Afro-deutsches Bewusstsein ist schwarzes Bewusstsein in der Diaspora und in einer einzigartigen Position, nämlich derjenigen, keine gemeinsame nationale Geschichte, keinen gemeinsamen kulturellen, geographischen, religiösen oder ethnischen Background zu haben. Was auch immer wir sein mögen, Vielfalt ist unser Name. Diese Vielfalt der Geschichten gilt es zu fördern und vor allem in die Öffentlichkeit zu tragen. Sowohl in die schwarze Öffentlichkeit, als auch in die weiße, um so eigene Strukturen für "Selfempowerment" aufzubauen.
"Wenn die Gruppe zu spielen anfängt,
haben wir keinerlei Konzept davon,
wie sich das Ganze entwickeln wird.
Jeder Musiker hat die Freiheit zu jedem
Augenblick das einzubringen, was er
assoziiert. Wir haben kein vorgefasstes
Konzept von dem Ergebnis, das wir erzielen werden."
(aus: Ornette Coleman über Free Jazz)
Postkoloniale Inseln
Die Geschichte der schwarzen Existenz in Deutschland hat viele Aspekte. Ich möchte hier auf den kulturellen eingehen. Deutschland hat lange Zeit ein Umfeld geboten, dass, ähnlich wie Berlin innerhalb Deutschlands, eine Art isolierte Inselexistenz im internationalen postkolonialen Kontext darstellte. Nach der Aufgabe der deutschen Kolonien waren "People of African Descent" in Deutschland anders als in England, Frankreich und den USA nur als das andere, das von Außen kommende, das Besuchende, das Nicht-deutsche denkbar. Inzwischen lassen schwarze Präsenz durch Migration und Geburten in Deutschland einerseits sowie die aus den Gender und Ethnic Studies ausgehenden Diskurse andererseits es nicht mehr zu, dass der Mainstream über Schwarze Existenz in Deutschland hinweg sieht. Ob nun als rechte Abwehrreaktion oder als liberale Begrüßung Schwarz hat in den Post-MTV- und VIVA-Generationen den öffentlichen Raum ein für allemal, wenn auch durch die Hintertür, betreten. Und langsam geht das kulturelle Definitionsrecht für uns auf uns selber über.