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Ursachen und Folgen

Der Realität ins Auge sehen


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Anpassung an den Klimawandel
Urda Eichhorst
Einführung
Suedafrika
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Viele Entwicklungs- und Schwellenländer sind die Leidtragenden des Klimawandels. Wer sorgt für einen gerechten Ausgleich? Foto: AP
Seit jeher hat sich die Menschheit sowie die Tier- und Pflanzenwelt an wandelnde Klimaverhältnisse anpassen müssen, noch nie jedoch hat sich das Klima so schnell verändert wie unter dem vom Menschen gemachten Klimawandel. Gegenüber dem 19. Jahrhundert hat sich die globale Durchschnittstemperatur an der Erdoberfläche um 0,76 Grad Celsius erhöht. Darüber hinaus ist allein aufgrund heutiger Emissionen eine weitere Erwärmung von 2,1 Grad Celsius unausweichlich [1], die sich aufgrund der Trägheit des Klimasystems erst im Laufe des 21. Jahrhunderts niederschlagen wird. Je nach Emissionsszenario erreichen die Schätzungen der durchschnittlichen Erwärmung bis zum Ende des 21. Jahrhunderts jedoch bis zu 6,4 Grad Celsius (www.ipcc.ch). Im Vergleich dazu betrug die Erwärmung nach Ende der letzten Eiszeit vor ca. 10.000 Jahren nur 0,1 Grad Celsius pro Jahrhundert, insgesamt etwa 5 Grad Celsius über einen Zeitraum von 5.000 Jahren. Der menschengemachte Klimawandel ist somit sieben bis 37 Mal schneller!

Zur Person
Urda Eichhorst
geb. 1982; Studium der Sinologie (BA) und Environmental Change & Management (MSc); derzeit Wissenschaftliche Assistenzkraft für internationale Projekte in der Forschungsgruppe "Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik" am Wuppertal Institut. Ihre Schwerpunkte der Arbeit sind: Energieeffizienz- und Klimapolitik.

Auf regionaler Ebene schlagen sich die Klimaänderungen schon heute, bei knapp einem Grad globaler Erwärmung, spürbar in Klimafolgen nieder. Daher ist neben den Anstrengungen zur Vermeidung eine Anpassung an den Klimawandel wichtig und für viele Regionen bereits notwendig.

Anpassung hat das Ziel, sich mit bereits erfolgten Klimaänderungen zu arrangieren und auf zu erwartende Änderungen so einzustellen, dass Klimaschäden vermieden werden können. Anpassung kann also entweder reaktiv oder proaktiv (vorsorgend) erfolgen und betrifft sowohl natürliche als auch soziale Systeme. Einige der wichtigsten Handlungsfelder sind Gesundheit, Land-, Forst- und Wasserwirtschaft, Natur- und Artenschutz, Hochwasser- und Küstenschutz, Tourismus, Infrastrukturen und Verkehr sowie Raum- und Siedlungsentwicklung. Dabei sind Anpassungsmaßnahmen oftmals kaum von Maßnahmen zur Entwicklung eines Landes zu trennen. So verringert die ökonomische Diversifizierung der Einkommensgrundlage von landwirtschaftlich geprägten Haushalten nicht nur die Verwundbarkeit durch klimabedingte Ernteausfälle, sondern kann gleichzeitig zur Armutsminderung beitragen.

Herausforderungen

Die Anpassung an den Klimawandel stellt somit sowohl Entwicklungs- als auch Industrieländer vor große gesellschaftliche, institutionelle, finanzielle und technologische Herausforderungen.

Ungleiche Verteilung der Anpassungslasten und -fähigkeiten

Während der anthropogene Klimawandel maßgeblich auf die Emissionen von entwickelten Industrienationen zurückgeht, sind viele Entwicklungs- und Schwellenländer überproportional stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. Darunter befinden sich etwa niedrig liegende Küstengebiete und Inseln wie Bangladesh und die Malediven, aber auch Länder, deren Trinkwasserversorgung maßgeblich von bereits schmelzenden Gletschern wie im östlichen Himalaja oder den Anden gespeist wird.

Gleichzeitig sind Entwicklungsländer durch die Folgen des Klimawandels besonders gefährdet. Hierbei ergibt sich die Vulnerabilität, also die Verletzbarkeit von Entwicklungsländern aus einer Mischung von Klimafolgen und der (mangelnden) Fähigkeit sowie geringeren Ressourcen sich an diese anzupassen. So sind viele Entwicklungsländer z.B. sehr viel stärker auf landwirtschaftliche Produktion angewiesen und damit abhängiger von sich ändernden Klimaverhältnissen als die meisten Industrienationen. Armut, Krankheiten und Kriege sind weitere Faktoren, die die Anpassungsfähigkeit von weniger entwickelten Ländern oft beeinträchtigen.

