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Wahlergebnisse und Wählerschaft der CDU

Frank Decker

/ 5 Minuten zu lesen

Auf nationaler Ebene ist die CDU meist stärkste Partei, auf Landes- und kommunaler Ebene muss sie jedoch immer wieder Stimmenverluste hinnehmen. Treueste Wählergruppe sind praktizierende Christen.

Friedrich Merz während einer Wahlkampfveranstaltung. Der überdurchschnittliche Zuspruch zur CDU in der Gruppe der über 60-jährigen Wähler fällt ins Auge. (© picture-alliance, Eibner-Pressefoto | Fabian Steffens)

Wahlergebnisse

Aus den 30 nationalen Wahlen seit 1949 (21 Bundestags- und 9 Europawahlen) ist die CDU/CSU 26 Mal als stärkste Partei hervorgegangen. Nur dreimal (1972, 1998 und 2021) fiel sie bei einer Bundestagswahl hinter die SPD, 2002 lagen beide Volksparteien gleichauf. Bei den Bundestagswahlen 2009, 2013, 2017 und 2025 gelang es der Union, die SPD klar zu distanzieren. Damit knüpfte sie an ihre starke Stellung in den 1950er- und 1980er-Jahren an. Auf der Landesebene ist das Bild gemischter: Als Regierungspartei im Bund musste die CDU bei Landtagswahlen häufig Stimmenverluste hinnehmen, was unter anderem auf den sogenannten Oppositionseffekt bei Zwischenwahlen zurückgeführt wird. Besonders schmerzlich geriet der Verlust ihres Stammlandes Baden-Württemberg im Jahr 2011, das sie zuvor fast sechs Jahrzehnte ununterbrochen regiert hatte. 2017 konnte die Partei von der SPD zwei Bundesländer zurückzuerobern – Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen –, während sie im Gegenzug 2021 das Ministerpräsidentenamt im Saarland nach 22 Jahren verlor. Von den 15 größten deutschen Städten außerhalb Bayerns wurden Mitte 2026 fünf – Berlin, Stuttgart, Düsseldorf, Essen und Dortmund – wieder von einem CDU-Bürgermeister angeführt, die zuvor lange Zeit von der SPD oder den Grünen regiert worden waren; in Dortmund stellte die SPD sogar ununterbrochen den Oberbürgermeister.

Die regionalen Schwerpunkte der CDU liegen einerseits in den katholisch geprägten Gebieten, die sich von Ausnahmen wie dem Emsland oder dem Thüringer Eichsfeld abgesehen auf Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Teile Baden-Württembergs konzentrieren. Andererseits schneidet sie in ländlichen Regionen besser ab als in den industriell geprägten urbanen Ballungsräumen. In Ostdeutschland, wo die Konfessionslosen in der Mehrheit sind, stellte sich nach 1990 ebenfalls ein Nord-Süd-Gefälle im Wählerverhalten ein. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin blieb die CDU hinter der SPD und den beiden anderen linken Parteien (PDS/Die Linke und Grüne) zurück. In Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt entwickelte sich die CDU dagegen über viele Jahre zur führenden politischen Kraft. Dies wird unter anderem auf die geringere Bindung vieler Wählerinnen und Wähler an linke Parteien sowie auf die Popularität von CDU-Ministerpräsidenten wie Kurt Biedenkopf, Bernhard Vogel, Wolfgang Böhmer und Reiner Haseloff zurückgeführt. Seit 2019 hat die AfD diese dominante Stellung der CDU in mehreren ostdeutschen Ländern zunehmend in Frage gestellt oder bereits gebrochen (Bösch 2025: 241 f.).

Seit Mitte der 2010er-Jahre hat sich die Wettbewerbssituation der CDU im Parteiensystem erheblich erschwert. Einerseits wird sie mit der AfD zum ersten Mal dauerhaft von einer neu entstandenen Partei am rechten Rand herausgefordert, andererseits steht sie in der bürgerlich-liberalen Mitte in zunehmender Konkurrenz zu den Grünen. Der Bedeutungsgewinn des Themas Klimaschutz trug dazu bei, dass die Grünen in den bundesweiten Umfragen 2019 zeitweise gleichauf mit der Union lagen. 2021 verloren CDU und CSU außerdem massiv an die SPD und FDP. 2025 konnten sie diese Wähler zum großen Teil wieder zurückgewinnen, wobei der Zufluss von der FDP mit über einer Million Stimmen am größten war. Gleichzeitig verlor die Union in ähnlicher Größenordnung Wählerinnen und Wähler an die AfD und das BSW (Zahlen von Infratest dimap).

