Organisation von Unternehmen
Erfolgsvoraussetzungen für jedes Unternehmen sind eine zündende Geschäftsidee, der Mut, sie umzusetzen, eine realistische Planung, Kapital, Rohstoffe und Arbeitskräfte. Produktion und Absatz lassen sich nach verschiedenen Prinzipien organisieren.
Von der Idee zum Markt: Monteur bei der Arbeit in einem Leipziger Kombinat im Jahr 1989. (© Bundesarchiv)Von der Geschäftsidee auf den Markt
Wenn Unternehmen neu gegründet werden, benötigen sie zunächst eine Geschäftsidee, also eine Vorstellung von einem Produkt oder einer Dienstleistung, die am Markt Erfolgsaussichten hat. Eine Erfindung ist allerdings noch lange keine Geschäftsidee oder Innovation. So vergingen von der Entdeckung der Laserstrahlung durch Albert Einstein bis zur Entwicklung der Lasertechnik mit ihrer flächendeckenden Einführung in CD-Playern und Druckern als Massenware in Haushalten noch mehr als 60 Jahre. Das Telefon hielt die amerikanische Postgesellschaft Western Union noch 1876 für ein Kommunikationsmittel mit viel zu ernsthaften Mängeln, als dass es von Nutzen sein könnte. Der weltweite Bedarf an Computern wurde noch 1945 auf circa fünf geschätzt, eine Einschätzung, die heute befremdlich wirkt. Berücksichtigt man aber die damalige Größe eines Computers sowie dessen Kosten und Wartungsbedarf, so war kaum vorstellbar, dass der Computer einmal in viele Privathaushalte Eingang finden würde. Als der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen 1895 die Röntgenstrahlen entdeckte, lag der Nutzen dieser neuen Technik für die Medizin dagegen quasi direkt auf der Hand, denn er konnte mit ihr bei einem Vortrag vor der Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft in Würzburg die Hand eines anwesenden Zuhörers sichtbar durchleuchten.
Aus Erfindungen neuer bzw. veränderter Produkte oder verbesserter Prozesse werden dann Innovationen, wenn sie am Markt eingeführt, genutzt, angewandt und institutionalisiert werden. Es bedarf also einer Idee für eine Leistung, die für viele Menschen einen Nutzen hat, den sie nicht nur erkennen müssen, sondern für den sie auch zu zahlen bereit sind.
Prüfung der Erfolgsvoraussetzungen
Unternehmer, die Produkte am Markt einführen wollen, müssen also neben einer überzeugenden Geschäftsidee ermitteln, ob für diese Leistung überhaupt ein Markt vorhanden ist und ob Wettbewerber schon vergleichbare Produkte anbieten. Sie müssen dementsprechend zunächst den Markt analysieren, auf dem ihre Produkte abgesetzt werden sollen.
- Welche Bedürfnisse könnten potenzielle Abnehmer mit dem Produkt befriedigen wollen? Welche Motive und Einstellungen dominieren die Kaufentscheidung? Für welche Zielgruppe ist das Produkt interessant? Welchen Preis ist sie bereit zu zahlen? Welche Menge könnte am Markt zu welchem Preis abgesetzt werden? Neigen Käufer auf diesen Märkten zu Impuls-, Gewohnheits- oder Rationalverhalten?
- Welche Wettbewerber existieren? Welches Angebot bieten sie an? Zu welchem Preis bieten sie an? Inwiefern unterscheiden sich die Produkteigenschaften vom eigenen Angebot? Über welche Ressourcen verfügt die Konkurrenz? Welche Ziele und Marketingstrategien verfolgt die Konkurrenz?
- Betriebsmittel: Maschinen, Werkzeuge, Gebäude und Grundstücke, die ge- und nicht verbraucht werden,
- Werkstoffe: Rohstoffe, Hilfs- und Betriebsstoffe, Halb- und Fertigerzeugnisse, die verbraucht werden und in das Produkt eingehen oder zum Betrieb von Betriebsmitteln erforderlich sind,
- Arbeitsleistungen (ausführende und leitende Arbeit).
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Wann setzt sich ein Produkt durch?
Knoll: Die unterstützt das menschliche Bedürfnis nach Bequemlichkeit: portionierte Menge, haltbar, leicht zu transportieren. Daneben wurde die Konservendose auch deshalb ein erfolgreiches Produkt, weil ihre Erfindung in die Zeit der Industrialisierung fiel. Stichwort Verstädterung, Stichwort veränderte Lebensweisen. Lebensmittel mussten in die Städte transportiert werden.
