Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index
Suche

Themen
Publikationen
Arbeitsmaterialien Medien
Aus Politik und Zeitgeschichte
AV-Medienkatalog
CD-ROM/ CD/ DVD
Einzel-
publikationen
Entscheidung im Unterricht
Filmhefte
fluter
HanisauLand
Informationen zur politischen Bildung
Info aktuell
Internet-Angebote
Mobile Angebote
Karten
Pocket
Rechtsreihe
Schriftenreihe
Spicker Politik
Thema im Unterricht
Themenblätter im Unterricht
Themen und Materialien
Zeitbilder
Spiele
Sonstige
Was geht?
Suche
Veranstaltungen
Wissen
Lernen


Aus Politik und Zeitgeschichte (B 40-41/2003)

Der jüngste Erinnerungsboom in der Kritik


Ute Frevert
Inhalt

Einleitung

Erinnerungen: Opfer, Täter, Mittäter

Selbstverantwortung als zivilgesellschaftliche Forderung

Die Rückkehr der Opfererinnerung: Flucht, Vertreibung, Bombenkrieg

Wider die Skandalisierung

Aufrechnungen, Analogien, Vergleiche

Historisierung versus Moralisierung: auf der Suche nach europäischen Erinnerungsorten

Einleitung
Deutsche Geschichte ist anstößig - vor allem dann, wenn es um den Nationalsozialismus geht. Diese Zeit gehört, anders als das Kaiserreich oder die Weimarer Republik, nicht allein den Historikern, die sich berufsmäßig damit beschäftigen. Sie gehört der Öffentlichkeit: Journalisten und Politikern, Verbandsvertretern und Schriftstellern, den Zeitzeugen und ihren Nachkommen. Um sie wird gestritten, und eben dieser Streit sichert der NS-Zeit einen privilegierten Dauerplatz auf der Bühne des öffentlichen Interesses.[1]

Zur Person
Ute Frevert
Prof. Dr. phil. geb. 1954; lehrt deutsche Geschichte an der Yale University.
Anschrift: Department of History, Yale University, P.O. Box 208324, New Haven, CT 06520 - 8324, USA.
E-Mail: ute.frevert@yale.edu

Veröffentlichungen u.a.: (zus. mit Aleida Assmann) Geschichtsvergessenheit - Geschichtsversessenheit. Vom Umgang mit deutschen Vergangenheiten nach 1945, Stuttgart 1999; Die kasernierte Nation. Militärdienst und Zivilgesellschaft in Deutschland, München 2001; Eurovisionen. Ansichten guter Europäer im 19. und 20. Jahrhundert, Frankfurt/M. 2003; (Hrsg.) Vertrauen. Historische Annäherungen, Göttingen 2003.


Worüber indes gestritten wird, verändert sich je nach den aktuellen Bedürfnissen und Standpunkten der Zeitgenossen. Abstrakt und hintergründig geht es dabei immer wieder um den Platz des "Dritten Reiches" in der nationalen Geschichtserzählung. Die Frage nach Kontinuität und Diskontinuität, nach Herkünften und Nachwirkungen ist, wie die Debatten der vergangenen zwei Jahrzehnte deutlich zeigen, eine eminent politische Frage, auf die es verschiedene Antworten gibt. Konkret und vordergründig tobt ein Kampf der Erinnerungen, in den die noch lebenden Zeitzeugen ebenso verwickelt sind wie ihre Kinder und Enkel. Hier geht es um die öffentliche Anerkennung eines Opferstatus, den fast alle für sich reklamieren, erlaubt er es doch, die politische Perhorreszierung des Nationalsozialismus mit einer persönlichen Erfahrung zu verbinden, die sich davon abspalten möchte, ohne den Grundkonsens zu missachten.

Dieser Grundkonsens hat sich in den historischen Debatten der vergangenen dreißig Jahre herausgebildet und umfasst alle politischen Lager - vom rechtsextremen Rand abgesehen. Er besagt, dass während des "Dritten Reiches" Verbrechen unerhörten Ausmaßes in staatlichem Auftrag und "im Namen des deutschen Volkes" begangen worden sind. Deshalb verbietet es sich gleichsam von selbst, sich dieser Epoche positiv zu erinnern. Wie weit und tief allerdings die negative Erinnerung reichen soll, was sie umfasst und was sie ausschließt, daran scheiden sich die Geister. Das private und das Familiengedächtnis verfahren dabei oft milder und großzügiger, in jedem Fall aber unkontrollierter als der öffentliche Umgang mit dem Nationalsozialismus.[2]

Letzterer steht dauerhaft auf dem Prüfstand von Kritik und Antikritik. Vor allem in den achtziger und neunziger Jahren, als in Bonn und Berlin liberal-konservative Regierungen eine normalisierende Geschichtspolitik betrieben, schlug der Dissens hohe Wellen. Das spiegelte sich in den Planungen für ein Deutsches Historisches Museum ebenso wider wie in der öffentlichen Erregung, die1985 der deutsch-amerikanische Staatsbesuch auf dem Bitburger Soldatenfriedhof provozierte. Besonderes Misstrauen riefen die Ereignisse nach der deutsch-deutschen "Wende" 1989 hervor. Dort, wo sich wie bei der Gestaltung der Berliner "Neuen Wache" unverhohlene Zeichen einer Schlussstrichmentalität zu erkennen gaben, wurden sie von heftigen Gegenreaktionen begleitet.[3] Dabei waren nicht nur regierungsferne Intellektuelle, Historiker, Schriftsteller und Publizisten am Werk. Wie der Nationalsozialismus erinnert werden sollte, bewegte ein sehr viel größeres und breiteres Publikum - im Westen wie im Osten.
Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Datenschutz | Kontakt | Home
10. Februar 2012
Druck-Version
Artikel versenden
PDF-Version
Inhalt
Bild vergrößern
Deutsche Geschichte
Editorial
Die schwierige deutsch-polnische Vergangenheitspolitik
Der jüngste Erinnerungsboom in der Kritik
Kollektive Erinnerung im Wandel
Keine gemeinsame Erinnerung
Die Massenmedialisierung des 17. Juni 1953
Jugendliche aus Einwandererfamilien und die Geschichte des Nationalsozialismus
Lexikonsuche
Suchwort:
Lexika:
Dossier
Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
Mit dem deutschen Überfall auf Polen begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Als er 1945 endete, lag Europa in Trümmern. Über 55 Millionen Menschen waren tot. Wie konnte es soweit kommen? Und wie sollte es weitergehen mit einem Land, das den größten Zivilisationsbruch der Geschichte begangen hatte?
Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg