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Bilder in Geschichte und Politik
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Historische Plakate |
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| Michael Sauer |
Stilrichtungen politischer Plakate
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El Lissitzky Plakat von 1919: "Schlagt die Weißen mit dem roten Keil"
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Will man untersuchen, wie sich verschiedene künstlerische Stilrichtungen auf die Gestaltung politischer Plakate ausgewirkt haben, so ist die Geschichte der Sowjetunion besonders interessant. Geradezu legendär geworden ist El Lissitzkys Plakat aus dem Bürgerkrieg: "Schlagt die Weißen mit dem roten Keil" (1919). Der politische Konflikt zwischen Roten und Weißen wird auf eine außerordentlich eingängige konstruktivistische Bildformel gebracht. Zum Farbgegensatz – in den politischen Begriffen schon gegebenen – kommt der Kontrast der Formen: Der dynamische rote Keil zerstört die "weiche", geschlossene Form des weißen Kreises.
Nach der siegreichen Beendigung des Bürgerkrieges wurde die Kunst in den Dienst des "sozialistischen Aufbaus" gestellt. Als Beispiel dafür ein Plakat von Nikolaj Dolgorukov aus dem Jahre 1931: "Schaffen wir eine mächtige Basis der Industrialisierung im Osten!" (Abb. 12) Der Gesamteindruck ist durch das grafische Zusammenwirken verschiedener Elemente bestimmt: Fotos in Schwarz-Weiß und Farbe, teilweise freigestellt, schwarze und rote Zeichnungen, die Luftskizze eines Industriekomplexes, eine Landkarte. Die Motive Hochöfen, Schornsteine und Kräne werden variiert. Es gibt zwei Standrichtungen, die eine senkrecht, die andere um etwa 45 Grad nach links gekippt. Das Plakat zeigt Aspekte und Assoziationen zum Thema "industrieller Aufbau", und in der Form der Montage ist dies adäquat umgesetzt.
Schon in den Zwanzigerjahren entstand der neue Stil des sozialistischen Realismus. Er sollte das Heroische und Vorbildhafte des "sozialistischen Aufbaus" zeigen. Positive Helden, Parteilichkeit, Volkstümlichkeit und Massenverbundenheit lauteten seine Schlagworte. 1934 wurde er zur verbindlichen Doktrin für Kunst und Literatur und blieb es bis zum Tode Stalins. Das bedeutete die Abkehr von den nun als formalistisch kritisierten innovativen Darstellungsformen. Diese Entwicklung demonstriert, wie sich in einem zentralistischen Regime nicht nur die Inhalte der Plakatwerbung, sondern auch die gestalterischen Mittel im Wandel offizieller Kunstanschauungen verändern.
Kommerzielle Plakate
Plakate aus dem Bereich der kommerziellen Werbung und der Kultur und Unterhaltung können, wie schon gesagt, Aufschlüsse zur Alltags- und Mentalitätsgeschichte geben. Als Beispiel dafür zwei Werbeplakate aus dem Kaiserreich. Beide werben für Fahrräder der Firma Opel, und beide tun das mit der Darstellung junger Damen. Auf dem Plakat von 1891 (Abb. 14) trägt die junge Frau ein langes Kleid, eine geschnürte Taille, Handschuhe und einen Hut. Sie ist also genau so gekleidet wie als Spaziergängerin; obgleich es sich mit dem langen Kleid gewiss nicht gut radeln lässt, entspricht sie den herkömmlichen Anstandsregeln.
Anders das zweite Plakat aus dem Jahre 1898 (Abb. 15). Die Fahrerin steht selbstbewusst vor ihrem Rad. Mit ihrer Mütze winkt sie dem Betrachter zu. Sie trägt ein sportliches Kostüm, das die Unterschenkel frei lässt. Die Kleidung ist dem Radmodell angemessen: Es handelt sich um ein Sportfahrrad mit Herrenstange, ohne Schutzbleche und Kettenkasten. Der sportliche Aspekt wird durch den Schriftzug "Die Siegerin" und den Lorbeerkranz unterstrichen. Gestalterisch korrespondieren die Kreise der beiden in Seitenansicht gezeigten Räder, der Kranz und das Opel-O miteinander. Hier glauben die Werber nicht mehr ängstlich auf die bürgerlichen Konventionen Rücksicht nehmen zu müssen; sie sind offenbar sogar der Meinung, mit einem emanzipatorischen Frauenbild Käufer für ihr Produkt gewinnen zu können – eine kleine mentalitätsgeschichtliche Facette im langwierigen Prozess der weiblichen Emanzipation, die sich am Plakat als historischer Quelle eingängig nachvollziehen lässt.
06. Februar 2007 |
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