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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 3/2006)

Heine nach 1945


Thomas Gutmann
Inhalt

Einleitung

In der DDR vereinnahmt

In der Bundesrepublik verharmlost

Heine-Universität Düsseldorf?

Ein Liberaler - oder ein Linker?

Einleitung
"Allzugut ist Heinrich Heine von den Deutschen nicht behandelt worden (...)."[1] Der Germanist Helmut Koopmann hat dies vor 30 Jahren heinisch-leicht formuliert. Denn tatsächlich wurde Heine vom offiziellen Deutschland bis 1945 - vernichtet. Der Pariser Emigrant war Jude. Das allein hatte den Nationalsozialisten genügt, seine Bücher zu verbrennen und die "Loreley" als schöpferloses "Volkslied" auszugeben. Doch der Dichter war ihnen auch deshalb verhasst, weil er für all das geschrieben hatte, was die braunen Gewaltherrscher mit Stiefeln traten: Menschenrechte, Demokratie, soziale Gerechtigkeit und liberales Denken; gegen Deutschtümelei und Nationalismus. Und Heine dichtete in einer Weise, die noch heute unerhört modern wirkt: mit sprachlichem Witz, schrankenlos subjektiv, ironisch, spöttisch, satirisch, leicht.

Zur Person
Thomas Gutmann
M.A., geb. 1971; Redakteur der "Rheinischen Post" in Langenfeld; Magisterarbeit 1997 über den Streit um die Benennung der Universität Düsseldorf. Ansbacher Straße 18, 40597 Düsseldorf.
E-Mail: gutmanntom@aol.com

Sein kritischer, hellsichtiger Blick auf die Zustände im Vormärz, der Epoche vor der Revolution von 1848, und seine seziermesserscharfe Sprache hatten dem Zwangsaußenseiter schon zu Lebzeiten, noch vor seiner Emigration 1831 nach Paris, übelste Beschimpfungen eingetragen: So überzog der Hamburger Gymnasiallehrer Eduard Meyer Heine und dessen Rivalen Ludwig Börne mit Schmähvokabeln wie "Unverschämtheit und Anmaßung", "Unsittlichkeit und Leichtfertigkeit", "vorlautes Wesen" und "gemeine Grundgesinnung" - "häßliche Eigenthümlichkeiten dieser Asiaten [gemeint: Juden, T.G.]", die "mit der Taufe nicht so leicht abgelegt" werden könnten.[2] Gleichsam lehrbuchmäßig äußert sich in der Schimpftirade des Schulmeisters bereits der rassistische Antisemitismus des 19. Jahrhunderts. Ehe dieser bis zum Völkermord radikalisiert werden sollte, pressten auch nationale Kulturgrößen wie Richard Wagner oder der Historiker Heinrich von Treitschke den Dichter in das aus Vorurteilen gegossene Klischee vom Juden und Französling. Frivol, böswillig, sprachschwindlerisch, ja charakterlos sei er - "undeutsch" eben.

Auf der anderen Seite gewann der politische Kopf Anhänger. So wollte ihm der Berliner Theaterkritiker Alfred Kerr, im Rezensionsstil so gezielt salopp wie Heine, zu seinem 50. Todestag (1906) ein Denkmal errichten. Hinter dem kämpferischen Aufruf "wider die Philister" und ihren wilhelminisch-kolossalen Geschmack versammelten sich Vertreter der kulturellen Moderne, Max Liebermann etwa, Gerhart Hauptmann oder Engelbert Humperdinck. Auch die Arbeiterbewegung entdeckte den Gesprächspartner ihres Propheten Karl Marx für sich, reklamierte ihn für die proletarische Revolution. Von dem Krawall-Nationalisten Adolf Bartels bekämpft, ging der Kerr'sche Denkmalsplan jedoch erst zwei Jahrzehnte später auf, in der brüchigen Weimarer Demokratie. Nach deren Zusammenbruch wurde die Hamburger Bronzestatue zunächst eingemottet, später eingeschmolzen für den "Endsieg".[3]
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10. Februar 2012
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Inhalt
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Heinrich Heine
Editorial
Beiblättchen. Oder: Der Umgang mit Dichtern - Essay
Erfinder der modernen Liebe - Essay
Warum Heine heute?
Dichterliebe und Denkmalstreit
Heine nach 1945
Heines Umgang mit Judenhass als Fortführung eines biblischen Programms
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