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Musik
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"Denn ich bin kein Einzelfall, sondern einer von vielen" |
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Afro-deutsche Rapkünstler in der Hip-Hop-Gründerzeit |
| Kofi Yakpo |
Irgendwann im Jahre 82...
... oder war es schon '83, auf jeden Fall schien die Sonne draußen, sah ich bei "Formel 1" das erste Mal MCs rappen: "New York, New York, big city a dream, but everything in New York ain't at all like what it seem". Grandmaster Melle Mel, mit Nietengürtel zwischen Ghettodekor – Mülltonnen und, soweit ich mich erinnern kann, ein Throw-up im Hintergrund – hauchte durch seine ungeheure Präsenz dem Playback Leben ein. Mehr Leben als ich es je von einem anderen Musiker außerhalb Afrikas erlebt hatte.
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Zur Person |
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Kofi Yakpo, Künstlername "Linguist". Studium der Linguistik, Politikwissenschaften und Ethnologie in Köln und Vanuatu; Managementstudium in Genf und Jurastudium in London. 1987 gründete er mit Toni L, DJ Mike MD, Gee One und Torch die legendäre Hip-Hop-Band "Advanced Chemistry". Er arbeitet bei "FIAN", einer internationalen Menschenrechtsorganisation. |  |
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 |  | Woher nahm er diese vielen Worte, von denen sich keines wiederholte? Woher nahm er den Atem, um sich nicht zu verhaspeln? Was war das? Gesang? Dann diese hünenhafte Gestalt mit muskulösem Oberarm und wütendem Ausdruck. Keiner von diesen bübchenhaften Poppern mit ihren blonden Strähnen, Pumphosen und unkoordinierten Bewegungen, für die ich auf den Parties von meinen weißen Schulkameraden Begeisterung vorschützen musste. Ziemlich genau zehn Jahre später stand ich selbst das erste Mal als MC mit "Advanced Chemistry" vor der Kamera. Gemeinsam mit Torch und Toni L rappte ich mir die Seele aus dem Leib. Anders als "Grandmaster Flash & The Furious Five" hatten wir darauf bestanden, nicht Playback zu rappen.
Afro-Deutsche waren von Anfang an mit dabei
Allein in Heidelberg, einem der wichtigen Entstehungsorte der Hip-Hop-Kultur in Westdeutschland, fällt mir kaum ein Bruder ein, der damals nicht getanzt oder ein bisschen gerappt hätte. Robby, Brandy, Tarek, Gerry, Mark, Freddy, Raymond – mit letzterem hatte ich 1984 meinen ersten Fernsehauftritt beim Rhein-Neckar Fernsehen. Ihre Namen verlieren sich im Dunkel der ungeschriebenen Hip-Hop-Geschichte der 1980er, eine Geschichte, die lange vor den ersten Plattenveröffentlichungen von Rapbands in Deutschland beginnt.
Hip-Hop stärkte uns den Rücken. Meine Generation von Afros, die in den 80ern aufwuchs und Hip-Hop in den 90ern großmachte, befand sich in den 80ern in einer ausweglos erscheinenden Situation. In den 70ern hatten selbst die Deutschen irgendwann entdeckt, dass "black beautiful" ist und Soul war hier populär – ein Welle, auf der unsere Eltern, waren Sie nun Afrikaner oder Afro-Amerikaner, reiten konnten. Die frühen 80er waren dagegen Ödnis, ein musikalischer Horrortrip. Wie Guerilleros kämpften wir uns durch diese Zeit, indem wir versuchten, an jedem noch so farblosen Popper in der Glotze irgendetwas zu finden, womit wir uns identifizieren konnten. Denn außer Michael Jackson – und der ließ ein eher unbequemes Gefühl zurück, weil irgend etwas nicht mit ihm stimmte – bekam man keinen Schwarzen im deutschen Fernsehen zu sehen oder im Radio zu hören.
Afro-Deutsche leben und überleben...
... so wie andere Minderheiten in Deutschland, deren Ursprünge in der Migration liegen, in der Grauzone, in der sich die Widersprüche dieser Gesellschaft auftun. Dies merkt man an den wechselreichen Lebensläufen von Afros, von denen viele zwischen verschiedenen Kontinenten, zwischen verschiedenen Familien oder einfach unter dem ständigen Ausnahmezustand des Rassismus aufgewachsen sind. Daher waren viele Afros und andere Migranten zwiespältig, was ihre Akzeptanz der deutschen Version der weltweiten Hip-Hop-Bewegung anging; dies galt besonders für MCs. Denn Ende der 80er, Anfang der 90er war es nicht cool, auf deutsch zu rappen. Gerade bei vielen Brüdern und Schwestern war die Identifikation mit den Afro-amerikanischen Vorbildern besonders groß – die Gründe dafür liegen auf der Hand: Zu wenig konnte die deutsche Sprache Ausdruck eines positiven Lebensgefühls sein. Dafür hatte sie zu sehr den bitteren Beigeschmack der schmerzhaften Erfahrung des Rassismus. Oft wurde ihre Beherrschung einem sogar ganz abgesprochen: "Woher kannst du denn so gut deutsch?" Viele Afros übernahmen daher damals lieber den Habitus und die Musik von ihren US-amerikanischen Vorbildern.
10. August 2004 |
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