ZEIT: Frischehaltefolie, 1953.
Knoll: Hat auch mit Bequemlichkeit zu tun. Vielleicht auch damit, dass Küchen kleiner wurden. Früher verpackte man Reste in Behältnissen aus Ton oder Glas. Die brauchten Platz.
ZEIT: Kann man aus diesen Beispielen Regeln ableiten, wann ein Produkt sich durchsetzt?
Knoll: Ich glaube schon. Am wichtigsten: Genügend Menschen müssen ein Problem verspüren, das mit dem Produkt gelöst wird. Oder ein Produkt muss antizipatorisch mithelfen, dass bestimmte Probleme erst gar nicht entstehen. Die Konservendose hat möglicherweise dazu beigetragen, dass das Problem "Lebensmittelversorgung der Städte" nicht entsteht. Zugleich hat sie uns allerdings ein Müllproblem beschert. Sie war also eine schlechte Problemlösung, weil sie neue Probleme erzeugte.
ZEIT: Trotzdem: Der latente Kundenwunsch ist das A und O?
Knoll: Ja, auf jeden Fall.
ZEIT: Aber wie finde ich den heraus? [...]
Knoll: Man kann Umfragen machen, man kann Marktforschung betreiben. Je mehr, desto verlässlicher ist das Ergebnis. Dann muss ich bestehende Lösungen mit meiner Produktidee vergleichen und die Frage stellen, ob sie das Problem besser in den Griff bekommt. Ich muss mir auch überlegen, was das Problem eigentlich ist. [...]
ZEIT: Das genügt schon?
Knoll: Nein. Ich muss mir auch die Frage stellen, welche Folgen es hat, wenn das neue Produkt sich durchsetzt. Welcher Entwicklungs- und Materialaufwand wird getrieben? Erzeugt das Produkt am Ende mehr Probleme, als es löst? Da kommt das Wort von der Nachhaltigkeit ins Spiel - in Bezug auf die technische Lösung wie auch auf die möglichen ökologischen, sozialen und kulturellen Auswirkungen. Die Antwort auf diese Fragen kann ich nicht vom Kunden erwarten. Die muss ich selber finden.
ZEIT: Aber bleiben wir beim Kunden. Besteht nicht eine Gefahr, wenn man sich auf Marktforschung verlässt? Als Kunde denke ich in konventionellen Bahnen, sozusagen in Produkten, die ich schon kenne. Ich habe keine Vorstellung, dass es etwas völlig anderes, völlig Neues geben könnte.
Knoll: Das ist ein Riesenproblem. Der Mensch - auch der Mensch als Unternehmer - ist ein Gewohnheitstier und lässt sich nur ungern auf Dinge ein, die etablierten Erwartungen widersprechen. Das Festhalten am Produkt und der Unwille zum Experiment sind große Hemmnisse. [...]
ZEIT: Also - wie kommt das Neue in die Welt?
Knoll: Wirklich neue Produkte - also solche, die sich ganz neue Märkte schaffen - kommen nur in die Welt, wenn sich Menschen von den Fesseln konventionellen Denkens befreien. Und gleichzeitig in der Lage sind, neue, vielleicht noch gar nicht artikulierte Bedürfnisse zu erspüren. [...]
"Der Mut zum besseren Schraubenzieher", ZEIT-Gespräch von Christian Tenbrock mit Christian Knoll, Forscher und Entwickler am Fraunhofer Institut, in: Die Zeit Nr. 39 vom 19. September 2002
Neben dem Absatzmarkt muss auch der Beschaffungsmarkt analysiert werden. So müssen die Produktionsfaktoren vor der Produktion zur Verfügung stehen, obwohl noch unsicher ist, ob ihr Einsatz tatsächlich die erwünschten Erträge einbringt. Um also den leistungswirtschaftlichen Prozess zu gewährleisten, bedarf es der Finanzierung. Dabei kann entweder Eigenkapital aus vorangegangenen Gewinnen zur Verfügung stehen, in der Regel muss aber weiteres Fremdkapital bereitgestellt werden. Der Einsatz von Eigen- oder Fremdkapital erfolgt in der Hoffnung, dass ihm später ein höherer Mittelrückfluss gegenübersteht.
Die Ausgaben und Einnahmen sind aber auch so zu steuern, dass Unternehmen jederzeit ihre Verbindlichkeiten erfüllen können: Sie müssen liquide sein, soll nicht ein Konkurs und damit das Ende des Unternehmens die Folge sein. Die laufenden Einnahmen müssen höher sein als die laufenden Ausgaben, um die Rechnungen der Lieferanten, die Löhne und Gehälter, die Steuern und Abgaben sowie die Zinsen begleichen zu können.
