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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 52-53/2004)

Männer als Opfer von Gewalt


Hans-Joachim Lenz
Inhalt

Gewalt und Männer

Gesundheitliche Folgen der Gewalt

Gewalt als Geschlechterfrage

Die soziale und politische Verleugnung der männlichen Verletzbarkeit

Zur Forschungslage: Männer haben alles erforscht, nur nicht sich selbst

Die Pilotstudie "Gewalt gegen Männer"

Die Notwendigkeit der gesellschaftlich-politischen Sensibilisierung für die Verletzbarkeit von Männern

Die soziale und politische Verleugnung der männlichen Verletzbarkeit
Gesellschaftsstrukturelle Mechanismen bewirken, dass männliche Opfer hinter der vermeintlichen Normalität verschwinden. Der Mann als Individuum steht in Konkurrenz zu anderen Männern. Innerhalb der "Siegerkultur" geht es um wenige Sieger und viele Verlierer.[21] Schamhaft verbirgt sich der Verlierer. Das Schweigen vieler Männer über die ihnen widerfahrenen Gewaltübergriffe korrespondiert mit der Schwere der Tat und dem Grad des Ausgeliefertseins. Je schlechter die soziale Position des Mannes ist, der in diesen Verhältnissen agiert, desto größer sind die Risiken, Übergriffen und Verletzungen ausgesetzt zu werden. Die "Unterlegenen" werden ihrem Schicksal überlassen und stigmatisiert.[22]

In dieser Logik stellt der Begriff des "männlichen Opfers"[23] ein kulturelles Paradox dar: Entweder gilt jemand als Opfer oder er ist ein Mann.[24] Beide Begriffe werden als unvereinbar gedacht. In einer patriarchalischen Gesellschaft scheint es strukturell widersinnig, von Männern als Opfer zu reden. Wie am Beispiel des Krieges deutlich wird, werden Männer gesellschaftlich dafür belohnt, wenn sie Gewalt anwenden, und bestraft, wenn sie sich dem entziehen.[25] "Im Kriege sprach und spricht man von 'Verlusten', wenn von gefallen Männern die Rede ist, die 'Opfer' sucht man bei den Frauen, Kindern und Alten in der Zivilbevölkerung."[26]

Obwohl Männer in der Männerkultur sich in Strukturen bewegen, die ihr Geschlecht privilegieren, sind sie - im Unterschied zur Frauenbewegung - von einer Anteilnahme am Los viktimisierter Mitmänner - Männer, die das Opfer von Gewalt wurden - weit entfernt. Es scheint vielen leichter zu fallen, sich für die Gleichberechtigung von Frauen oder die Bekämpfung der gegen Frauen gerichteten Gewalt einzusetzen als für das eigene Geschlecht.[27] Die Konfrontation mit der Erfahrung von Ohnmacht, Passivität und Opfersein von anderen Männern würde ein radikales Infragestellen des eigenen Mannseins bedeuten, was abgewehrt wird.

An der Verleugnung der Problematik beteiligen sich auch Professionelle aus dem psycho-sozialen Feld (Berater, Ärzte, Pädagogen, Sozialarbeiter und Psychotherapeuten), aber auch aus Männerprojekten.[28] "Das Tätertrauma, das der radikale Feminismus den Männerforschern und -therapeuten eingeimpft hat, schlägt so auf die männlichen Opfer zurück." [29]

Derzeit werden öffentliche Mittel allenfalls für die Arbeit mit Gewalttätern zur Verfügung gestellt. Die Opfer dieser Verhältnisse bleiben - Preis der restriktiven Gesellschaftspolitik - verborgen. Problematisch ist zudem eine Arbeit mit Opfern, die nicht die Not der Opfer zum Ausgangspunkt macht, sondern die unterstellte potenzielle Täterschaft der Opfer.
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09. Februar 2012
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Inhalt
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Gewalt im Geschlechterverhältnis
Editorial
Kooperation zum Schutz vor Gewalt in Ehe und Beziehungen
Männer als Opfer von Gewalt
Gewaltprävention durch Arbeit mit Minderjährigen in der Prostitution
Hintergründe des Menschenhandels in die Prostitution mit Frauen aus Osteuropa
Milliardengeschäft illegale Prostitution
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