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Kontraste - Auf den Spuren einer Diktatur
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Glossar |
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Glossar C - F
Café Einstein
Das Café Einstein in Berlin-Tiergarten (West) diente dem ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Roland Jahn als Treffpunkt mit in der DDR akkreditierten Journalisten von westlichen Medien. Im "Einstein" traf sich Jahn auch mit Diplomaten, die unkontrolliert in die DDR einreisen konnten. Hier wurde des öfteren Material für die DDR-Opposition übergeben. Das MfS versuchte, das Café Einstein zu observieren. In den MfS-Akten findet sich der Plan, Abhöranlagen zu installieren.
Christlich Demokratische Union der DDR (CDU)
Nach Kriegsende geriet die CDU in der Sowjetischen Besatzungszone rasch in die Zwänge ideologischer Gleichschaltungspolitik und wurde Teil des "Demokratischen Blocks". Sie ordnete sich der SED unter und war auf den sozialistischen Kurs ausgerichtet. Nach der Wende nahm die CDU-Ost Kontakte zur CDU der Bundesrepublik auf und schloss mit der Deutschen Sozialen Union (DSU) und dem Demokratischen Aufbruch (DA) das Wahlbündnis "Allianz für Deutschland". Bei der Volkskammerwahl 1990 gewann die CDU-Ost mit ihrem Vorsitzenden Lothar de Maizière 48 Prozent. Nach der Widervereinigung schloss sich die CDU-Ost mit der CDU-West zu einer Partei zusammen.
Charta 77
Die "Charta 77" war zunächst eine Petition von tschechoslowakischen Intellektuellen und Künstlern, die auf Menschenrechtsverletzungen in der CSSR aufmerksam machte. Sie wurde Anfang Januar 1977 veröffentlicht und trug zunächst 242 Unterschriften. Daraus entwickelte sich eine der wichtigsten und größten Oppositionsbewegungen, die bis 1989 fast 600 Dokumente zu Menschenrechtsverletzungen in der CSSR publizierte. Aus ihr gingen einige der politischen Persönlichkeiten hervor, die 1989 in der CSSR die Revolution friedlich und erfolgreich werden ließen. Einer der langjährigen Sprecher, der weltberühmte Dramatiker und Essayist Vaclav Havel, wurde der erste demokratisch gewählte Präsident Tschechiens.
Checkpoint Charlie
Von 1961 bis 1990 war der Checkpoint Charlie die Übergangsstelle für Alliierte, ausländische Touristen, DDR-Funktionäre und Mitarbeiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in Berlin. Der Checkpoint Charlie lag am Südende der Friedrichstraße – an der Bezirksgrenze zwischen Mitte und Kreuzberg – und war der dritte innerdeutsche Kontrollpunkt neben Helmstedt und Dreilinden. Hauptaufgabe des Checkpoint Charlies war es, Alliierte vor dem Betreten Ostberlins zu registrieren und über den Aufenthalt in der DDR zu informieren. Am 22. Juni 1990 wurde der Checkpoint Charlie abgerissen. Das ehemalige Wachhaus der westlichen Alliierten befindet sich seither im Alliiertenmuseum.
Central Intelligence Agency (CIA)
US-amerikanischer Nachrichtendienst, der 1947 aus Vorgängerinstitutionen gebildet wurde. Die CIA ist einer der wichtigsten und einflussreichsten US-Geheimdienste, untersteht direkt dem Präsidenten und ist von ihrem Wesen her ein Auslandsnachrichtendienst.
CSSR
Seit 1960 die offizielle Abkürzung für die Tschechoslowakische Sozialistische Republik. Seit 1948 war die Tschechoslowakische Republik eine kommunistische Diktatur, nach 1990 kam es zunächst zu einer Umbenennung, ehe dann zum 1. Januar 1993 die voneinander unabhängigen Staaten Tschechien und Slowakei entstanden.
Demokratische Bauernpartei Deutschlands der DDR (DBD)
Eine der Blockparteien in der DDR. 1948 gegründet, stand sie stets unter der Vormundschaft der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Sie verfolgte den Zweck, die SED-Politik auf dem Lande durchzusetzen. 1990 schloss sich die DBD der Christlich-Demokratischen Union (CDU) an.
DE
Abkürzung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) für "Diensteinheit".
