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Vielfalt (mobiler) Lebensformen?


25.9.2009
Es werden erste Ergebnisse der neu erhobenen pairfam-Daten zur Vielfalt familialer und nichtfamilialer Lebensformen vorgestellt. Dabei werden insbesondere partnerschaftliche Mobilitätstypen berücksichtigt.

Einleitung



Der Wandel von familialen und nichtfamilialen Lebensformen in den vergangenen Jahrzehnten lässt sich für nahezu alle Industrienationen feststellen, wenn auch unterschiedlich in den Anfängen und in ihren qualitativen und quantitativen Ausprägungen.[1] Als Vergleich dient oftmals der Familientypus der modernen bürgerlichen Kleinfamilie, die ihre stärkste Verbreitung in den 1950er/1960er Jahren hatte und die gekennzeichnet ist durch die legale, lebenslange, monogame Ehe zwischen einem Mann und einer Frau, die mit ihren gemeinsamen Kindern in einem Haushalt leben, mit traditioneller, geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung. Vor diesem Hintergrund wird der Anstieg der nichtehelichen Lebensgemeinschaften mit und ohne Kinder, der kinderlosen Ehen, der Alleinlebenden und die Zunahme von Ein-Eltern- und Stief-Familien oftmals als "Pluralisierung der Lebensformen" zusammengefasst. Insgesamt weisen verschiedene empirische Analysen leichte Anstiege der Pluralität familialer und nichtfamilialer Lebensformen nach.




Als Ursachen für die Diversifikation von Lebensformen werden die Wohlstandssteigerung, die Bildungsexpansion, die veränderten Anforderungen des Arbeitsmarktes, der Wertewandel mit einer stärkeren Betonung von Selbstverwirklichungs- statt Pflicht- und Akzeptanzwerten sowie die Entwicklung des Wohlfahrtsstaates angeführt.




Kritische postmoderne Stimmen verwenden angesichts dieser Zunahme an Wahlfreiheit und Optionsspielräumen die Metapher eines "Supermarktes" mit einem breiten Sortiment von Alternativen und Akteuren, die eine Auswahl treffen.[2] Unstrittige Kriterien für die Klassifizierung von Lebensformen sind der Partnerschafts- und Elternschaftsstatus, der Familienstand und die Haushaltsformen. Strittig ist hingegen, ob nicht Zweitwohnsitze, die sozialen Netzwerkbeziehungen sowie insbesondere die räumliche Mobilität stärker berücksichtigt werden sollten, da sie nachhaltig die alltägliche Organisation des partnerschaftlichen und familialen Zusammenlebens beeinflussen. Die Aufnahme zusätzlicher Kriterien zur Beschreibung und Analyse von Lebensformen wird mit der zunehmenden gesellschaftlichen Komplexität begründet. So haben insbesondere beruflich bedingte Mobilitätserfordernisse im Zuge der Umstrukturierung des Arbeitsmarktes in den vergangenen Jahren zugenommen. Ebenso dürfte die gestiegene Erwerbstätigkeit von Frauen zu einer Erhöhung der Mobilitätsanforderungen insbesondere von Partnerschaften beitragen.


Fußnoten

1.
Als Überblick vgl. Michael Wagner, Entwicklung und Vielfalt der Lebensformen, in: Norbert F. Schneider (Hrsg.), Lehrbuch Moderne Familiensoziologie, Opladen 2008, S. 99 - 120.
2.
Vgl. Hans-Peter Blossfeld/Marina Rupp, Familiale Übergänge, in: ebd., S. 139 - 166.

 

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