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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 34-35/2005)

Europäisierung - Soziologie für das 21. Jahrhundert


Ulrich Beck
Inhalt

Einleitung

Kritik des "methodologischen Nationalismus"

Die Frage nach der gesamteuropäischen Ungleichheitsdynamik

Europäische Gesellschaft als regionale Weltrisikogesellschaft

Perspektiven einer kosmopolitischen Soziologie für das 21. Jahrhundert

Einleitung
Die Soziologie hat als Leitwissenschaft abgedankt; sie ist zirkulär geworden; ihr Adressat ist nicht länger die Gesellschaft, die Öffentlichkeit, die Politik oder der Einzelne, sondern sie selbst. Ist dieser paradoxe Autismus der Wissenschaft des sozialen Handelns unwiderruflich? Gehören zu den Kosten der damit erzielten Abstraktionsgewinne nicht auch erhebliche Wirklichkeitsverluste der in einem bestimmten historischen Stadium und Blick der Moderne kategorial tiefgefrorenen Wirklichkeitswissenschaft? Welche Rolle also können die Sozialwissenschaften künftig spielen? Ich möchte diese Fragen inhaltlich diskutieren: Was meint "Europäisierung" in der Perspektive soziologischer Theorie und Forschung? Gibt es so etwas wie eine europäische Gesellschaft?

Zur Person
Ulrich Beck
Dr. phil., geb. 1944; Professor für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der London School of Economics and Political Science (LSE); Universität München, Institut für Soziologie, Konradstraße 6, 80801 München.
E-Mail: u.beck@lmu.de


Der Begriff "Gesellschaft" setzt klare nationalstaatlich kontrollierte Grenzen voraus. Wie jedoch ist eine europäische "Gesellschaft" mit variablen Grenzen und damit variablen Innen-Außen-Verhältnissen zu begreifen? Ist eine Gesellschaft, deren Schlüsselmerkmal die politische Variabilität ihrer geographischen "Grenzen" ist, überhaupt noch eine "Gesellschaft"? Gibt es überhaupt so etwas wie eine europäische Gesellschaft? Muss man vielleicht den Gesellschaftsbegriff entnationalisieren, entstaatlichen und aus seinen territorialen Fixierungen lösen, um diese Fragen zu bearbeiten? Das Irritierende an diesen Fragen ist, dass sie überhaupt nicht gestellt werden - geschweige denn beantwortet! Dafür gibt es viele Ursachen, aber nur einen - kritikwürdigen - Grund: Der Gesellschaftsbegriff ist der Kristallisationspunkt des methodologischen Nationalismus der Soziologie. Wer Europa verstehen will, muss die Vorstellung, dass "moderne Gesellschaft" und "moderne Politik" nur als nationalstaatlich organisierte existieren können, in Frage stellen.
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08. Februar 2012
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Inhalt
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Soziologie
Editorial
Europäisierung - Soziologie für das 21. Jahrhundert
Bildung, Kultur und elementare soziale Prozesse
Vermittlungs-
schwierigkeiten der Sozialwissenschaften
Soziologie - Gegenwart und Zukunft einer Wissenschaft
Das Unbehagen an derGesellschaft
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