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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 12/2002)
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Kulturelle Globalisierung |

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Von Goethes "Weltliteratur" zu den weltweiten Teletubbies Bernd Wagner
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I. Der 11. September als Signatur einer kulturell globalisierten Welt |
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Es gibt ein Bild aus New York vom 11. September 2001, das in seiner Symbolik wie in einem Brennglas vieles von dem festhält, wofür dieses Datum steht: Auf dem Trümmerfeld vor dem zerstörten World Trade Center steht ein staubüberdeckter, leicht beschädigter roter Lieferwagen mit der Aufschrift "Enjoy Coca Cola", dahinter ragen wie mahnende Grabstelen die abgebrochenen Betonsäulen der Eingangsetage des ehemals höchsten Wolkenkratzers in den Himmel.
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Das Wahrzeichen westlich-kapitalistischer Wirtschaftsmacht in Trümmern, die Ermordung von rund 3 000 Menschen und eine von Menschenhand herbeigeführte Zerstörung großen Ausmaßes im US-amerikanischem Mutterland mit dem von den zusammenbrechenden Hochhäusern gestoppten Coca-Cola-Wagen - dieses Bild vermischt sich damit, was wir über den Terroranschlag und die Attentäter wissen: Die "Waffen" waren entführte Passagierflugzeuge, gesteuert von jungen Leuten, die in deutschen und englischen Universitätsstädten studiert und dort jahrelang unauffällig gelebt hatten. Ihre Flugkenntnisse lernten sie an nordamerikanischen Flugschulen, und am Abend vor ihrem Todesflug haben sie sich sichtlich gut gelaunt Geld an einem Bankautomaten abgehoben, bei Pizza Hut Fast Food gegessen und bei der weltgrößten Supermarktkette Wal-Mart noch etwas eingekauft. Die etwa 20 Attentäter kamen aus Saudi-Arabien und anderen Nahoststaaten, viele stammten aus der Oberklasse und der gehobenen Mittelschicht und lebten im westlichen Ausland, wo sie studiert, gearbeitet und teilweise sehr vergnügt die dortige Lebensweise genossen haben. Sie waren islamischen Glaubens und sind zu unterschiedlichen Zeiten vor ihrem mörderischen Anschlag zu militanten Fundamentalisten geworden, die Anschläge, Mord und Terror als Teil des Dschihad, des Heiligen Krieges, von islamistischen Gläubigen gegen die Ungläubigen und ihre gottlose Kultur propagieren.
Deutlicher als McDonalds in Singapur, Pizza Hut in Lagos oder IKEA in Peking, als MTV, Coca Cola und der Marlboro-Mann steht der 11. September für die auch kulturell globalisierte Welt.
Entgegen dem nach den Terroranschlägen immer wieder zitierten Bild vom "Kampf der Kulturen", des amerikanischen Sozialwissenschaftlers Samuel P. Huntington markiert der 11. September eine Eskalation der Konflikte innerhalb einer gemeinsamen Weltgesellschaft mit vielen Kulturen, Ideologien, Religionen und Weltanschauungen und nicht zwischen kulturell definierten Großregionen. |
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18. März 2010
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