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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 42-43/2009)

Zukunft der Gutenberg-Galaxis


Albrecht Hausmann
Inhalt

Einleitung

Die "B42": Konfektionsware, die wie ein Maßanzug aussieht

Ein neues ökonomisches Prinzip

Ökonomie des Druckens: Investition und Rendite

Internet und die Krise des "Gutenberg-Prinzips"

Befreiung des Buches und Ökonomie der Aufmerksamkeit

Surfen wie im Mittelalter?

Einleitung
Als das Magazin "Time" vor zehn Jahren die Frage nach der wichtigsten Persönlichkeit des zu Ende gehenden zweiten Jahrtausends stellte, setzte sich Johannes Gutenberg gegen alle Konkurrenten durch. Seine Erfindung, der Buchdruck mit beweglichen Metalllettern, und vor allem die enorme Wirkung dieser neuen Technologie lassen den 1468 gestorbenen Sohn eines Mainzer Patriziers tatsächlich als "Man of the Millennium" erscheinen. Durch den Buchdruck wurde die Reproduktion und Verbreitung von Wissensbeständen derart vereinfacht und be-schleunigt, dass es innerhalb weniger Jahrzehnte zumindest in Europa zu grundlegenden gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen kam. Der Buchdruck hat die zweite Hälfte dieses zweiten Jahrtausends geprägt wie kaum eine andere Innovation, und zu Recht hat der kanadische Medientheoretiker Marshall McLuhan von der "Gutenberg-Galaxis"[1] gesprochen. Auf Gutenbergs Erfindung folgten in Europa, aber bald auch in weiten Teilen der übrigen Welt Jahrhunderte, die vom geschriebenen und vor allem gedruckten Wort geprägt sind.

Zur Person
Albrecht Hausmann
Dr. phil., geb. 1968; Vertreter einer Professur für Deutsche Literatur und Sprache des Mittelalters an der Universität Freiburg/Br.; 2001 - 2006 Leiter der Forschernachwuchsgruppe "Stimme-Zeichen-Schrift in Mittelalter und Früher Neuzeit" an der Universität Göttingen; Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Deutsches Seminar I, Platz der Universität 3, 79085 Freiburg/Br.
E-Mail: albrecht.hausmann@germanistik.uni-freiburg.de albrecht-hausmann.blogspot.com

Aber nicht nur die Wirkung war herausragend, auch die technischen Innovationen, aus denen sich Gutenbergs Erfindung zusammensetzt, sind in ihrer Summe bemerkenswert.[2] Während das Prinzip aus heutiger Sicht simpel erscheint, waren die technischen Hürden, die Gutenberg im 15. Jahrhundert überwinden musste, gewaltig. Eine geeignete Rezeptur für die Druckerschwärze, Setzkasten und Setzwinkel, das Gerät zum Gießen der Lettern, die richtige Legierung für das Blei, schließlich die Presse selbst mussten erst entwickelt, hergestellt und getestet werden; es handelt sich beim Buchdruck mit beweglichen Lettern eben nicht um eine Zufallserfindung, sondern um eine offenbar geplante und über Jahre hinweg konsequent realisierte Innovation, bei der die Grundidee nur einen Teil der Gesamtleistung ausmacht.

Noch größer als die technischen waren die wirtschaftlichen Probleme, mit denen sich Gutenberg nach Ausweis der überlieferten Zeugnisse konfrontiert sah. Der wahrscheinlich über ein Jahrzehnt dauernde Entwicklungsprozess verschlang viel Geld; Material und Werkzeuge mussten (vor)finanziert werden. "Risikokapital" war im 15. Jahrhundert nicht gerade leicht aufzutreiben; dennoch fand Gutenberg immer wieder Geldgeber, die das Potential des Projekts erkannten. Als Gutenberg 1448 nach einem längeren Aufenthalt in Straßburg wieder in seiner Heimatstadt Mainz nachweisbar ist, ist er offenbar ganz mit dem noch geheimen Druckprojekt beschäftigt. Der Mainzer Kaufmann Johannes Fust schießt ihm die für damalige Verhältnisse enorme Summe von 800 Gulden vor. Als Sicherheit setzt Gutenberg die mit diesem Geld angeschafften Geräte ein; später wird es zwischen Fust und Gutenberg um diesen Vertrag Streit geben.
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09. Februar 2012
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