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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 8/2002)

Islamismus und Großmachtpolitik in Afghanistan


Matin Baraki
Inhalt

Einleitung

I. Islamische Bewegungen in Afghanistan bis 1978

II. Von der Republik zum Islamischen Staat

III. Die Talibanisierung Afghanistans

IV. Fazit

Einleitung
Die meisten Publikationen über Afghanistan seit 1978 erwecken den Eindruck, als ob die Völker Afghanistans streng religiöse Islamisten [1] wären. Wohl sind die Afghanen mehrheitlich Muslime, jedoch leben auch Menschen hinduistischen und jüdischen Glaubens in diesem Land, und religiöser Fanatismus war und ist ihnen wesensfremd. Die völlige Islamisierung Afghanistans durch die Araber seit der Entstehung des Islam nahm fünf Jahrhunderte in Anspruch. Die Bevölkerung Kafiristans, des heutigen Nuristan (nord-östliches Afghanistan), wurde erst im Jahre 1895 durch den Despoten Abdul Rahman gewaltsam islamisiert. Es gibt nicht wenige aufgeklärte Afghanen, die heute noch den Islam als Religion des arabischen Kolonialismus ansehen. Vor der Islamisierung hatten die Völker des heutigen Afghanistans eigene Religionen, wie die Lehre des Zarathustra, den Buddhismus, Brahmanismus, den Mithras-Kult, und verfügten über eigene hochentwickelte Kulturen, die mit ihrem jeweiligen Glauben eng verbunden waren. Landwirtschaft sowie Bewässerungssystem waren weit entwickelt, auch der Handel mit Indien und China florierte, währenddessen die Araber als Beduinen noch unter wesentlich weniger entwickelten Verhältnissen lebten. [2] Aberglaube, Hexerei und das Opfern junger Frauen zur Besänftigung der Geister im Falle von Katastrophen waren in Arabien sehr weit verbreitet. Von daher bedeutete der Islam seiner Zeit und die Reformen, die er mit sich brachte, für die arabischen Gesellschaften durchaus eine Verbesserung; in Afghanistan aber hatten diese Eroberungskriege insbesondere eine Zerstörung der Kulturgüter der bestehenden Glaubensrichtungen zur Folge.

  • PDF-Version: 58 KB


  • Zur Person
    Matin Baraki
    Dr. phil., geb. 1947; Studium der Politikwissenschaft und Soziologie in Marburg; lehrt an den Universitäten Marburg und Giessen internationale Politik.

    Anschrift: Institut für Politikwissenschaft, Wilhelm-Röpke-Str. 6, 35032 Marburg.
    E-Mail: baraki@mailer.uni-marburg.de

    Veröffentlichungen u.  a.: Die Beziehungen zwischen Afghanistan und der Bundesrepublik Deutschland 1945-1978, Frankfurt/M. 1996; Die Talibanisierung Afghanistans, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, (2001) 11.

    Es ist eine historische Tatsache, dass der Islamismus in Afghanistan keine Tradition hat. Alle Antikolonialkriege des 19. und 20. Jahrhunderts gegen den britischen Imperialismus wurden nicht unter islamischer, sondern unter nationaler Flagge geführt. Der Islamismus in Afghanistan ist ein historisch neues Phänomen, unmittelbar beeinflusst von der ägyptischen Moslembrüderschaft, die 1928 von dem Lehrer Hasan Al Banna gegründet worden war und mit der kulturellen und religiösen Tradition sowie dem Leben des afghanischen Volkes nicht viel gemein hat. Er ist eine nach Kabul exportierte Ideologie des ägyptischen Kleinbürgertums. [3]
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    09. Februar 2010
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    "Achse des Bösen"?
    Editorial
    Zentralasien und der Kaukasus nach dem 11. September: Geopolitische Interessen und der Kampf gegen den Terrorismus
    Geopolitische Veränderungen auf dem "eurasischen Schachbrett": Russland, Zentralasien und die USA nach dem 11. September 2001
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    Islamismus und Großmachtpolitik in Afghanistan
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