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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 21-22/2003)
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Bildungsarmut |

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Jutta Allmendinger / Stephan Leibfried
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In Deutschland gibt es zwischen (Aus-)Bildung und Sozialpolitik kaum Bezüge; bestenfalls werden Nach- und Weiterqualifizierung als den Arbeitsmarkt entlastend angesehen. Demgegenüber wurde in angelsächsischen Ländern unter social policy immer schon education und social security verstanden. Diese integrierte Sichtweise stand Pate für die angelsächsische Reform des Wohlfahrtsstaats gleich nach dem Zweiten Weltkrieg: Sie war zugleich massiv Bildungsreform. In den USA hatte sich zudem schon im 19. Jahrhundert das Bildungswesen weit stärker und als eine Art Sozialstaatsersatz entwickelt. Das wirkt sich noch heute in der Bildungspolitik als Standortvorteil aus. In Deutschland (und Frankreich) werden beide Bereiche ressortgebunden getrennt, und die Sozialreform wurde seit 1955 zunächst vorrangig auf den so genannten "Trichter" der Rentenreform verengt, wobei eine nachholende Bildungsreform später - seit den siebziger Jahren - unabhängig von der Sozialpolitik einsetzte. Bis Mitte der neunziger Jahre war materielle "Armut" zudem selbst in der amtlichen Sozialpolitik des Bundes tabu, wie die deutsche Haltung zu den Armutsprogrammen der EG über Jahrzehnte gezeigt hat: "Es gibt keine Armut in Deutschland."
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Zur Person |
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Jutta Allmendinger
Ph. D. (Harvard Universität), geb. 1956; Direktorin des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg und Professorin für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.
Anschrift: IAB, Regensburger Straße 104, 90478 Nürnberg.
E-Mail: jutta.allmendinger@iab.de
Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Organisations- und Bildungssoziologie sowie der sozialen Ungleichheit, u.a.: (Hrsg. zus. mit Thomas Hinz), Soziologie der Organisationen, Sonderband der KZfSS, Wiesbaden 2002.
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Erst in jüngerer Zeit wurde versucht, Bildungs- und Sozialpolitik zusammen zu sehen, allerdings eher erfolglos. Das entspricht den heutigen Wahrnehmungsmustern der "sozialen Frage".
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Zur Person |
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Stephan Leibfried
Dr. rer. pol., geb. 1944; Professor für Sozialpolitik an der Universität Bremen, Kodirektor Zentrum für Sozialpolitik (ZeS), SFB "Staatlichkeit und Wandel" und Graduiertenfakultät.
Anschrift: Universität Bremen, ZeS, Parkallee 39, 28209 Bremen.
E-Mail: stlf@zes.uni-bremen.de
Veröffentlichungen zur Sozialpolitik, zuletzt: (zus. mit Lutz Leisering) Time and Poverty in Western Welfare States, Cambridge, UK 1999, 2001; (zus. mit Elmar Rieger) Limits to Globalization. Welfare States and the World Economy, Cambridge, UK 2003.
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Wir nennen zunächst die Ausgangspunkte der Verflechtung von Bildungs- und Sozialpolitik, um danach entsprechende Standards für eine systematische nationale Berichterstattung zu skizzieren. Zwei Definitionsgrundlagen von Bildungsarmut werden verglichen: Bildungszertifikate, also Prüfungsnachweise, und Bildungskompetenzen. Um die Verteilung von Kompetenzarmut und -reichtum geht es in einem internationalen Vergleich: Es lassen sich "vier Welten" der "Kompetenzproduktion" unterscheiden. Wir schließen mit perspektivischen Betrachtungen zur deutschen Bildungspolitik nach Erscheinen der internationalen Schülerleistungsstudie PISA über die Grundkompetenzen 15-Jähriger. |
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15. März 2010
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