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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 6/2007)

Editorial


Ludwig Watzal

Über Jahrzehnte befand sich das Religiöse in der Defensive. Das öffentliche Reden über Gott war "out". Spätestens seit Herbert Grönemeyers neuestem Song haben es alle gemerkt: Religion und Gott gehören wieder zum Mainstream der Gesellschaft. Vom Absterben der Religion spricht niemand mehr, obwohl sich religiöse Vorstellungen gesellschaftlich sehr unterschiedlich artikulieren. Große Unterschiede bestehen zum Beispiel zwischen den USA und Europa. Nordamerika gilt geradezu als "religiöser" Kontinent; die Europäer erscheinen so gesehen als völlig säkularisiert. Aber auch in Europa kann - wenn auch zögerlich - eine genuine Renaissance der Religion beobachtet werden. Gleichwohl schwindet die Bindung der Menschen an religiöse Institutionen, insbesondere an die großen Kirchen.

Wie wichtig die Bindekraft der Religion für eine demokratisch verfasste Gesellschaft ist, hat der ehemalige Bundesverfassungsrichter Ernst-Wolfgang Böckenförde so formuliert: Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebe von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren könne. Gemeint sind damit u.a. vorinstitutionelle Bedingungen einer Gesellschaft, die den Charakter von Institutionen prägen. In diesem Sinne kann der ethisch-kulturelle Beitrag des Christentums für eine Humanisierung der Gesellschaft nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Der Beitrag der Weltreligionen zum Frieden ist unbestritten. Aber es gibt kaum eine Religion, in deren Namen nicht auch Kriege geführt und Gewalt gerechtfertigt worden sind. In jüngster Zeit wird die Lehre des Islam durch Extremisten missbraucht, um Terroranschläge nicht nur gegen "den Westen" zu legitimieren. Diesem Missbrauch einer Weltreligion muss widerstanden werden.
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10. Februar 2012
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Religion in der Gesellschaft
Editorial
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Religionen in Konflikten - eine Herausforderung für die Friedenspolitik
Die Zivilisierung der Religionen als Ziel staatlicher Religionspolitik?
Die Christliche Rechte in den USA
Politische Ethik im Christentum
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