Die Fähigkeit sich an den Klimawandel anzupassen, ist zudem in verschiedenen Bevölkerungsschichten innerhalb eines Landes sehr unterschiedlich. Außerdem werden verschiedene Bereiche je nach Region unterschiedlich stark von Klimafolgen betroffen sein oder auch profitieren. Bestehende Genderproblematiken können durch Klimafolgen zusätzlich verschärft werden. Dies gilt für Entwicklungs- und Industrieländer gleichermaßen. Auch in Industrienationen ist Anpassung an den Klimawandel in vielen Bereichen erforderlich, allerdings sind hier die zur Verfügung stehenden Ressourcen meist größer einzuschätzen.

Entscheidungsfindung im Kontext von Unsicherheit

Eines der Hauptprobleme der Anpassung an den Klimawandel stellen die einführend erwähnten Unsicherheiten bezüglich des Ausmaßes der zu erwartenden Klimaänderungen dar. Zwar hat es große Fortschritte in der Entwicklung von Klimamodellen und -szenarien gegeben, doch dürfen mögliche Klimaszenarien nicht mit Vorhersagen verwechselt werden. Aufgrund relativ grober räumlicher Auflösungen von Klimamodellen sind Aussagen über mögliche regionale oder gar lokale Klimaänderungen besonders unsicher. Hinzu kommen Unklarheiten über sozioökonomische Entwicklungen in der Zukunft, die in Form von Annahmen die Ergebnisse von Klimaszenarien, aber auch das Ausmaß der Klimafolgen und somit die Notwendigkeit und Gestalt von Anpassungsmaßnahmen beeinflussen.

Dennoch kann Unsicherheit über das Ausmaß nicht als Vorwand gelten, sich nicht auf Klimaänderungen vorzubereiten. Vielmehr müssen die Unsicherheiten als einzuplanendes Risiko verstanden werden und eine so genannte robuste Entscheidung erfolgen. Dabei ist eine Entscheidung dann robust, wenn sie unter möglichst vielen verschiedenen Klimaszenarien die erwünschten Ergebnisse liefert (Lempert und Schlesinger, 2000). Z.B. wurden in England verschiedene ingenieurstechnische Lösungen für den Themse-Hochwasserschutz der nächsten 100 Jahre auf ihre Sicherheit unter verschiedenen Szenarien für den Meeresspiegelanstieg geprüft. Ein solcher Test macht es auch möglich, die größten Schwachstellen einer bestimmten Anpassungsstrategie zu identifizieren. Allerdings wird es häufig einen Kompromiss zwischen robuster und optimaler Anpassung geben.

Kosten und Finanzierung

Die Kostenschätzungen für Anpassungsmaßnahmen hängen sehr stark von den gemachten Annahmen zu Klimaänderungen, Bevölkerungswachstum und anderen sozioökonomischen Aspekten ab. So schätzt das Klimasekretariat der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) die zusätzlich nötigen Investitionen in Entwicklungsländern im Jahr 2030 auf 28 bis 67 Mrd. US-Dollar. Die britische Nichtregierungsorganisation Christian Aid geht dagegen von einem jährlichen Investitionsbedarf von 100 Mrd. US-Dollar aus. Dem stehen weitaus geringere Summen an Anpassungsgeldern gegenüber. Laut UNFCCC sind entwickelte Vertragspartner zwar dazu verpflichtet, Entwicklungsländer bei den Kosten der Klimafolgen zu unterstützten, dies geschieht jedoch nur in ungenügendem Maße. Im Rahmen der UNFCCC wurden drei Fonds eingerichtet, durch die entwickelte Länder Entwicklungsländern u.a. Gelder für Anpassungsmaßnahmen zur Verfügung stellen. Der Special Climate Change Fund, der Least Developed Countries Fund und der Adaptation Fund verfügen derzeit jedoch nur über ein ungefähres Gesamtvolumen von 470 bis 790 Millionen US-Dollar für den Zeitraum 2008 bis 2012. Hinzu kommen weitere Gelder aus dem Trust Fund, der Global Environment Facility in Höhe von ca. 50 Millionen US-Dollar.

Die zu erwartenden Kosten für Anpassung verteilen sich auf unterschiedliche Sektoren. Für die OECD-Länder werden in der Stern-Review die jährlichen Kosten allein im Bereich Infrastruktur und Gebäude auf mögliche 15 bis 150 Mrd. US-Dollar geschätzt. Obgleich Investitionen in einigen Bereichen wie der Land- und Forstwirtschaft und dem Gebäudebereich eher den Privatsektor bzw. Privathaushalt betreffen werden, wird der Großteil der Kosten von der öffentlichen Hand zu tragen sein. Auf Entwicklungsländer mit schwächeren Volkswirtschaften trifft dies in besonderem Maße zu.


10. Juli 2008

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