Deutsche Frage
Die sogenannte "deutsche Frage" bezeichnete das Problem, wie mit der deutschen Teilung infolge des Zweiten Weltkrieges umgegangen werden sollte. Während in der Bundesrepublik die deutsche Frage als offen galt, d.h. eine Wiedervereinigungsgebot durch das Grundgesetz bestand, galt in der DDR die deutsche Frage durch die Existenz der beiden deutschen Staaten als gelöst.
Dissidenten
Bezeichnung für Oppositionelle und Bürgerrechtler in den 1970er und 80er Jahren (ursprünglich von lat. dissidire = nicht übereinstimmen, getrennt sein).
Drei-Stufen-Plan
Der Begriff "Drei-Stufen-Plan" steht für eine geplante Vernichtung von Dokumenten des Ministeriums für Staatsicherheit in drei Stufen:
1. Vernichtung elektronischer Datenträger
2. Vernichtung der Personenfindungskarteien
3. Vernichtung personenbezogener Akten.
Der Plan wurde von der Regierung Modrow betrieben, die bei den Bürgerkomitees um Zustimmung dafür warb. Die Bürgerkomitees hatten dazu unterschiedliche Positionen.
Einheitsliste
Bei den Wahlen in der DDR konnten nur Kandidaten und Kandidatinnen über die "Nationale Front", in der alle Blockparteien und Massenorganisationen vereinigt waren, nominiert und in einer Liste aufgestellt werden. Die Wähler und Wählerinnen konnten wiederum nicht zwischen verschiedenen Parteien und Personen entscheiden, sondern sollten lediglich ihre Stimme der gesamten "Einheitsliste" geben. Offiziell war eine Gegenstimme nur dann eine solche, wenn alle Personen der Liste einzeln durchgestrichen wurden.
Einigungsvertrag (EinigungsV)
Der Einigungsvertrag ist ein Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik über die Herstellung der Einheit Deutschlands. Er wurde am 31. August 1990 von den Verhandlungsführern Wolfgang Schäuble und Günther Krause unterzeichnet. Am 20. September 1990 stimmten Bundestag und Volkskammer dem Einigungsvertrag mit großer Mehrheit zu; der Bundesrat verabschiedet das Vertragswerk einstimmig. Am 3. Oktober trat er in Kraft. Der Einigungsvertrag regelt in Artikel 1 die Aufnahme von Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in die Bundesrepublik Deutschland. Artikel 2 setzt Berlin als Hauptstadt des vereinten Deutschlands fest und weist den 3. Oktober, den Tag der deutschen Einheit, als gesetzlichen Feiertag aus. Mit Artikel 3 tritt das Grundgesetz in den neuen Bundesländern und in Ost-Berlin in Kraft. Die Artikel 4 bis 7 behandeln beitrittsbedingte Änderungen des Grundgesetzes und der Verfassung. Die Angleichung von Bundes- und DDR-Recht sowie völkerrechtlichen Verträgen regeln die Artikel 8 bis 12. Die Artikel 13 bis 16 umfassen Übergangsregelungen für alle öffentlichen Einrichtungen. Artikel 17 ermöglicht die Rehabilitierung von Opfern des DDR-Unrechtsregimes. Die Fortgeltung gerichtlicher und behördlicher Entscheidungen wird in den Artikeln 18 bis 20 festgesetzt. Die Artikel 21 bis 29 regulieren den Umgang mit dem öffentlichen Vermögen und den Schulden der DDR-Regierung. Die Bereiche Arbeit, Soziales, Familie, Frauen, Gesundheitswesen und Umweltschutz werden in den Artikeln 30 bis 34 neu geregelt bzw. angepasst. Die Artikel 35 bis 39 beinhalten Neugestaltungen im Bereich, Kultur, Bildung, Wissenschaft und Sport. Übergangsregelungen und Schlussbestimmungen sind in den Artikeln 40 bis 45 enthalten.
Exmatrikulation
Bezeichnet die Streichung eines Studierenden von der Liste der Studierenden einer Hochschule. In der DDR wurde häufig aus politischen Gründen eine Zwangsexmatrikulation durchgeführt, wenn ein Studierender den offiziellen politisch-ideologischen Anforderungen nicht gerecht wurde oder gar Opposition betrieb. In der DDR galt das Studium offiziell als eine Auszeichnung, derer sich die Studierenden würdig zu erweisen hatten.
