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Kompakter Überblick: Die Linke | Parteien in Deutschland | bpb.de

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Kompakter Überblick: Die Linke

Frank Decker

/ 5 Minuten zu lesen

Die Partei Die Linke entstand aus der PDS und der WASG. Nach einem stetigen Niedergang seit Mitte der 2010er Jahre feierte sie bei der Bundestagswahl 2025 ein Comeback.

Das Logo der Partei Die Linke während des Bundesparteitags. (© picture-alliance, Chris Emil Janßen | Chris Emil Janssen)

Geschichte

Die Partei Die Linke ist aus der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) und der Partei Arbeit & soziale Gerechtigkeit - Die Wahlalternative (WASG) hervorgegangen. Erstere hatte sich nach dem Systemumbruch 1989/90 als Nachfolgerin der SED in der früheren DDR gebildet. Da ihr durch die Konkurrenz der nach Ostdeutschland ausgedehnten SPD die Option einer Entwicklung hin zu einer sozialdemokratischen Partei versperrt blieb, konnte die PDS in den neuen Ländern als quasi-kommunistische Partei weiter bestehen und auf der Bundesebene die Rolle einer systemoppositionellen (kapitalismuskritischen) Alternative zu den vorhandenen Parteien einnehmen.

Bis zur Entstehung der gesamtdeutschen Linken war die PDS eine ostdeutsche Regionalpartei, deren Erfolg vor allem aus der wachsenden Unzufriedenheit der neuen Bundesbürger mit der Systemtransformation gespeist wurde. Die PDS entwickelte sich dadurch im Osten zu einer Interner Link: Volkspartei, die bei der Regierungsbildung nicht mehr ohne weiteres umgangen werden konnte. Nachdem sich Gewerkschafts- und SPD-Mitglieder in den alten Ländern 2005 aus Protest gegen dieInterner Link: Politik der rot-grünen Regierung zur Gründung der Partei Arbeit & soziale Gerechtigkeit - Die Wahlalternative entschlossen hatten, entstand ein Gelegenheitsfenster für die Westausdehnung der PDS, die in die 2007 förmlich besiegelte Neugründung einer gesamtdeutschen Linkspartei (unter dem Namen DIE LINKE, seit 2024: Die Linke) mündete. Unter der Regie ihres Ko-Vorsitzenden Oskar Lafontaine gelang es der Linken, ihren Stimmenanteil im Westen bis auf 8,3 Prozent (bei der Interner Link: Bundestagswahl 2009) zu erhöhen und in mehrere westdeutsche Landesparlamente einzuziehen.

Waren die Wahlergebnisse der Linken im Westen schon ab Beginn der 2010er-Jahre gesunken, gingen sie unter dem Druck der 2013 entstandenen AfD ab der Mitte des Jahrzehnts auch im Osten zurück. Einen Ausreißer bildete Thüringen, wo sie mit Bodo Ramelow als stärkste Partei zehn Jahre den Ministerpräsidenten stellte. 2021 gelang der Linke der Einzug in den Bundestag nur über den Umweg der Interner Link: Grundmandatsklausel. Ab dieser Zeit verschärften sich die Konflikte mit dem von Sahra Wagenknecht angeführten rechten Parteiflügel massiv, der sich vor allem an den als zu liberal empfundenen Positionen in der Migrationspolitik störte.

2023 gelang es Wagenknecht, ihre Unterstützer vom Projekt einer neuen Partei zu überzeugen. Unter dem Namen „Bündnis Sahra Wagenknecht“ (BSW) Anfang 2024 gegründet, erreichte diese im Osten auf Anhieb zweistellige Wahlergebnisse, die vor allem der Linken schadeten. Umso überraschender war das Comeback, das der Partei Interner Link: Anfang 2025 bei der vorgezogenen Bundestagswahl gelang. Vom lähmenden Richtungsstreit befreit, fand sie jetzt zu neuer Geschlossenheit zurück und konnte vor allem junge Wähler mobilisieren. Zum Erfolg trugen dabei nicht nur die Social Media-Kampagne der populären Spitzenkandidatin Heidi Reichinnek bei, sondern auch der Zustrom neuer Mitglieder, deren Gesamtzahl sich bis Ende 2025 gegenüber dem Vorjahr auf über 120.000 mehr als verdoppelte.

Interner Link: Hier finden Sie einen ausführlichen Text zu den Etappen der Geschichte der Partei Die Linke

Wahlergebnisse und Wählerschaft

Waren Gutverdiener und Träger höherer Bildungsabschlüsse in der Wählerschaft der Linken bis 1994 deutlich überrepräsentiert, so trat mit dem Zusammenschluss zur gesamtdeutschen Linken eine Verschiebung in Richtung der Arbeiter und der schwächer Gestellten ein. Nach Geschlecht und Alter war die Wählerschaft bis Ende der 2010er-Jahre relativ ausgeglichen, allerdings auch hier mit Akzentunterschieden zwischen West und Ost: In den alten Ländern gab es einen stärkeren Überhang männlicher, in den neuen einen Überhang älterer Wähler.

Bei den 18- bis 24-Jährigen erzielte Die Linke bei der Bundestagswahl 2025 mit 27,3 Prozent ihr mit Abstand bestes Ergebnis. In dieser Altersgruppe schnitt sie mehr als dreimal so stark ab wie im Gesamtergebnis. In der nächstälteren Gruppe der 25- bis 34-Jährigen war die Linke immerhin noch doppelt so stark vertreten wie im Gesamtergebnis, während sie bei den mittleren und höheren älteren Altersgruppen (ab 44 Jahre) deutlich unter dem Mittel blieb. In der jüngsten Wählergruppe lag sie dabei mit Abstand vor allen anderen Parteien. Auffällig ist der gestiegene Frauenanteil unter den Linken-Wählern. 10,2 Prozent der Wählerinnen (gegenüber 7,3 Prozent bei den Männern) gaben ihr die Stimme. In der Gruppe der 18- bis 34-Jährigen lag der Wert sogar bei 37,1 Prozent (Männer: 17,6 Prozent; Zahlen der repräsentativen Wahlstatistik).

Bei der Bundestagswahl 2025 lag der Anteil der Überzeugungswähler mit knapp 70 Prozent (gegenüber 27 Prozent, bei denen die Wahlentscheidung nach eigenen Angaben aus Enttäuschung erfolgte) höher als in der AfD- und BSW-Wählerschaft. Die größte Kompetenz wird der Partei im Bereich der sozialen Gerechtigkeit zugeschrieben, die von den meisten ihrer Wähler zugleich als das für ihre Wahlentscheidung wichtigste Thema genannt wird (Zahlen von Infratest dimap).

Interner Link: Hier finden Sie einen ausführlichen Text zu den Wahlergebnissen und der Wählerschaft der Partei Die Linke.

Aktuelle Wahlergebnisse der Die Linke

Wahlergebnisse bei den letzten Wahlen zu Landesparlamenten, dem Bundestag und dem Europäischen Parlament

WahlDatumProzentualer AnteilStimmenanzahl
AnteilGewinn
Verlust
StimmenGewinn
Verlust
Sachsen-Anhalt06.06.202111,0%-5,3%116.927-66.363
Mecklenburg-Vorpommern26.09.20219,9%-3,2%90.881-15.375
Saarland27.03.20222,6%-10,3%11.689-56.877
Schleswig-Holstein08.05.20221,7%-2,1%23.054-32.964
Nordrhein-Westfalen15.05.20222,1%-2,8%146.634-269.302
Niedersachsen09.10.20222,7%-1,9%98.586-78.532
Berlin27.02.202312,2%-3,4%185.119-70.621
Bremen114.05.202310,9%-0,4%137.676-28.702
Bayern208.10.20231,5%-1,8%200.878-237.010
Hessen08.10.20233,1%-3,2%86.842-94.490
Europäisches Parlament09.06.20242,7%-2,8%1.091.586-964.463
Sachsen01.09.20244,5%-5,9%104.891-119.463
Thüringen01.09.202413,1%-18,0%157.689-186.091
Brandenburg22.09.20243,0%-7,7%44.706-90.852
Bundestag23.02.20258,8%3,9%4.356.5322.100.668
Hamburg302.03.202511,2%2,1%488.463119.780
Baden-Württemberg08.03.20264,4%0,8%236.97563.658
Rheinland-Pfalz22.03.20264,4%1,9%88.98340.777
Tabellenbeschreibung

