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6.5.2003 | Von:
Maria Thiele-Wittig

Kompetent im Alltag: Bildung für Haushaltund Familie

Die in Haushalten und Familien tagtäglich zu treffenden Entscheidungen haben Auswirkungen auf die gesellschaftliche Entwicklung. Die hier agierenden Menschen sollten deshalb stärker als gesellschaftliche Akteure wahrgenommen werden.

Einleitung

Haushalte und Familien stellen grundlegende Lebens- und Handlungsbereiche der Gesellschaft dar. Die Menschen sind auf der Ebene der privaten Haushalte zugleich Akteure und Leistungsträger der Gesellschaft in ihren vielfältigen Wechselbeziehungen.

Der Wandel der Lebensbedingungen, sowohl im Kontext der Globalisierung als auch im Hinblick auf die Informations- und Wissensgesellschaft, geht mit neuen Herausforderungen für die Haushalts- und Lebensführung einher. Alltagsbewältigung, Lebensgestaltung und private Daseinsvorsorge werden komplexer und differenzierter. Orientierungs-, Auswahl- und Entscheidungsprobleme sowie der Umgang mit Risiken im schnellen Wandel sind die Folge. Die Notwendigkeit von Abstimmungs- und Aushandlungsprozessen für das alltägliche Zusammenleben nimmt zu. Es ergibt sich die Frage, wie die Menschen ausgerüstet sind bzw. werden, um kompetent mit dem Wandel umgehen zu können. Wenn etwa Überschuldungsprobleme, Probleme der Beziehungsfähigkeit, Suchtanfälligkeit oder Fehlernährung zunehmen, gerade auch bei Jugendlichen, werden Probleme der Bewältigung der Herausforderungen offenbar, die sowohl die Betroffenen als auch die Gesellschaft belasten.


Immer stärker geforderte Eigenverantwortlichkeit für die eigene Lebensgestaltung und deren Folgen, in Verbindung mit höherer Lebenserwartung, lässt die Frage der Qualifizierung für die Herausforderungen des Wandels der Lebensbedingungen bzw. nach den Kompetenzen für die erweiterten Aufgaben der privaten Daseinsgestaltung dringlicher werden. Aktivierende Gesellschaftspolitik ist gefordert.

Fragen der Alltags- und Lebensbewältigung gewinnen auch eine neue Aktualität angesichts der gestiegenen Teilnahme von Frauen am Erwerbsleben. Das macht die Reflexion der Zusammenhänge zwischen "privat" und "öffentlich" und der Balance von Arbeit und Leben bzw. Erwerbsarbeit und Familienarbeit erforderlich. Die stärkere Einbindung der Frauen in den Erwerbsbereich reduziert ihre Arbeitskapazität für unbezahlte Arbeit in Haushalt und Familie und erhöht deren Einkommen und Kaufkraft. In der Folge nehmen die Verflechtungen mit Wirtschaft und Gesellschaft zu. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Bedeutung der Kompetenzen für die Gestaltung des Alltags, des Haushalt und der Familie an Bedeutung - für beide Geschlechter. Die Forderung nach verstärkter und fundierter Vermittlung von Alltagskompetenzen[1] - sowohl im Rahmen der schulischen Allgemeinbildung als auch über unterschiedliche Formen außerschulischer Bildung und Beratung - ist vor diesem Hintergrund nur konsequent.


Fußnoten

1.
Vgl. Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft (Hrsg.), Kompetent im Alltag! Memorandum für eine haushaltsbezogene Bildung: frühzeitig, aufbauend. Lebenslang. Wege zu einer zeitgemäßen und zukunftsorientierten Bildung, Bonn 2001.