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Kinder und Jugendliche im Web 2.0 - Befunde, Chancen und Risiken


10.1.2011
Das social web gewinnt im Alltag von Kindern und Jugendlichen zunehmend an Bedeutung. Es eröffnet vielfältige neue kommunikative Erfahrungs- und Handlungsräume, birgt aber auch verschiedene Risiken.

Einleitung



Nachkriegsgeneration", "Baby-Boomer", "Generation Golf" - es gibt zahlreiche Schlagworte, mit denen versucht wird, einzelne Generationen zu charakterisieren. In der Folge einer zunehmenden Mediatisierung verweisen diese Schlagworte in der jüngeren Zeit oft auf die Medienentwicklung: Schon früh gab es die "Fernsehgeneration", später die "Windows-Generation", die "Net Generation" oder jüngst die "digital natives". Diese Bezeichnungen verweisen darauf, dass große Teile einer Generation von einem bestimmten Medienphänomen betroffen sind und sich darin von vorangegangenen Generationen unterscheiden. Über dieses allgemeine Betroffen-Sein hinaus sagen solche Etiketten allerdings nichts über den Stellenwert des Phänomens in der jeweiligen Lebenswelt aus, geschweige denn darüber, wie sich die Angehörigen dieser Generation dem Medium gegenüber verhalten, wofür sie es nutzen und mit welchen Folgen diese Nutzung mitunter verbunden ist.

Das derzeit im Vordergrund der öffentlichen Aufmerksamkeit stehende Medienphänomen, das als charakterisierendes Merkmal der heutigen Heranwachsenden angesehen wird, ist das sogenannte social web, dem insbesondere soziale Netzwerkplattformen wie "SchülerVZ" oder "Facebook" sowie Videoplattformen wie "YouTube" zuzurechnen sind. Die folgenden Ausführungen geben einen Überblick über Befunde zum Umgang Jugendlicher mit dem Internet im Allgemeinen und dem social web im Besonderen sowie zu den damit verbundenen Chancen und Risiken.

Da der jungen Generation im Hinblick auf die Entwicklung der Mediennutzung gern ein Pionierstatus zugeschrieben wird, befassen sich zahlreiche Studien mit dem Medienumgang dieser Altersgruppe. Ein Überblick wird allerdings erschwert durch eine doppelte Dynamik: Zum einen verändert sich der Medienumgang in Kindheit und Jugend sehr rasch; innerhalb weniger Monate ergeben sich zum Teil gravierende Verschiebungen in den Vorlieben und Nutzungsweisen, weshalb das genaue Alter der Jugendlichen in den verschiedenen Studien zu beachten ist. Zum anderen sind die raschen Veränderungen auf der Ebene der Übertragungswege, der technischen Endgeräte und der angebotenen Medien- und Kommunikationsdienste zu berücksichtigen, die dazu führen, dass innerhalb weniger Monate Angebote in den Medienrepertoires von Jugendlichen eine entscheidende Rolle bekommen, die zuvor völlig unbekannt waren. Dienste, die dem social web zugerechnet werden, spielen erst seit Mitte der 2000er Jahre eine Rolle. Der heute im öffentlichen Diskurs omnipräsente Dienst "Twitter" etwa wurde erst im Jahr 2006 entwickelt.

Im Vordergrund des folgenden Überblicks stehen einige aktuelle Studien, die sich in ihren besonderen Aussagemöglichkeiten und den jeweils untersuchten Altersgruppen gegenseitig ergänzen. Bezug genommen wird vor allem auf die aktuellen Befunde der jüngsten "JIM-Studie" (zu 12- bis 19-Jährigen in Deutschland) und der europaweiten Studie "EU Kids Online II" (zu 9- bis 16-Jährigen); daneben werden Ergebnisse des Projekts "Heranwachsen mit dem Social Web" (zu 12- bis 24-Jährigen) vorgestellt, das das Hans-Bredow-Institut und die Universität Salzburg im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW bearbeitet haben.[1]


Fußnoten

1.
Vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (Hrsg.), JIM-Studie 2010. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger, Stuttgart 2010 (online: www.mpfs.de); Sonia Livingstone et al., Risks and safety on the Internet. The perspective of European children, Initial findings from the EU Kids Online survey of 9-16 years olds and their parents, London 2010 (online: www.eukidsonline.net); Jan-Hinrik Schmidt/Ingrid Paus-Hasebrink/Uwe Hasebrink (Hrsg.), Heranwachsen mit dem Social Web. Zur Rolle von Web 2.0-Angeboten im Alltag von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, Berlin 2009 (Befragungszeitraum: Oktober/November 2008).