Aktuelle Wahlergebnisse der CDU

Wahlergebnisse bei den letzten Wahlen zu Landesparlamenten, dem Bundestag und dem Europäischen Parlament

Bei nicht aufgeführten Wahlen ist die Partei nicht mit einer Landesliste o.ä. angetreten.
WahlDatumProzentualer AnteilStimmenanzahl
AnteilGewinn
Verlust
StimmenGewinn
Verlust
Sachsen-Anhalt06.06.202137,1%7,4%394.81060.671
Mecklenburg-Vorpommern26.09.202113,3%-5,7%121.583-31.532
Saarland27.03.202228,5%-12,2%129.154-88.109
Schleswig-Holstein08.05.202243,4%11,4%601.964130.504
Nordrhein-Westfalen15.05.202235,7%2,8%2.552.276-244.407
Niedersachsen09.10.202228,1%-5,6%1.017.304-269.887
Berlin27.02.202328,2%10,6%428.228140.226
Bremen114.05.202326,2%-0,4%331.380-60.329
Hessen08.10.202334,6%7,6%972.876195.966
Europäisches Parlament09.06.202423,7%1,1%9.435.636996.661
Sachsen01.09.202431,9%-0,2%749.11453.554
Thüringen01.09.202423,6%1,9%285.09744.048
Brandenburg22.09.202412,1%-3,4%181.716-14.972
Bundestag23.02.202522,6%3,6%11.196.3742.421.454
Hamburg202.03.202519,8%8,6%865.713411.996
Baden-Württemberg08.03.202629,7%5,6%1.595.929426.954
Rheinland-Pfalz22.03.202631,0%3,3%627.95492.636
Tabellenbeschreibung

Die Tabelle zeigt die Wahlergebnisse der Partei CDU zwischen dem 06.06.2021 und dem 22.03.2026. Bei elf von 17 Wahlantritten der Partei in diesem Zeitraum steigerte sich der prozentuale Anteil der Partei an den gültigen Stimmen im Vergleich zur vorherigen Wahl. Das höchste Ergebnis erzielte die Partei mit 43,4% bei der Wahl in Schleswig-Holstein 2022, das niedrigste mit 12,1% bei der Wahl in Brandenburg 2024.

Fußnote: 1 Bremen: Personen- und Listenstimmen (bis zu fünf Stimmen je Wähler)

Fußnote: 2 Hamburg: Landesstimmen (bis zu fünf Stimmen je Wähler)

Quelle: Die Bundeswahlleiterin und Landeswahlleitungen.

Wählerschaft

Betrachtet man das Wahlverhalten nach sozialen Gruppen, so fällt zunächst der überdurchschnittliche Zuspruch zur CDU/CSU in der Gruppe der älteren (über 60-jährigen) Wähler ins Auge. Durch ihre wachsende zahlenmäßige Stärke kommt den älteren Wählern für den Wahlausgang ohnehin große Bedeutung zu. Umgekehrt verhält es sich bei der Kirchenbindung. Praktizierende Christinnen und Christen bilden mit Zustimmungswerten von bis zu 60 Prozent weiterhin die treueste Wählergruppe der Union, was der Partei aber wenig nutzt, weil diese Gruppe stark geschrumpft ist und inzwischen weniger als 5 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. Fragt man nach der Konfessionszugehörigkeit, lässt sich nach wie vor eine Spanne zwischen katholischen und protestantischen Unionswählern ausmachen, allerdings mit abnehmender Tendenz (Walter / Werwath / D'Antonio 2014: 174 ff.). Am schwächsten schneidet die Union bei den konfessionslosen Wählern ab.

Eine interessante Entwicklung zeigt das Stimmverhalten der Geschlechter. Bis in die 1990er-Jahre hinein war der weibliche Anteil unter den Unionswählern stets höher als der männliche (in den 1950er- und 1960er-Jahren sogar deutlich), was unter anderem mit der stärkeren Religiosität der Frauen erklärt wird. 2002 kehrte sich das Verhältnis erstmals um, weil vor allem jüngere Frauen die familien- und geschlechterpolitischen Positionen von CDU und CSU vielfach als nicht mehr zeitgemäß wahrnahmen. Dass die Partei diesen Kompetenzverlust wettmachen konnte und bei den Frauen 2009 und 2013 wieder deutlich vorne lag, verdankte sie unter anderem der Popularität von Angela Merkel und Ursula von der Leyen. Gleichzeitig dürfte sich die im Wahlkampf 2013 versprochene Aufstockung der Mütterrente auf die Unterstützungsbereitschaft weiblicher Wähler positiv ausgewirkt haben. Bei den Bundestagswahlen 2017 und 2021 wurde der Frauenüberhang nochmals größer, weil vor allem männliche Wähler in den mittleren Altersgruppen zur AfD und zur FDP abwanderten. 2025 wurde die CDU dann zum ersten Mal in ihrer Geschichte von etwas mehr Männern als Frauen gewählt (Zahlen der repräsentativen Wahlstatistik).

