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Einführung
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Indien – eine Einführung |
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Herausforderungen für die aufstrebende asiatische Großmacht im 21. Jahrhundert |
| Heinz Werner Wessler |
Fast ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt in Indien – trotz der gewaltigen Fläche von fast 3,3 Millionen Quadratkilometer ist das Land damit relativ dicht besiedelt.
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Zuschauer der allabendlichen Zeremonie am indisch-pakistanischen Grenzübergang Wagah unweit von Amritsar (Punjab) Foto: Stefan Mentschel
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Am engsten siedeln die Menschen in den rasch wachsenden städtischen Ballungsgebieten, doch auch in weiten Teilen des nordindischen Zweistromlands – vor allem im Unionsstaat Uttar Pradesh – sowie am Unterlauf des Ganges in den Unionsstaaten Bihar und Westbengalen liegt die mittlere Bevölkerungsdichte bei annähernd 1000 Einwohnern je Quadratkilometer. Wüstengebiete und Gebirgsregionen sind dagegen extrem dünn besiedelt. (Gesamt-Indien: 333 / Deutschland: 230 / EU: 116)
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Zur Person |
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Dr. Heinz Werner Wessler ist Wissenschaftlicher Angestellter im Institut für Orient- und Asienwissenschaften der Universität Bonn (Abteilung für Indologie). Er hat seine Doktorarbeit zu "Zeit und Geschichte im Vishnupurana" geschrieben und arbeitet seit einiger Zeit an einem Forschungsprojekt zu Dalit-Literatur in Hindi. |  |
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 |  | Zwischen den Bergen des Himalaja im Norden und dem Kap Komorin im Süden, den Gebieten an der Grenze zu Myanmar (Burma) im Nordosten und der Wüste Thar in Rajasthan im Westen liegen ganz unterschiedliche Klimaregionen und auch die Bevölkerungen unterscheiden sich sprachlich, religiös und kulturell stark voneinander. Insofern lässt sich Indien weniger mit einem einzelnen Staat als etwa mit der Europäischen Union als ganzer vergleichen.
Bevölkerung
Indiens Bevölkerung ist im 20. Jahrhundert rapide gewachsen. Im Mai 2000 wurde offiziell die Milliardengrenze überschritten. Etwa jeder sechste Erdenbewohner ist damit
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Angehöriger der Religionsgemeinschaft der Sikh in Delhi
Foto: Stefan Mentschel
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eine Inderin oder ein Inder, die mit einem Durchschnittsalter mit 24,9 Jahren (Deutschland: 41) sehr jung sind. Die Lebenserwartung liegt bei 64,71 Jahren. (Deutschland: 79)
Die meisten Menschen leben noch immer auf dem Land, doch die Landflucht lässt den Anteil der städtischen Bevölkerung stetig anwachsen. Heute gibt es nahezu drei Dutzend Metropolen mit mehr als einer Million Einwohnern. In Delhi, Hyderabad, Mumbai (Bombay) und Kolkata (Kalkutta) entstehen neue Sozialmilieus, die sich aus Bevölkerungsgruppen ganz unterschiedlicher regionaler und sozialer Herkunft zusammensetzen. Dazu gehören die zahllosen Familien von Bediensteten, kleinen Angestellten und Industriearbeitern, aber auch eine gut ausgebildete städtische Mittelschicht, die ganz ähnliche Konsumbedürfnisse wie in den westlichen Ländern entwickelt und sich diesen Wohlstand auch zunehmend leisten kann.
Diese Schicht kommt einerseits in der modernen globalisierten Welt mit all ihren Traditionsbrüchen an, andererseits ist der Druck zur sozialen und religiösen Konformität nach wie vor stark. Spätestens wenn es um die Wahl des Ehepartners geht, tut sich auch diese Schicht schwer, mit der Tradition zu brechen, die besagt, dass der Mann und Frau aus der gleichen Kaste zu kommen haben. Zwar zeigt das System erste Risse, doch der große Durchbruch ist bisher ausgeblieben.
Bereits 1956 hat Indien als erstes Land der Welt ein Ministerium für Familienplanung eingerichtet. Mit Aufklärung und Kampagnen für die Verwendung von Verhütungsmitteln versuchte man, das Bevölkerungswachstum – es betrug damals mehr als 4 Prozent pro Jahr – in den Griff zu bekommen. Doch trotz eines gewaltigen Budgets, waren die Ergebnisse enttäuschend. Zudem geriet die staatliche Familienplanung durch die unter Indira Gandhis Notstandsregime von 1975-77 praktizierte Zwangssterilisierung von Angehörigen der Unterschicht in Verruf. Auch heute noch wird Familienplanung mit zum Teil aggressiven Kampagnen verbreitet. Immerhin ist das jährliche Bevölkerungswachstum mittlerweile auf 1,4 Prozent gesunken. Gleichwohl wird es in zehn Jahren mehr Inder als Chinesen auf der Welt geben.