Die Tabelle zeigt die Wahlergebnisse der Partei Die Linke zwischen dem 06.06.2021 und dem 22.03.2026. Bei 14 von 18 Wahlantritten der Partei in diesem Zeitraum reduzierte sich der prozentuale Anteil der Partei an den gültigen Stimmen im Vergleich zur vorherigen Wahl. Das höchste Ergebnis erzielte die Partei mit 13,1% bei der Wahl in Thüringen 2024, das niedrigste mit 1,5% bei der Wahl in Bayern 2023.

Fußnote: 1 Bremen: Personen- und Listenstimmen (bis zu fünf Stimmen je Wähler)

Fußnote: 2 Bayern: Gesamtstimmen (bis zu zwei Stimmen je Wähler)

Fußnote: 3 Hamburg: Landesstimmen (bis zu fünf Stimmen je Wähler)

Quelle: Die Bundeswahlleiterin und Landeswahlleitungen.

Programm

In der Partei konkurrieren verschiedene ideologische Strömungen miteinander. Die gemäßigten Kräfte beziehen ihre Kritik nicht auf das kapitalistische System generell, sondern wollen nur dessen „neoliberale“ Auswüchse beseitigen. Dies sei im Rahmen der vorhandenen demokratischen Institutionen möglich. Radikale Strömungen sehen dagegen als Ziel die sozialrevolutionäre Überwindung der politischen und wirtschaftlichen Ordnung im Sinne einer umfassenden gesellschaftlichen Demokratisierung.

Das aktuelle Grundsatzprogramm von 2011 prangert die kapitalistische Ordnung als „Ausbeutungssystem“ an und vertritt die Auffassung, wirkliche Demokratie sei nur unter sozialistischen Vorzeichen möglich. Voraussetzung dafür sei die Überwindung der bestehenden Eigentumsverhältnisse und staatliche Steuerung der Wirtschaft. Daseinsvorsorge, gesellschaftliche Infrastruktur, Finanzinstitutionen und Energiewirtschaft gehörten in öffentliche Hand und müssten demokratisch kontrolliert werden.

Mit der Verschiebung der innerparteilichen Kräfteverhältnisse in Richtung der westlichen Landesverbände nahmen die Auseinandersetzungen in der Partei zu. Inhaltlich entzündeten sie sich unter anderem an der Frage, wieweit der Kapitalismus als „System„ überwunden werden muss und kann, an der Haltung zur SED-Vergangenheit und an den friedenspolitischen Positionen der Partei, die mit außen- und europapolitischen Verpflichtungen der Bundesrepublik kollidieren. Auch die Russlandpolitik und das Verhältnis zu Israel blieben notorische Streitpunkte. Überwölbt wurden die Konflikte durch das strategische Für und Wider einer möglichen Regierungsbeteiligung auf Bundesebene und die Entwicklung des Verhältnisses zur SPD und den Grünen.

Interner Link: Hier finden Sie einen ausführlichen Text zur Programmatik der Partei Die Linke.

Organisation

Die Organisation der Partei Die Linke ist durch ein Nebeneinander von formellen und informellen Strukturen geprägt. Eine Besonderheit ist die Bedeutung der verschiedenen ideologischen Strömungen in der Partei. Die Linke gewinnt dadurch den Charakter einer sozialistischen Sammlungspartei. Das zeigt sich organisatorisch in einer großen Zahl formeller und informeller Zusammenschlüsse.

Die Vielfalt der ideologischen Strömungen bildet sich in der Führungsstruktur ab. Seit der Fusion mit der WASG wird die Linke von einer Doppelspitze angeführt. Die größer gewordene Bundestagsfraktion gewann als zweites Machtzentrum der Partei an Gewicht. Um eine bessere Abstimmung zwischen Partei und Fraktion zu gewährleisten, verfügen die Parteivorsitzenden seit der Neukonstituierung der Fraktion nach der Bundestagswahl 2025 im Fraktionsvorstand über ein Stimmrecht.