Verlässlich überdurchschnittliche Zustimmung erhält die Union vor allem von der zahlenmäßig kleinen Gruppe der Landwirte, die allerdings genauso wie die katholischen Kirchgänger nur eine kleine Wählergruppe ausmachen. Bei den Selbstständigen schneiden die Christdemokraten ebenfalls überdurchschnittlich ab; hier rivalisieren sie – wie ein Vergleich der Wahlergebnisse seit 2009 zeigt – stark mit der bürgerlichen Konkurrenzpartei FDP. Rentner und Beamte sind in der Wählerschaft leicht über-, die Angestellten leicht unterrepräsentiert. Letzteres gilt seit den 1980er-Jahren auch für die Arbeiter. Dies unterstreicht den weiterhin vergleichsweise breiten sozialen Zuschnitt der Unionswählerschaft als Volkspartei. Größere Einbrüche in dieser Gruppe hatte die Union seit der Wiedervereinigung nur bei den Bundestagswahlen 1994 und 1998 zu verzeichnen. Von 2009 bis 2017 lag sie bei den Arbeitern in absoluten Zahlen vor der SPD, bevor sich das Verhältnis 2021 wieder umkehrte. 2025 erreichte sie unter den Arbeitern dann sogar einen größeren relativen Stimmanteil als die Sozialdemokraten (22 gegenüber 12 Prozent). Mit Blick auf das Bildungsniveau sind Personen mit mittleren oder niedrigeren Abschlüssen in der Unionswählerschaft leicht überrepräsentiert, während die Hochschulabsolventen unterdurchschnittlich vertreten sind (Daten der Forschungsgruppe Wahlen).

Quellen / Literatur

  • Alexander, Robin (2021), Machtverfall. Merkels Ende und das Drama der deutschen Politik: Ein Report, München.

  • Bösch, Frank (2001), Die Adenauer-CDU. Gründung, Aufstieg und Krise einer Volkspartei 1945-1969, Stuttgart / München.

  • Bösch, Frank (2002), Macht und Machtverlust. Die Geschichte der CDU, Stuttgart / München.

  • Bösch, Frank (2025), Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU), in: Frank Decker / Viola Neu (Hg.), Handbuch der deutschen Parteien, 4. Aufl., Wiesbaden, S. 231-251.

  • Brechenmacher, Thomas (2020), Die CDU unter Angela Merkel (2000-2018), in: Norbert Lammert (Hg.), Christlich Demokratische Union. Beiträge und Positionen zur Geschichte der CDU, München, S. 81-135.

  • Buchstab, Günter (2022), Die CDU in der Ära Kohl, in: Norbert Lammert (Hg.), Handbuch zur Geschichte der CDU. Grundlagen, Entwicklungen, Positionen, Darmstadt, S. 165-191.

  • Decker, Frank (2008), Wo wir sind, ist die Mitte. Zum Standort der CDU im deutschen Parteiensystem, in: Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte 55 (1/2), S. 12-15.

  • Decker, Frank (2020), Aufbruch in unsichere Zeiten. Die CDU am Ende der Ära Merkel, Ifri Comité d’études des relations franco-allemandes, Notes du Cerfa 157, Paris.

  • Dilling, Matthias (2022), Kanzlerwahlverein No More? Failed Internal Coalition Building and the CDU/CSUs 2021 Campaign, in: German Politics & Society 40 (3), S. 88-109.

  • Dümig, Kathrin/Matthias Trefs/Reimut Zohlnhöfer (2006), Die Faktionen der CDU. Bändigung durch institutionalisierte Einbindung, in: Patrick Köllner / Matthias Basedau / Gero Erdmann (Hg.), Innerparteiliche Machtgruppen, Frankfurt a.M., S. 99-129.

  • Kleinmann, Hans-Otto (1993), Geschichte der CDU 1945-1982, Stuttgart.

  • Lau, Mariam (2009), Die letzte Volkspartei. Angela Merkel und die Modernisierung der CDU, München.

  • Oppelland, Torsten (2023), Die Niederlage der CDU: Folge einer ungelösten Führungskrise, in: Uwe Jun / Oskar Niedermayer (Hg.), Die Parteien nach der Bundestagswahl 2021, Wiesbaden, S. 101-129.

  • Resing, Volker (2013), Die Kanzlermaschine. Wie die CDU funktioniert, Freiburg i. Br.

  • Schmid, Josef (1990), Die CDU. Organisationsstrukturen, Politiken und Funktionsweisen einer Partei im Föderalismus, Opladen.

  • Schwarz, Hans-Peter, Hg. (2009), Die Fraktion als Machtfaktor. CDU/CSU im Deutschen Bundestag 1949 bis heute, München.

  • Walter, Franz / Christian Werwath / Oliver D'Antonio (2014), Die CDU. Entstehung und Verfall christdemokratischer Geschlossenheit, 2. Aufl., Baden-Baden.

  • Zolleis, Udo / Josef Schmid (2013), Die Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU), in: Oskar Niedermayer (Hg.), Handbuch Parteienforschung, Wiesbaden, S. 415-437.

Fussnoten

Lizenz

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Prof. Dr. Frank Decker lehrt und forscht am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Seine Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Parteien, westliche Regierungssysteme und Rechtspopulismus im internationalen Vergleich.