringen zwischen liberalkapitalistischen Prinzipien und staatssozialistischen Ideen unmittelbar erwartet, wurde das internationale System nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Ost-West-Konflikt maßgeblich geprägt. Das Doppelereignis der Oktoberrevolution in Rußland und des Eintritts der USA in den Krieg der europäischen Mächte, der sich dadurch zum Ersten Weltkrieg ausweitete, schuf zwar bereits 1917 eine Konstellation, in der sich die spätere Entwicklung abzeichnete. Doch erst der Krieg Hitlers und die damit verbundene Zerschlagung der politischen Strukturen Mitteleuropas, die es den "Randmächten" USA und Sowjetunion erlaubten, das politische Vakuum in Europa zu füllen, machte die Ost-West-Konfrontation möglich.

Aufstieg der USA und der UdSSR



Der Zweite Weltkrieg bedeutete einen tiefen Einschnitt in den internationalen Beziehungen. Die Veränderungen, die sich durch den von Hitler begonnenen Krieg vollzogen, führten nicht nur zur Zerschlagung der Macht Deutschlands und Italiens in Europa sowie Japans im Fernen Osten, sondern auch zum Ende des "europäischen Zeitalters" in der Weltpolitik. Sie öffneten damit zugleich die Schleusen für den zunehmenden Einfluß der bisherigen "Randmächte" USA und Sowjetunion auf die internationale Politik. Die USA und die UdSSR lösten die klassischen europäischen Großmächte als bestimmende Faktoren ab und stiegen selbst zu Welt- und Supermächten auf.

Dabei hatten die USA und die Sowjetunion in den dreißiger Jahren zunächst große Mühe gehabt, sich überhaupt außenpolitisch zu etablieren. Der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt sah sich nach seiner Amtsübernahme 1933 vor schwere wirtschaftliche Probleme gestellt, die von der Weltwirtschaftskrise - ab 1929 - heraufbeschworen worden waren. Er versuchte mit einem umfangreichen Aufbau- und Hilfsprogramm im Rahmen des sogenannten "New Deal", die ökonomischen und sozialen Schwierigkeiten zu überwinden. Für eine aktive Außenpolitik blieb dabei anfangs nur wenig Raum.

Ein striktes Neutralitätsgesetz, das der Kongreß 1935 erließ, band dem Präsidenten überdies die Hände, so daß ein Eingreifen der USA in militärische Konflikte, die nicht im unmittelbaren Sicherheitsinteresse der USA lagen, unmöglich war. Erst im Oktober 1937 gab der Präsident seine außenpolitische Zurückhaltung auf: Angesichts der totalitären Bewegungen in Europa und des militärischen Vorgehens von Japan gegen China im Fernen Osten forderte er in seiner berühmt gewordenen "Quarantäne-Rede" die Isolierung aller aggressiven Staaten von der Völkergemeinschaft. Doch den energischen Worten folgten zunächst keine Taten.

Die Sowjetunion war zu dieser Zeit ebenfalls weitgehend mit sich selber beschäftigt. Stalin suchte seine Macht zu sichern, indem er jeden Widerstand gegen seine Politik brutal unterdrückte und allein zwischen 1936 und 1938 mindestens acht Millionen Menschen in Lager und Gefängnisse einsperren oder umbringen ließ. Zugleich trieb er seine Kollektivierungs- und Industrialisierungspläne voran und setzte damit unter großen Entbehrungen der Bevölkerung den Wandel der Sowjetunion vom Agrarland zum Industriestaat durch. Erst die aufkeimende Bedrohung durch den deutschen Nationalsozialismus, die noch durch russisch-japanische Grenzzwischenfälle im Fernen Osten verstärkt wurde, zwang Stalin schließlich, sich ebenfalls vermehrt der Außenpolitik zuzuwenden.

Angesichts der Appeasement-Politik (Politik des Entgegenkommens) der Westmächte gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschland, die im Münchener Abkommen vom September 1938 gipfelte, strebte Stalin nun sogar ein Bündnis mit Hitler-Deutschland an. Zuvor hatte er im Vorfeld der Münchener Konferenz vergeblich eine gemeinsame Erklärung Großbritanniens, Frankreichs und der Sowjetunion zum Schutz der Tschechoslowakei und die Ausarbeitung eines Verteidigungsplanes vorgeschlagen. Da Stalin befürchten mußte, daß Hitler sich nach den Zugeständnissen der Westmächte in München mit neuen Ansprüchen nach Osten wenden würde, bemühte er sich somit um eine Anpassung der sowjetischen Außenpolitik an das gewandelte internationale Umfeld. Das Ergebnis waren der im August 1939 unterzeichnete deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt sowie ein geheimes Zusatzprotokoll, in dem die Aufteilung Polens, die Angliederung des Baltikums an die Sowjetunion und das deutsche Desinteresse an Bessarabien vereinbart wurden.

Mit dem Abschluß des "Hitler-Stalin-Paktes" am 31. August 1939, der in Westeuropa und den USA große Überraschung und Bestürzung auslöste, wurde deutlich, daß nun auch das Schicksal Polens, an das Hitler ähnliche Forderungen stellte wie an die Tschechoslowakei, besiegelt war. Selbst in den USA, wo man in den Jahren zuvor geneigt gewesen war, die Europa-Politik weitgehend den Briten und Franzosen zu überlassen, begann man zu begreifen, daß man den Entwicklungen nicht länger tatenlos zusehen durfte. Allerdings kam es vorerst nur zu persönlichen Appellen Roosevelts an Hitler, Mussolini und den polnischen Staatspräsidenten Moscicki, sich um eine diplomatische Lösung des Konflikts zu bemühen. Nach dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939, der den Zweiten Weltkrieg auslöste, bekräftigte Roosevelt erneut die Neutralität der USA.

Daran änderte sich selbst dann noch nichts, als am 17. September die sowjetische Armee in Ostpolen einmarschierte und Deutsche und Russen am 28. September einen Grenz- und Freundschaftsvertrag unterzeichneten, in dem sie Polen nach der Kapitulation der deutschen und sowjetischen Oberhoheit unterstellten. Doch die moralische Empörung über diese Mißachtung aller Grundsätze des Völkerrechts war in den USA ebenso groß wie etwa in Großbritannien, das Deutschland bereits am 1. September den Krieg erklärt hatte. Sie nahm noch zu, als die Sowjetunion nach dem Sieg über Polen auch Litauen, Estland und Lettland unter ihre Kontrolle brachte (im August 1940 wurden sie als Sowjetrepubliken einverleibt) und im Oktober 1939 schließlich auch die finnische Regierung mit stattlichen Gebietsforderungen konfrontierte, die sie im Winterkrieg 1939/40 teilweise mit Waffengewalt durchsetzte. Vor allem das sowjetische Verhalten gegenüber den Finnen, die in der anglo-amerikanischen Welt große Sympathien genossen, trug dazu bei, daß die antisowjetische Stimmung im Westen einen neuen Höhepunkt erreichte.

1940 wurde deshalb die Sowjetunion aus dem Völkerbund ausgeschlossen. Die US-Regierung verhängte zudem ein sogenanntes "moralisches Embargo", um amerikanische Firmen davon abzuhalten, insbesondere strategische Güter, wie Flugzeuge, Treibstoffe und Metalle, in die Sowjetunion zu exportieren. Die Entrüstung in der amerikanischen Öffentlichkeit über das deutsche und sowjetische Machtstreben reichte allerdings auch 1940 noch nicht aus, ein Eingreifen der USA in den Krieg, der nach wie vor die amerikanische Sicherheit nicht unmittelbar bedrohte, zu befürworten.

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