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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 51/2003)
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Think Tanks in Deutschland - Berater der Politik? |

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Martin Thunert
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Politikberatung in der Krise? |
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"In den USA blüht die Kultur der ,Think Tanks`, in Deutschland haben sie nicht viel zu melden", lautete der Aufmacher, mit dem eine große deutsche Tageszeitung vor kurzem einen Bericht über die Politikberatung in Deutschland einleitete. Zwar hat Politikberatung Konjunktur, aber sie sieht sich zunehmend der Kritik ausgesetzt. Die Klagen über Defizite der wissenschaftlichen Beratungspraxis reißen nicht ab - insbesondere in einem der Hauptgebiete wissenschaftlicher Beratung, der Wirtschaftspolitik. "Phobie gegen Praxisnähe", "theoretische Verspieltheit", "sprachliche Abschottung", "mangelnder Realitätsbezug und Unkenntnis der politischen Abläufe" sowie "Ignoranz des Faktors Zeitknappheit" - so urteilen die Macher über die Wissenschaftler. Umgekehrt sehen die Theoretiker die Politik weniger durch inadäquate Beratungsformen und den Mangel an Ideen als durch Umsetzungsprobleme institutioneller Art sowie durch politische Scheuklappen, politische Instrumentalisierung der wissenschaftlichen Beratung, schlechtes Zeitmanagement, die Unfähigkeit zur Prioritätensetzung und eine "Verarmung des zukunftsgerichteten Denkens" blockiert. Diese Schuldzuweisungen sind kein spezifisch deutsches Phänomen. Dahinter verbirgt sich das prinzipielle Problem der schwer in Einklang zu bringenden Funktionslogiken von Politik und Wissenschaft. "Der Politiker' erwartet political advice, der Berater will aber meist nur policy-advice geben - ein Konflikt, der in Deutschland besonders stark empfunden wird."
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Zur Person |
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Martin Thunert
Dr. phil, geb. 1959; Habilitation in Politikwissenschaft an der Universität Hamburg; derzeit DAAD Visiting Associate Professor of Political Science an der University of Michigan, Ann Arbor, USA.
Anschrift: University of Michigan, Department of Political Science, 6735 Haven Hall, 505 S. State Street, Ann Arbor, MI 48109 und Postfach 701012, 60560 Frankfurt/M. E-Mail: martin.thunert@t-online.de oder thunert@umich.edu
Veröffentlichungen zur Politik westlicher Industriestaaten, insbesondere zu den USA, Kanada und Großbritannien, zu Fragen der Politikberatung, der Verfassungspolitik und des Lobbyismus.
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Könnten Einrichtungen Abhilfe schaffen, in denen wissenschaftliche Experten arbeiten, die neben Sachverstand auch das Verständnis für die auf Problemlösung und Machterhalt/Machterwerb ausgerichtete Logik der Politik auszeichnet und die zudem über ausgeprägte kommunikative Kompetenzen sowie idealerweise über Kenntnisse der praktischen Politik verfügen, statt sich primär über den Tatbestand zu beklagen, dass die offizielle Politik wissenschaftliche Empfehlungen nicht immer umsetzen will oder sich aus den zumeist konträren wissenschaftlichen Empfehlungen die politisch zweckmäßigste und institutionell anschlussfähigste herauspickt? Solchen praxisorientierten sozial- oder wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstituten, für die sich die Begriffe think tanks oder "Denkfabriken" eingebürgert haben, gilt die Aufmerksamkeit dieses Beitrags. Wie entwickelt ist die "Think Tank'"-Kultur in Deutschland im Vergleich zum westlichen Ausland - insbesondere zu den USA und Großbritannien - und welches Potenzial haben die in Deutschland tätigen Institute, als Politikberater zu wirken? Der Terminus think tank entstand während des Zweiten Weltkriegs in den USA. Er umschrieb einen abhörsicheren Ort (tank), an dem zivile und militärische Experten Invasionspläne schmiedeten und an militärischen Strategien feilten (think). Erst in den sechziger und siebziger Jahren bürgerte sich der Begriff zur Etikettierung von praxisorientierten Forschungsinstitutionen auch außerhalb der Sicherheitspolitik ein. Heute wird der Begriff "Think Tank" frei verwendet und ist schwer eingrenzbar. Nach dem Verständnis des Verfassers sind Think Tanks privat oder öffentlich finanzierte praxisorientierte Forschungsinstitute, die wissenschaftlich fundiert politikbezogene und praxisrelevante Fragestellungen behandeln und im Idealfall entscheidungsvorbereitende Ergebnisse und Empfehlungen liefern. |
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30. Juli 2010
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