Der wichtigste Grund für diesen Rückgang dürfte weniger die staatliche Familienplanung als die zunehmende Verbreitung von Bildung in der Bevölkerung sein. Die langsame, aber stetig zunehmende Alphabetisierung der Gesamtbevölkerung korrespondiert mit einem ausgeprägten Bildungshunger einer großen Mehrheit der indischen Bevölkerung. Es ist immer wieder erstaunlich zu erfahren, wie indische Eltern einen erheblichen Anteil ihres Einkommens für Schul- und Studiengelder ihrer Kinder zu investieren bereit sind. So sind Abschlüsse an teuren, meist anglophonen Privatschulen oft Eintrittskarten in eine erfolgreiche berufliche Laufbahn. Auch der Staat investiert Unsummen in seine Elitehochschulen, lässt aber gleichzeitig seine Grundschulen auf einem kümmerlichen Stand verharren und zementiert damit ein Zwei-Klassen-System auf dem Bildungssektor. Zugang zu einer adäquaten Ausbildung haben nur diejenigen Kinder, deren Eltern sich teure Privatschulen leisten konnten.
Traditioneller Multikulturalismus
Der traditionelle Multikulturalismus in ganz Südasien war und ist für viele europäische Indienreisende
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Hinduistin betet vor dem Jagannath-Tempel in Puri (Orissa)
Foto: Stefan Mentschel
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eine Offenbarung. In Mumbai etwa mit seinem viktorianischen "Gateway of India" steht Tempel neben Moschee, Kirche neben den "Türmen des Schweigens" genannten Begräbnisstätten der Parsis, ein Gurdwara der Sikhs neben dem Bahai-Tempel. Angehörige aller Religionen pilgern zu Haji Alis Grab, um ihm Tücher und Weihrauch darzubringen und sich hier den Segen des Sufi-Heiligen zu holen.
Die charismatischen Lehrmeister einer Konfession werden oft auch von den Angehörigen anderer Konfessionen aufgesucht, verehrt, um ihren Segen gebeten. Am Grabmal des großen Sufi-Heiligen Nizamuddin Auliya in Delhi herrscht jede Woche am Donnerstagabend dichtes Gedränge. Muslims, Hindus und Sikhs umkreisen das einfache Marmorgrab ehrfürchtig, zünden Räucherkerzen an, spenden Blumenschmuck, Süßigkeiten und bunte Tücher. Die Tradition ist liberal: Selbst Transvestiten, die so genannten Hijras, reihen sich problemlos in den Kreis der Verehrer ein.
Man weiß, mit wem man es beim Anderen zu tun hat – man kennt seine Feste, einige seiner religiösen Pflichten und Gebote, Grundlagen seines Glaubens. Man trifft sich, hat Umgang miteinander, beschenkt sich an Festtagen. Doch spätestens beim Heiraten sind die Grenzen der Toleranz erreicht. Selbst bei bester Freundschaft und sozial ähnlicher Hierarchieposition schafft das Heiraten über die Grenzen von Konfessionen und Kasten nur Probleme. Wer nicht bei den Seinen, bei seiner Kaste, seinen Gewohnheiten und Ritualen bleibt, muss im Ernstfall mit drakonischen Maßnahmen rechnen: Ausschluss aus Kaste und Familie, Enterbung, physische Gewalt bis zum Mord. Zwar gibt es wie überall auf der Welt Menschen, die Grenzen bewusst überschreiten, doch Multikulturalismus ist in Indien mehr ein Mosaik von unterschiedlichen Identitäten bzw. Kommunitäten als ein "Schmelztiegel".
30. Januar 2007 |
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Schriftenreihe |
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Eine kleine Geschichte Indiens
Informativ und leidenschaftlich stellt Shashi Tharoor in seinem Buch Indien als Subkontinent der Gegensätze dar. Er analysiert und argumentiert, statt zu deuten und zu schwärmen. |
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Informationen zur politischen Bildung |
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Indien
Indien ist mit Blick auf Bevölkerung, Ausdehnung und gesellschaftliche Vielfalt ein Land der Superlative. Doch auch die Herausforderungen, vor denen das Land steht, sind gewaltig. |
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