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Maßnahmen

Ökologisches Bewusstsein und Handeln


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Oliver Stengel
Einführung
Die vor rund 250 Jahren einsetzende anthropogene Erderwärmung hat im Wesentlichen zwei Ursachen: Die übermäßige Verbrennung fossiler Energieträger (Holz, Kohle, Erdöl und -gas) für Produktion, Mobilität und Wohnen; ferner die Lebensmittelproduktion, insbesondere die zu große Produktion von Fleisch, Milchprodukten und der Reisanbau. Die Lösung des Klimaproblems liegt folglich in der drastischen Verringerung der freigesetzten Treibhausgase. Technische Entwicklungen werden diese Reduktion alleine nicht leisten können. Zwar sind sie notwendig, bedürfen aber der Unterstützung durch ressourcen- und energieschlanker Lebensstile – vor allem in den industrialisierten Ländern.

Radfahrer
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Mit dem Fahrrad zu fahren statt mit dem Auto fällt leichter, wenn Freunde es auch tun. Foto: AP
Dort ist der Pro-Kopf-Verbrauch an Ressourcen und Energie viel höher als bei Menschen, die in Entwicklungsländern leben. Letztere sind zwar zahlreicher, leben aber deutlich ressourcen- und energieschlanker. Darum haben die Menschen in den Industrienationen den größten Einfluss auf den Zustand der globalen Ökosysteme, auf den Klimawandel und damit auf die Lebensqualität gegenwärtiger und nachfolgender Generationen. Nicht zuletzt gilt die westliche Lebensweise in anderen Teilen der Erde oftmals als prestigeträchtig und wird mit einigen kulturellen Abweichungen übernommen oder erstrebt. Das macht einen Wandel des konsumorientierten, energie- und ressourcenintensiven westlichen Lebensstil umso mehr erforderlich.

Zur Person
Oliver Stengel
geb. 1974, Studium von Soziologie, Psychologie und Politik; Doktorand an der Universität Jena; Wissenschaftliche Hilfskraft in der Forschungsgruppe Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie; Forschungsschwerpunkte: Nachhaltiger Konsum und Bildung für Nachhaltigkeit.

Ökologisches Bewusstsein in Europa

Das Verbrauchsniveau der Menschen in den wohlhabenden Ländern ist zu hoch, obwohl eine Mehrzahl von ihnen um die daraus resultierenden Gefährdungen weiß und um diese sehr besorgt ist. Dies ist das Ergebnis einer von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebenen und 2008 veröffentlichten Studie ("Eurobarometer"). In dieser wurden rund 27.000 Menschen in den 27 EU-Staaten zu ihrem Umweltbewusstsein und ihrem Umwelthandeln befragt.

Demnach ist Umweltschutz für 96 Prozent der EU-Bürger wichtig und für zwei Drittel sogar sehr wichtig. Sorge bereiten ihnen vor allem die Folgen des Klimawandels (57 Prozent) sowie die Wasser- (42 Prozent) und Luftverschmutzung (40 Prozent). Zwar fühlt sich ein großer Anteil von ihnen nicht ausreichend gut über Umweltthemen informiert (42 Prozent), aber 55 Prozent geben an, gut oder sehr gut über diese Themen Bescheid zu wissen. Obendrein ist der überwiegende Teil der Befragten (86 Prozent) der Ansicht, dass ihr Verhalten eine Rolle beim Umweltschutz spielt.

Viele geben an ihren Müll zu trennen (59 Prozent) und Energie zu sparen (47 Prozent), geht es jedoch um Maßnahmen, die mit Änderungen ihres Lebensstils und ihrer Konsumgewohnheiten zusammenhängen (Kauf umweltfreundlicher Produkte, Verringerung des Verbrauchs von Wegwerfartikeln, Reduktion von Autofahrten, Veränderung der Ernährungsweise), bleiben 70 bis 80 Prozent passiv.

Einflüsse auf das Klima- und Umweltverhalten

Was bestimmt unser klima- und umweltwirksames Verhalten? Auf den ersten Blick scheint die in Studien wie dem Eurobarometer ermittelte Kluft zwischen Wissen und Handeln auf der einen und dem Umweltverhalten auf der anderen Seite irrational zu sein. Denn viele EU-BürgerInnen fördern mit ihrem Verhalten gerade die Entstehung jener Umweltbedingungen, vor denen sie sich sorgen. Obendrein widerlegt diese Kluft eine klassische Annahme der Umwelt-Psychologie und -Soziologie: Bis in die 1990er Jahre war die These forschungsleitend, ein hinreichendes Umweltbewusstsein führe zu einer umweltverantwortlichen Handlungsweise. "Umweltbewusstsein" wurde definiert als ein aus Wahrnehmung der Umweltproblematik (Umweltwissen), persönlicher Betroffenheit, Einstellung zur Natur und Werthaltung zusammengesetztes Ganzes. Diese These bestätigte sich nicht.

Aus Untersuchungen zum Umweltverhalten von Lebensstilgruppen (Kleinhückelkotten 2005) geht vielmehr hervor, dass der Ressourcenverbrauch bei den Gruppen am höchsten ist, wo das höchste Umweltbewusstsein und die beste Bildung vorhanden sind. Personen dieser Gruppen denken durchaus umweltverantwortlich, konsumieren aber nicht entsprechend. Sie können durchaus bei einzelnen Entscheidungen (wie Auto- oder Hauskauf) umweltbewusst handeln, da sie sich aber aufgrund ihres materiellen Status mehr Produkte und Dienstleistungen leisten können, ist ihr Lebensstil trotz hohen Umweltbewusstseins ressourcenintensiv.

Dagegen handeln oftmals ausgerechnet die an ökologischen Problemen Desinteressierten umweltverträglich. Tatsächlich sind diese Personen aber nicht bewusst umweltfreundlich, sondern gezwungenermaßen und das zumeist deshalb, weil sie über ein zu geringes Einkommen verfügen, um sich z.B. ein Auto, Haus oder eine Fernreise leisten zu können. Ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein ist also keine Vorbedingung für ihr umweltfreundliches Handeln.

Somit wurde eine andere These zum Umweltverhalten bestätigt: Demnach nimmt der Einfluss des Umweltbewusstseins auf das Umweltverhalten um so mehr ab, je größer die subjektiv empfundenen Verhaltenskosten werden. Solche Kosten entstehen durch den Verlust von Zeit, Komfort, Geld, lieb gewordener Verhaltensgewohnheiten, von (Erlebnis-)Optionen, die sich durch Verhaltensänderungen einstellen können. Sie entstehen davon unabhängig auch durch Handlungen, die gesellschaftlichen Konventionen oder Gruppenerwartungen etc. zuwiderlaufen.


02. März 2009

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