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Dossier Parteien

Bündnis 90/Die Grünen – Wählerschaft und Mitglieder

Serkan Agci
Jung, weiblich, gut gebildet – das ist das allgemeine Bild der grünen Wähler und Parteimitglieder. Sie sind jedoch gemeinsam mit der Partei älter geworden.

Bild: AP
Berliner Delegierte protestieren auf dem Bundesparteitag vom Bündnis 90/Die Grünen 2009 gegen den Ausbau der Stadtautobahn A 100. Foto: AP.

Die Entwicklung der Mitgliederzahlen von Bündnis 90/Die Grünen ist auch die Folge politische Auseinandersetzungen: Inhaltliche Festlegungen und umstrittene Regierungsentscheidungen sorgten in der Vergangenheit immer wieder dafür, dass Gruppen von Mitgliedern die Partei verließen.

Mitglieder

Die Mitgliederzahl der Grünen schwankte seit ihrer Gründung 1980 in großem Umfang. Waren es 1983 zunächst 25.000 Mitglieder und stieg diese Zahl bis auf knapp 42.000 im Jahr 1987, fiel die Zahl mit den ersten größeren Wellen von Parteiaustritten im Jahr 1988 wieder auf 40.000. Diese Austritte hingen mit der Diskussion um eine Beteiligung der Partei an einer rot-grünen Koalition in Berlin zusammen. Bis 1992 sank die Zahl weiter auf 36.300, weil Ökosozialisten und Radikal-Ökologen aus der Partei austraten.

Nach der Vereinigung von Die Grünen und Bündnis 90 im Jahr 1993 stieg die Mitgliederzahl der neu gegründeten Partei auf fast 44.000 im Jahr 1994 an. In den Folgejahren verzeichnete die noch junge Partei weiteren Mitgliederzuwachs bis auf fast 52.000 Mitglieder im Jahr 1998. Bis 2002 sanken die Zahlen jedoch wieder bis auf 44.000 Mitglieder, wahrscheinlich wegen der Beteiligung am NATO-Einsatz im Kosovo-Krieg, den die grünen Vertreter in der Bundesregierung unterstützt hatten. Bis Ende 2007 konnte sich die Partei in etwa auf diesem Stand halten.

Mit Blick auf die Struktur der Mitglieder kann Bündnis 90/Die Grünen als die "jüngste Partei" in Deutschland gelten. Die Partei wies 2007 mit 12,6 Prozent den höchsten Anteil von Mitgliedern unter 30 Jahren auf. Danach folgten FDP und SPD mit 10,7 Prozent bzw. 5,8 Prozent. Zugleich haben bei Bündnis 90/Die Grünen Mitglieder über 60 Jahre lediglich einen Anteil von 11,5 Prozent. Diese Gruppe stellt bei den anderen Bundestagsparteien mindestens 34,9 Prozent (FDP), in der Regel aber über 40 Prozent der Mitglieder. Auch beim Frauenanteil liegt die Partei mit an der Spitze in der Parteienlandschaft. 37 Prozent der Grünen sind weiblich; nur die Linke hat prozentual mehr Frauen in ihren Reihen.

Eine repräsentative Studie, die Ende der 1990er Jahre durchgeführt wurde, belegt außerdem, dass die Mitglieder der Grünen das höchste Bildungsniveau unter den Parteien aufweisen (Heinrich/Lübker/Biehl 2002: 17). Ein Grund hierfür sind die Wurzeln der Grünen, die aus den studentischen Protestbewegungen und den so genannten Neuen Sozialen Bewegungen hervorgingen. Zum Zeitpunkt der Studie waren zudem Mitglieder der Grünen häufiger als Mitglieder anderer Parteien in einem Umweltschutzverband, einer Bürgerinitiative oder in einer Frauengruppe aktiv (Heinrich/Lübker/Biehl 2002: 25).

Wählerschaft

Die repräsentative Wahlstatistik zur Bundestagswahl 2009 zeigt, dass die Grünen ihre besten Ergebnisse bei den 18- bis 25-Jährigen erzielten, nämlich 15,4 Prozent gegenüber 10,7 Prozent in der Gesamtbevölkerung. In absoluten Zahlen sind jedoch die 45- bis 60-Jährigen die größte Wählergruppe der Grünen: 33,5 Prozent aller Wähler von Bündnis 90/Die Grünen stammen aus dieser Altersgruppe.

Bei den Männern erhielten die Grünen 9,4 Prozent der Stimmen, bei den Frauen hingegen 12,0 Prozent. In der Gruppe der 18- bis 25-Jährigen Frauen stimmten sogar 18,9 Prozent für die Partei. Es ist zu vermuten, dass die Wähler der Grünen mit der Partei gealtert sind: In den Gruppen der 18- bis 25-Jährigen und der 25- bis 35-Jährigen konnte die Partei ihre hohen Stimmenanteile aus den 1980er-Jahren nicht wieder erreichen. Bei den höheren Altersgruppen verzeichnen die Grünen dagegen seit 1990 teilweise deutliche Zuwächse.

Literatur

Heinrich, Roberto/Lübker, Malte/Biehl, Heiko, 2002: Parteimitglieder im Vergleich: Partizipation und Repräsentation. Kurzfassung des Abschlussberichts zum gleichnamigen DFG-Projekt, Antragsteller: Prof. Dr. Wilhelm Bürklin und Dr. Carsten Zelle. Potsdam. Datenstand: 1998.

Kowitz, Rolf, 1995: Die Grünen: Wähler, Weltbild, Widersprüche, in: Institut der deutschen Wirtschaft (Hrsg.), 1995: Grüne Aussichten, Köln.

Klein, Markus/Falter, Jürgen W., 2003: Der lange Weg der Grünen, Eine Partei zwischen Protest und Regierung, München.

Niedermayer, Oskar: Parteimitglieder in Deutschland: Version 2008. Arbeitshefte a. d. Otto-Stammer-Zentrum, Nr. 13, FU Berlin 2008.

Bundeswahlleiter, 2010: Wahl zum 17. Deutschen Bundestag am 27. September 2009, Heft 4: Wahlbeteiligung und Stimmabgabe der Männer und Frauen nach Altersgruppen, Wiesbaden.


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22. Februar 2010


 
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