Hatte die PDS 1990 170.000 Mitglieder von der SED geerbt, so sank deren Zahl auch ach dem Zusammengehen mit der WASG bis 2023 auf 50.000. 2024 setzte dann ein deutlicher Mitgliederzuwachs ein, der die Zahl im Zuge des Bundestagswahlkampfes auf 123.000 mehr als verdoppelte. Der Zustrom wurde vor allem von jüngeren Menschen und von Frauen gespeist, wodurch die Partei ihren Überalterungsprozess nicht nur stoppen, sondern in das Gegenteil verkehren konnte.

Interner Link: Hier finden Sie einen ausführlichen Text zur Organisation der Partei Die Linke.

Quellen / Literatur

  • Decker, Frank (2013), Das Verhältnis der SPD gegenüber der LINKEN – Die offene Zukunft, in: Gerhard Hirscher / Eckhard Jesse (Hg.), Extremismus in Deutschland, Baden-Baden, S. 549-563.

  • Heinze, Anna-Sophie (2023), Die Linke im Wahljahr 2021: Vom Sinkflug in die Bedeutungslosigkeit?, in: Uwe Jun / Oskar Niedermayer (Hg.), Die Parteien nach der Bundestagswahl 2021, Wiesbaden, S. 221-241.

  • Holzhauser, Thorsten (2019), Die „Nachfolgepartei“. Die Integration der PDS in das politische System der Bundesrepublik Deutschland 1990 – 2005, Berlin / Boston.

  • Jesse, Eckhard (2015), Auf dem Weg ins Establishment? Das Abschneiden der PDS/Die Linke bei den Wahlen seit 1990, in: Recht und Politik 50 (2), S. 98-106.

  • Jesse, Eckhard / Jürgen P. Lang (2012), DIE LINKE – eine gescheiterte Partei?, München.

  • Meuche-Mäker, Meinhard (2005), Die PDS im Westen 1990-2005. Schlussfolgerungen für eine neue Linke, Berlin.

  • Neu, Viola (2025), Die Linke, in: Frank Decker / dies. (Hg.), Handbuch der deutschen Parteien, 5. Aufl., Wiesbaden, S. 341-356.

  • Olsen, Jonathan / Nichael A. Hansen (2022), The Party without Qualities? Explaining the Left Party’s Electoral Disaster in the 2021 German Federal Election. In: German Politics and Society 40 (2), S. 1-22.

  • Oppelland, Torsten / Hendrik Träger (2014), Die Linke. Willensbildung in einer ideologisch zerstrittenen Partei, Baden-Baden.

  • Pfahl-Traughber, Armin (2013), Die Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS)/DIE LINKE, in: Oskar Niedermayer (Hg), Handbuch Parteienforschung, Wiesbaden, S. 541-562.

  • Spier, Tim u.a., Hg. (2007), Die Linkspartei. Zeitgemäße Idee oder Bündnis ohne Zukunft?, Wiesbaden.

  • Träger, Hendrik (2020), Die Linke zwischen internen Konflikten, der ersten Koalition im Westen, Niederlagen im Osten und dem Ramelow-Effekt, in: Uwe Jun / Oskar Niedermayer (Hg.), Die Parteien nach der Bundestagswahl 2017, Wiesbaden, S. 159-186.

  • Vollmer, Andreas M. (2013), Arbeit & soziale Gerechtigkeit – die Wahlalternative (WASG). Entstehung, Geschichte und Bilanz, Baden-Baden.

  • Wolf, Harald (2025), Auf Triggerpunkten tanzen. Wie die Linkspartei ihren Erfolg verstetigen kann, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 70 (7), S. 117-123.

  • Zettl, Christian (2014), Die Wähler der Linkspartei.PDS von 1994 bis 2009, Wiesbaden.

Fussnoten

Lizenz

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 4.0 - Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International" veröffentlicht. Autor/-in: Frank Decker für bpb.de

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Prof. Dr. Frank Decker lehrt und forscht am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Seine Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Parteien, westliche Regierungssysteme und Rechtspopulismus im internationalen Vergleich.

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