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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 38/2009)

"Kanzlerkommunikation" von Adenauer bis Merkel


Henrik Gast
Inhalt

Einleitung

Gesprächsfigur der rationalen Argumentation

Etikette, Taktgefühl und Höflichkeit

Dank, Lob und Anteilnahme

Humor und Anekdoten

Inszenierung von Stärke: Machtworte

Nonverbale Selbstdarstellung

Führung durch Kommunikation

Einleitung
Von Regierungschefs wird viel verlangt; gelegentlich werden sie auch mit Erwartungen überfrachtet. Als ein renommierter Journalist Helmut Kohl einmal fragte, warum er bei der Vermögensabgabe zur Finanzierung der deutschen Wiedervereinigung nicht die politische Führung ergriffen habe, ging dem Kanzler die Galle über: "Lieber Freund, ich habe mir schon viele Mehrheiten erkämpft. Sie sitzen jetzt schön als Journalist in Ihrem Sessel und sagen: Dann erkämpf mal 'ne Mehrheit, das müssen Sie erst einmal machen."[1]

Zur Person
Henrik Gast
M. A., geb. 1979; wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Vergleichende Politikwissenschaft (Schwerpunkt Westeuropa) der Universität Regensburg, Universitätsstraße 31, 93040 Regensburg.
E-Mail: henrik.gast@politik.uni-regensburg.de

Damit hatte er das Grundproblem politischer Führung skizziert: Parlamentarische Mehrheiten stellen sich nur in den seltensten Fällen von alleine ein. Zwar ist richtig, dass Mehrheitsfraktionen und Regierung in einem parlamentarischen Regierungssystem eine Funktionseinheit bilden. Dies bedeutet im Umkehrschluss jedoch keineswegs, dass die Koalitionsfraktionen automatisch die gouvernementalen Vorlagen gefügsam unterstützen.[2] Auch ein führungsstarker Kanzler wie Konrad Adenauer nahm es als schwere Aufgabe wahr, wenn er in der Fraktion Rede und Antwort stehen musste: "Das Fegefeuer ist für mich, wenn ich in die Fraktion muß."[3] Regierungschefs müssen sich in einem äußerst komplexen und kompetitiven Umfeld durch Kommunikation legitimieren und damit ihren Positionen Geltung verschaffen. Wie sie dabei die vielfältigen Facetten sprachlicher und nonverbaler Darstellungsmöglichkeiten nutzen, wird im Folgenden analysiert.[4]
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10. Februar 2012
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