Wahlergebnisse
Aus den 30 nationalen Wahlen seit 1949 (21 Bundestags- und 9 Europawahlen) ist die CDU/CSU 26 Mal als stärkste Partei hervorgegangen. Nur dreimal (1972, 1998 und 2021) fiel sie bei einer Bundestagswahl hinter die SPD, 2002 lagen beide Volksparteien gleichauf. Bei den Bundestagswahlen 2009, 2013, 2017 und 2025 gelang es der Union, die SPD klar zu distanzieren. Damit knüpfte sie an ihre starke Stellung in den 1950er- und 1980er-Jahren an. Auf der Landesebene ist das Bild gemischter: Als Regierungspartei im Bund musste die CDU bei Landtagswahlen häufig Stimmenverluste hinnehmen, was unter anderem auf den sogenannten Oppositionseffekt bei Zwischenwahlen zurückgeführt wird. Besonders schmerzlich geriet der Verlust ihres Stammlandes Baden-Württemberg im Jahr 2011, das sie zuvor fast sechs Jahrzehnte ununterbrochen regiert hatte. 2017 konnte die Partei von der SPD zwei Bundesländer zurückzuerobern – Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen –, während sie im Gegenzug 2021 das Ministerpräsidentenamt im Saarland nach 22 Jahren verlor. Von den 15 größten deutschen Städten außerhalb Bayerns wurden Mitte 2026 fünf – Berlin, Stuttgart, Düsseldorf, Essen und Dortmund – wieder von einem CDU-Bürgermeister angeführt, die zuvor lange Zeit von der SPD oder den Grünen regiert worden waren; in Dortmund stellte die SPD sogar ununterbrochen den Oberbürgermeister.
Die regionalen Schwerpunkte der CDU liegen einerseits in den katholisch geprägten Gebieten, die sich von Ausnahmen wie dem Emsland oder dem Thüringer Eichsfeld abgesehen auf Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Teile Baden-Württembergs konzentrieren. Andererseits schneidet sie in ländlichen Regionen besser ab als in den industriell geprägten urbanen Ballungsräumen. In Ostdeutschland, wo die Konfessionslosen in der Mehrheit sind, stellte sich nach 1990 ebenfalls ein Nord-Süd-Gefälle im Wählerverhalten ein. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin blieb die CDU hinter der SPD und den beiden anderen linken Parteien (PDS/Die Linke und Grüne) zurück. In Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt entwickelte sich die CDU dagegen über viele Jahre zur führenden politischen Kraft. Dies wird unter anderem auf die geringere Bindung vieler Wählerinnen und Wähler an linke Parteien sowie auf die Popularität von CDU-Ministerpräsidenten wie Kurt Biedenkopf, Bernhard Vogel, Wolfgang Böhmer und Reiner Haseloff zurückgeführt. Seit 2019 hat die AfD diese dominante Stellung der CDU in mehreren ostdeutschen Ländern zunehmend in Frage gestellt oder bereits gebrochen (Bösch 2025: 241 f.).
Seit Mitte der 2010er-Jahre hat sich die Wettbewerbssituation der CDU im Parteiensystem erheblich erschwert. Einerseits wird sie mit der AfD zum ersten Mal dauerhaft von einer neu entstandenen Partei am rechten Rand herausgefordert, andererseits steht sie in der bürgerlich-liberalen Mitte in zunehmender Konkurrenz zu den Grünen. Der Bedeutungsgewinn des Themas Klimaschutz trug dazu bei, dass die Grünen in den bundesweiten Umfragen 2019 zeitweise gleichauf mit der Union lagen. 2021 verloren CDU und CSU außerdem massiv an die SPD und FDP. 2025 konnten sie diese Wähler zum großen Teil wieder zurückgewinnen, wobei der Zufluss von der FDP mit über einer Million Stimmen am größten war. Gleichzeitig verlor die Union in ähnlicher Größenordnung Wählerinnen und Wähler an die AfD und das BSW (Zahlen von Infratest dimap).