Businessplan
Unternehmensneugründungen sind für die Beteiligten mit hohen finanziellen und persönlichen Risiken verbunden. Nach Studien der Mittelstandbank scheitern Neugründungen zu zwei Dritteln an Informations- und Finanzierungsmängeln, zur Hälfte an Qualifikationsmängeln, zu fast einem Drittel an Planungsmängeln und Familienproblemen sowie zu einem Fünftel an der Überschätzung der Betriebsleistung. Eine Unternehmensneugründung ist so komplex, dass eine ordentliche Planung vonnöten ist, auch wenn sie Unsicherheiten des Absatz- und Beschaffungsmarktes nicht ausschließen kann.
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Schwierigkeiten deutscher Unternehmensgründungen
Auch die Genehmigungsprozesse der Banken sind sehr viel bürokratischer geworden: Oft können die Mitarbeiter vor Ort gar nicht mehr entscheiden, ob der Neu-Unternehmer den Kredit erhalten kann. Vorgaben aus der Firmenzentrale regeln inzwischen selbst die Vergabe der Kreditrahmen auf den Geschäftskonten. Die bisherige, gegenwärtige und künftige Leistungsfähigkeit des Unternehmens wird anhand umfangreicher Daten, die der Neuunternehmer vorlegen muss, ermittelt und mit einer Note (Rating) bewertet. Der Begriff "Basel II" ist daher für viele Unternehmen zum Unwort geworden und steht als Synonym für eine restriktivere Kreditvergabe. Hintergrund der Regulierungen ist jedoch ein anderer: Mit diesen internationalen Standards soll nicht nur das Ausfallrisiko für Banken möglichst klein gehalten werden; es geht auch darum, spektakuläre Bankenzusammenbrüche zu verhindern. Zu diesen kam es in der Vergangenheit - beispielsweise in Japan - dann, wenn Unternehmen ihre Kredite nicht zurückzahlten und dadurch "faule" oder "notleidende Kredite" entstanden. An den neuen Vorschriften für die Kreditvergabe wird sich daher so schnell nichts ändern; für Unternehmer bieten sie aber die Chance, das eigene Zahlenwerk zu begreifen und diese Kompetenz der Bank zu demonstrieren.
Vor die selbstständige, unternehmerische Arbeit hat auch der Staat die Bürokratie gesetzt. Wer ein eigenes Unternehmen gründen will, muss dies beim Gewerbeamt anmelden. Ausgenommen davon sind lediglich die so genannten Freien Berufe wie Ärzte, Rechtsanwälte oder Künstler. Für einige Gewerbe sind darüber hinaus Sondergenehmigungen erforderlich, die sich in die Kategorien "Persönliche Zuverlässigkeit", "Sachliche Voraussetzungen" und "Fachliche Voraussetzungen" einteilen lassen. Wer etwa ein Restaurant aufmachen will, muss nicht nur ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, sondern nachweisen, dass er an einer Schulung für lebensmittelrechtliche Vorschriften teilgenommen hat. Handwerker müssen sich beispielsweise in die Handwerksrolle der zuständigen Kammer eintragen lassen. Und in einigen Berufen kann sich nur derjenige selbstständig machen, der seinen Meister gemacht hat; etwa der Augenoptiker oder der Schornsteinfeger.
Schon in den ersten Wochen nach Gründung eines Betriebs flattert dem frischgebackenen Unternehmer dann Post vom Finanzamt ins Haus. Mit einem Fragebogen will sich die Behörde einen Überblick verschaffen, über mögliche Gewerbe- oder Umsatzsteuerpflicht - und über Einkommensteuervorauszahlungen. Und eine Steuernummer muss natürlich auch her. Wer Mitarbeiter beschäftigt oder einstellen will, muss bei der Agentur für Arbeit eine Betriebsnummer beantragen und sich bei der Berufsgenossenschaft und der Krankenversicherung anmelden. Unter Umständen sind auch bauliche Genehmigungen erforderlich. Je nach Rechtsform muss das Unternehmen außerdem beim Handels- oder Partnerschaftsregister eingetragen werden. Das wiederum ist nur über einen Notar möglich. Diese notwendigen Genehmigungen verursachen nicht nur Kosten, sondern sorgen immer wieder auch für erhebliche zeitliche Verzögerungen bei der Existenzgründung.
Constanze Hacke
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