Fahnenflucht
Das Strafgesetzbuch der DDR vom 12. Januar 1968 definiert einen Fahnenflüchtigen als einen Soldaten, der "seine Truppe, Dienststelle oder einen anderen für ihn bestimmten Aufenthaltsort verläßt oder ihnen fernbleibt, um sich dem Wehrdienst zu entziehen". Dieses Vergehen wurde in der DDR mit einer Freiheitsstrafe von bis zu sechs Jahren bzw. in schweren Fällen von bis zu zehn Jahren bestraft.
Freier Deutscher Gewerkschaftsbund (FDGB)
Gegründet 1945/46, war der FDBG die Einheitsgewerkschaft in der DDR mit fast 10 Millionen Mitgliedern, die als verlängerter Arm der SED agierte und als Interessenvertretung ihrer Mitglieder weitgehend bedeutungslos war. Formell war der FDGB der Dachverband von 15 Einzelgewerkschaften, was in der Praxis jedoch keine Auswirkungen hatte. Über 95 Prozent aller Beschäftigten waren im FDGB organisiert. Er veranstaltete Urlaubsreisen und hatte andere sozialpolitische Funktionen. 1990 erfolgte die Auflösung des FDGB.
Freie Deutsche Jugend (FDJ)
1946 gegründete kommunistische Jugendmassenorganisation in der DDR. Sie war Teil des Erziehungssystems in der DDR. Obwohl offiziell keine Zwangsmitgliedschaft bestand, waren in den 1980er Jahren etwa 80 Prozent aller Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren Mitglied. Studierende und Oberschüler (Abiturienten) waren zu fast 100 Prozent in der FDJ organisiert. Die Mitgliedschaft sagte jedoch nicht unbedingt etwas über die ideologische Gesinnung aus, da sich viele mit einem derartigen Lippenbekenntnis bessere Karrierechancen ausrechneten.
Freie Demokratische Partei der DDR (FDP)
Die Freie Demokratische Partei der DDR wurde am 4. Februar 1990 in Ost-Berlin gegründet. Sie gehörte neben der Deutschen Forumpartei (DFP) und der Liberal Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD) zum liberalen Spektrum der DDR. Am 12. Februar 1990 trat die F.D.P. Ost dem "Bund Freier Demokraten" bei, um die Chancen der liberalen Parteien bei den ersten freien Wahlen zu erhöhen. Am 11. August 1990 vereinigten sich die Liberalen in Ost und West in Hannover zur gesamtdeutschen FDP. Bei den ersten gesamtdeutschen Wahlen gewinnt die FDP elf Prozent der Stimmen.
Frauen für den Frieden
1982 verabschiedete die DDR-Regierung ein neues Wehrdienstgesetz, in dem Wehrdienst auch für Frauen vorgesehen war. In Berlin fanden sich oppositionelle Frauen wie Bärbel Bohley, Ulrike Poppe und andere zu einer Initiative gegen dieses Gesetz zusammen. Sie verfassten Protestbriefe und sammelten Unterschriften. Aus der Initiative entstand die Gruppe "Frauen für den Frieden". Die Ostberliner Initiativgruppe gab den Anstoß dazu, dass sich ebenso wie in Westeuropa auch in der DDR ein Netz von Frauenfriedensgruppen entwickelte. Sie sahen sich als Teil der internationalen Frauenfriedensbewegung. Die Stärke der Gruppe lag in phantasievollen Aktionen, die von Kreativität und Lebensfreude ebenso zeugten wie von der Ernsthaftigkeit ihres Engagements für ein selbstverantwortetes Leben. Die "Frauen für den Frieden" waren maßgeblich am Entstehen der Bürgerbewegungen von 1989 beteiligt.
Friedensgemeinschaft Jena
Gehörte Anfang der 1980er Jahre zu den wichtigsten oppositionellen Gruppen in der DDR, die v.a. 1982/83 mit Demonstrationen und anderen öffentlichen Protesten auf sich und ihr Anliegen aufmerksam machte.
Führungsoffizier
Offizier des MfS, der Inoffizielle Mitarbeiter (IM) anleitete, ihnen Arbeitsaufträge erteilte und deren Durchführung kontrollierte.
18. Mai 2006 |
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